Wallmann

Am 16. März 2015 äußerte sich der Klimaschutz-Beauftragte des Werra-Meißner-Kreises, Dr. Rainer Wallmann, zu dem von ihm vorangetriebenen Ausbau von Windkraftanlagen. 

In diesem Landstrich in Nordhessen, der durch das Bundesumweltministerium zu einem Hotspot der biologischen Vielfalt gekürt wurde 

soll nun der Windkraft Raum geschaffen werden.

Der Naturpark Kaufunger Wald, eines der größten unzerschnittenen Waldgebiete des Landes, soll zur Industriezone werden.

Einer sachlichen Diskussion mit den Bürgern hatte sich der in der Sache inhaltlich und fachlich offenbar überforderte Politiker nie gestellt.  Der seinem „Klimaschutzkonzept“ entgegengebrachten fundierten Kritik der Bürger hat er sich nie angenommen. Stattdessen begegnet er der in der Bürgerschaft mittlerweile gekräftigten Vernunft mit Nebelkerzen.

Das Interview führte Friederike Steensen in der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen (HNA).

HNA: Müssen wir hier in Deutsch­land das Weltklima retten?

WALLMANN: Nein, aber wir sind wirtschaftlich und technisch in der Lage, Veränderungen herbeizufüh­ren und haben Verantwortung für zukünftige Generationen sowie für ärmere Länder. Un­ser Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß liegt zwar nur bei 2,5 Prozent – aber wir stellen auch nur ein Prozent der Weltbe­völkerung.

Bürger bemerken:

Deutschland trägt in der Tat rund 2,5 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Dieser Anteil wird bis 2030 auf rund 1,5 Prozent fallen – unabhängig davon, welche Politik in Deutschland oder gar im Werra-Meißner-Kreis betrieben wird. Nämlich deshalb, weil die Emissionen in anderen Teilen der Welt (insbesondere in China) steil ansteigen. Unser „Beitrag“ kann also allenfalls symbolischer Natur sein. Dergestalt, dass wir der Welt gangbare Wege zur Emissionsreduktion aufzeigen. Aber genau das tun wir mit der Energiewende-Politik nicht.

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In diesem bemerkenswerten Artikel vom 17.8.14 lieferte der niederländische Umweltökonom Richard Tol eine Außensicht auf die deutsche Energie- und Klimapolitik.

Mehr dazu hier, hierhier oder hier.

Im Übrigen:

Die 1% der Weltbevölkerung zu den 2,5% der weltweiten CO2-Emissionen in Relation zu setzen, ist unsinnig.

Damit wird suggeriert, dass wir unseren Anteil an den Emissionen auf den Bevölkerungsanteil senken müssten. Implizit schlägt Herr Wallmann damit vor, dass wir uns an Somalia oder dem Tschad orientieren. Wer so einen Kurs einschlägt, kann in einer rationalen Umgebung niemandem als Vorbild dienen.

Eine sinnvollere Bezugsgröße wäre unser Anteil am Welt-BIP (ca. 3,9%). Sicherlich haben wir höhere Emissionen als der Tschad, aber wir haben auch eine um ein Vielfaches höhere Lebensqualität. Letztere und übrigens ebenso die Umweltqualität sind positiv mit materiellem Wohlstand, sprich qualitativem Wachstum, korreliert.

Gemessen an dieser sinnvollen Bezugsgröße, ist unsere Bilanz überdurchschnittlich gut und erfordert mitnichten das hektische Ergreifen völlig sinnloser bis kontraproduktiver Maßnahmen (wie etwa die Verwandlung von Naturschutz- und FFH Gebieten in Industrieparks).

Tatsächlich haben wir es in Deutschland bereits geschafft, unser Wachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln!

Wir wachsen und brauchen trotzdem absolut weniger Energie. Das ist ein echter Erfolg. Untergangsszenarien sind vollkommen deplaziert.  

HNA: Helmut Heiderich (CDU) be­tonte kürzlich, dass Windräder keine gute CO2-Bilanz haben, weil man auch das Kraftwerk mitrechnen müsse, das Schwankungen ausgleicht.

WALLMANN: Windkraftanlagen haben sehr gute CO2-Bilanzen. Der für die Errichtung eines Windrades erforderliche Energieaufwand wird durch den Betrieb der Anlage in sechs bis neun Monaten er­zeugt. Danach wird über 20 Jahre nahezu klimaneutraler Strom erzeugt. Natürlich gibt es bei der Windkraft Schwan­kungen in der Stromprodukti­on. Aber wir haben auch Bio­masse, Sonnenenergie, Strom­netze, Stromhandel mit Nach­barländern, Lastmanagement sowie flexible Gas-Kraftwerke, die Schwankungen ausgleichen können. Dieses Gesamt­system ist wirtschaftlich und nachhaltig.

Bürger bemerken:

Die Antwort, wann sich eine WKA energetisch amortisiert, passt nicht zur Frage. Die Aussage, dass dies nach 9 Monaten der Fall ist, mag stimmen, ist aber eine Nebelkerze. Das Gesamtsystem ist eben nicht wirtschaftlich und eben nicht nachhaltig und eben nicht klimaschonend. Die Empirie widerlegt die Fantasie: Das Kraftwerk Irsching ist das Mahnmal dieser Politik.

Die von Dr. Wallmann unterstellte Klimaschutzwirkung der „Energiewende“ und insbesondere des Windkraftausbaus fußt auf der Vorstellung, dass damit der CO2-Ausstoß reduziert und der sogenannte Treibhauseffekt reduziert würde. Dazu muss man folgende Fakten berücksichtigen:

  1. Deutschland trägt zu den globalen CO2-Emissionen ungefähr 2,5 % bei.

Egal, welche Politik in Deutschland betrieben wird, wird dieser Anteil bis 2030 auf deutlich unter 2% sinken. Deshalb, weil allein die Zuwächse in China und Indien unsere Gesamtemission deutlich übertreffen. Was in Deutschland an CO2 emittiert wird (Gesamtemissionen), entspricht der Menge, die in China alle 14 Monate neu hinzukommt. Wenn Deutschland morgen aufhörte zu existieren, wäre dies in der globalen CO2-Bilanz allein durch China nach einem guten Jahr bereits vollständig ausgeglichen. Schon aufgrund dieser Dimensionen ist es völlig ausgeschlossen, dass man von deutschem Boden aus einen Einfluss auf das Weltklima entfalten kann. Die Maßnahmen sind völlig wirkungslos. Unsere Natur wird auf dem Altar abstruser grüner Ideologie geopfert.

  1. Wenn man sich von einem klaren Blick auf die nüchtern Zahlen nicht irritieren lassen möchte und dennoch einen Effekt unterstellt, so wie es Dr. Wallmann tut…

… so kann die Windkraft trotzdem keinen Klimaschutz-Beitrag leisten. Denn sie wirkt allein im Stromsektor. Dieser macht aber nur ein knappes Viertel des gesamten Energieverbrauchs aus. Die „großen Brocken“ Verkehr und Wärme werden nicht berührt. Dem Klima ist es jedoch egal, ob ein CO2-Molekül aus dem Auspuff eines PKW, dem Kamin eines Kachelofens oder dem Schornstein eines Kraftwerks kommt. Der gesamte Energieverbrauch ist maßgeblich. Zu diesem tragen alle Windkraftanlagen zusammen nur 1,3 % bei. Es geht also um 1,3 % von 2,5 %, also 0,0325 Prozent der globalen Emissionen, die unter theoretischen Idealbedingungen überhaupt durch die Windkraftanlagen beeinflusst werden können.

  1. Wem die Aussicht auf Beeinflussung von 0,0352 Prozent der globalen CO2-Emmissionen jedes Opfer wert ist, der muss dennoch konstatieren, dass selbst diese Aussicht trügerisch ist.

De Facto führt der Windkraftausbau zu überhaupt keiner C02-Einsparung. Die theoretischen Idealbedingungen sind nämlich nicht erfüllt. Da Windkraftanlagen nicht grundlastfähig sind, müssen stets andere Kraftwerke im Hintergrund bereitgehalten werden. Diese werden in den Stop-&-Go-Betrieb gezwungen und arbeiten dadurch unwirtschaftlich. Sie verbrauchen mehr Brennstoff (Kohle, Gas), als sie müssten. Außerdem drängt der Windstrom die vergleichsweise CO2-armen Gaskraftwerke aus dem Markt und fördert indirekt den Braunkohleeinsatz. Im Ergebnis steigt der CO2-Ausstoß.

  1. Wer vor diesen empirischen Tatsachen die Augen verschließt oder diese als Übergangserscheinungen abtut, muss zumindest die Existenz des Europäischen Emissionshandelssystems zur Kenntnis nehmen.

Dieses legt die Gesamtemissionen für alle EU Staaten insgesamt verbindlich fest – alle potentiellen Emittenten der großen, energetisch relevanten Industriezweige müssen innerhalb dieses gedeckelten Kontingents Emissionsrechte („Zertifikate“) erwerben. Energieerzeugungsunternehmen sind vollständig erfasst und müssen für jedes emittierte Gramm CO2 ein entsprechendes Zertifikat nachweisen. Diese Zertifikate werden an Börsen oder zwischen den Anlagenbetreibern frei gehandelt, wobei das Kontingent sukzessive verkleinert wird. Das System stellt im Prinzip sicher, dass das CO2 – Reduktionsziel eingehalten wird und Emissionen an den Stellen eingespart werden, wo dies am kostengünstigsten möglich ist

Eventuelle Einsparungen im deutschen Stromsektor führen dazu, dass im deutschen Stromsektor weniger Zertifikate benötigt werden, der Zertifikatepreis also sinkt. Damit wird es für Unternehmen in anderen Sektoren und Regionen weniger lukrativ, in Emissionsvermeidung zu investieren. Plakativ ausgedrückt: In ost­europäischen Kohlekraftwerken werden im Zweifel keine zusätzlichen Filter mehr eingebaut, da die Ersparnis bei den Zertifikaten die Investition nicht mehr rechtfertigt. Aber auch in anderen Industriezweigen innerhalb Deutschlands verändert ein reduzierter Zertifikatspreis das Investitionskalkül. Man kann es drehen, wie man will: Am Ende bestimmt allein das EU-weit festgelegte Kontingent an Zertifikaten, wie viel CO2 in Europa emittiert wird. Eine – ohnehin nur fiktive – CO2-Reduktion durch Windkraftanlagen in Deutschland ist definitiv ohne Effekt auf die globalen Emissionen.

Geradezu zynisch wird die Windkraftansiedlung im Wald unter dem Deckmantel „Klimaschutz“, wenn man sich vergegenwärtigt, dass unsere Wälder pro Jahr und Hektar rund 10 Tonnen CO2 speichern. Wälder nehmen nicht am Emissionshandel teil – ihre Leistungen werden nicht konterkariert. Pro Windkraftanlage wird mindestens ein Hektar Wald vernichtet und dauerhaft ökologisch entwertet. Eventuelle Aufforstungen können das nicht einmal ansatzweise ausgleichen, da alte Bäume in jeder Hinsicht ungleich wertvoller als Neuanpflanzungen sind.

Wenn man den Klimawandel ernst nimmt, muss man ihn mit geeigneten Mitteln angehen. Dazu gibt es viele sinnvolle Ansätze. Alle laufen darauf hinaus, anderen Ländern zu helfen, ihre Emissionen zu senken und effizienter zu werden. Das entspricht deutscher Ingenieurskunst und schafft dauerhafte Exporterfolge und Arbeitsplätze. Wenn man dennoch unbedingt in Deutschland etwas tun möchte, dann sollte dies beim Einsparen ansetzen und den gesamten Energieverbrauch -nicht nur den Strom- erfassen.

Der Vollständigkeit halber ist zum Themenkomplex „Klimawandel/Klimaschutz/Windkraft“ noch darauf hinzuweisen, dass die für Deutschland prognostizierten negativen Effekte einer globalen Erwärmung im Wesentlichen in häufigeren Überschwemmungen und häufigeren Dürreperioden bestehen. Ursprünglicher Wald bietet den besten Erosionsschutz. Waldboden reinigt und speichert Wasser. Pro Windkraftanlage wird mindestens 1ha Wald vernichtet.

HNA: Kritiker sagen, dass wir Öko­strom-Überschüsse ans Aus­land verschenken…

WALLMANN: 2013 lag der Strompreis an der Börse nur an 64 Stunden unter null Euro. Aufs Jahr gesehen ver­dienen wir am Stromexport. Wir produzieren übrigens auch Stromüberschüsse, weil unsere Kohle- und Atomkraft­werke bei Schwankungen nicht kurzfristig herunterge­fahren werden können. Insge­samt brauchen wir eine Ener­giewende, die mit Energiespa­ren beginnt.

Bürger bemerken:

In der ZEIT vom 14.12.2014 steht dazu:

In der ersten Jahreshälfte 2014 gab es 71 Stunden mit negativen Strompreisen. Aber schon in wenigen Jahren könnten es nach einer Berechnung des Thinktanks Energy Brainpool tausend Stunden im Jahr werden. Ein Viertel der gesamten Ökostromproduktion wäre dann Energiemüll.

An wie vielen Stunden der Börsenpreis unter Null lag, ist aber nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr, dass jede weitere Windkraftanlage die Leistungsspitzen und die Überproduktion verschärft. Dies ist schlicht dadurch begründet, dass normale Tiefdruckgebiete ganz Deutschland überdecken: Wenn im Norden der Wind stark weht, ist das auch im Süden der Fall.  Drauf gezahlt haben wir immer dann, wenn der Börsenpreis unter dem EEG-Preis lag. So haben „wir“, d.h. alle deutschen Stromkunden, im letzten Jahr 14 Milliarden Euro für Windkraft- und PV-Strom bezahlt, der 2 Milliarden wert war. Die volkswirtschaftliche Wertvernichtung betrug 12 Milliarden Euro. Diese Wertvernichtung steigt mit jeder neuen Anlage weiter an. Die Institute der Windlobby betrügen die Öffentlichkeit, die Politik und fälschen ganz offensichtlich in wissenschaftlichen Veröffentlichungen, wenn sie behaupten, ein Ausbau der Windkraft führe zu „einer Glättung der Einspeisung“. 

Zu behaupten, dass „wir“ am Stromexport verdienen, ist eine dreiste Fälschung von Tatsachen. Die unfreiwilligen Exporte auf die unflexiblen Kohle- und Atomkraftwerke zu schieben, entspricht der von Wallmanns Namensvetter und Parteikollegen Baake verbreiteten Lesart. Die bittere Wahrheit: Wenn wir diese „unflexiblen“ Kraftwerke nicht hätten, hätten wir längst einen Blackout und mit Sicherheit Tote zu beklagen.

Im Übrigen hat niemand etwas gegen Energiesparen, ganz im Gegenteil. Dazu brauchen wir aber keine Windkraftanlagen, ganz im Gegenteil.

HNA: Zum Energiesparen gehört Ihrer Ansicht nach auch Last­management. Was ist das?

WALLMANN: Dabei wird der Energiebedarf dem Angebot an Strom angepasst, etwa, in­dem man die Waschmaschine nur dann anschaltet, wenn die Sonne scheint und die Photovoltaikanlage auf dem Dach viel Strom produziert. Das Prinzip funktioniert auch in vielen Industriebetrieben.

Bürger bemerken:

Offenbar ist Dr. Wallmann mit der Realität des Wirtschaftslebens nicht eng vertraut. Sein „Lastmanagement“ bedeutet nichts anderes als Rationierung. Eine wettbewerbsfähige, sichere und bedarfsgerechte Versorgung mit elektrischer Energie ist Voraussetzung für industrielle Produktion. Auf Rationierung wird sich kein Unternehmer einlassen, solange in vielen anderen Staaten der Erde angemessene Produktionsbedingungen vorzufinden sind.

HNA: Was brauchen wir zuerst: Stromspeicher oder den Aus­bau erneuerbarer Energien?

WALLMANN: Es ist fachlich falsch zu sagen, dass wir erst die Speicher entwickeln müs­sen. Laut dem Fraunhofer-In­stitut brauchen wir Batterie-Speicher erst ab 2030. Bis da­hin können wir Überschüsse deutschlandweit abpuffern. Erst 2050 werden wir unseren Energiebedarf komplett aus erneuerbaren Energien be­streiten und werden dann eine völlig andere Gestaltung der Energiewirtschaft haben.

Bürger bemerken:

Solange man es hinnimmt, dass jährlich ein großer zweistelliger Milliardenbetrag vernichtet und – mit allen Konsequenzen für Mensch und Natur – eine doppelte Infrastruktur gebaut und aufrechterhalten wird, braucht man keine Speicher. Wenn man die entsprechenden ökonomischen und ökologischen Schäden nicht hinnehmen und ständig vergrößert sehen will, braucht man einen Ausbaustopp, da es hinreichende Speichermöglichkeiten nicht gibt. Im Jahre 2015 exakte Vorstellungen von der Welt in 2050 zu haben, ist eine Anmaßung von Wissen und verkennt die Natur des technischen Fortschritts.  In der ZEIT vom 18.12.2014 beschrieb Frank Drieschner die schmutzigen Irrtümer der Energiewende-Politik. Ferner schrieb er dort:

rund um die Erneuerbaren Energien Branche ist ein regelrechter politisch-ökonomischer Komplex herangewachsen. In seinem Einfluss ist er wahrscheinlich nur mit der Atomwirtschaft im vergangenen Jahrhundert vergleichbar.  Alle Akteure in diesem Komplex verbindet ein Interesse: Probleme der Energiewende müssen lösbar erscheinen, damit die Wind- und die Sonnenbranche weiter subventioniert werden.“

Das von Dr. Wallmann ins Feld geführte IWES ist jenem politisch-ökonomischen Komplex zuzuordnen. Die Finanzierung des Instituts und die Karrieren der dort Beschäftigten bedingen dieses „verbindende Interesse“. Die kühne Behauptung, man brauche keine Speicher wird überdies durch die Tatsache konterkariert, dass schon heute große Beträge an elektrischer Energie auf Kosten der Bürger im Ausland verklappt werden. Dr.-Ing. Detlef Ahlborn dazu: „Die genannte IWES-Studie gehört zum Blumenstrauß der wissenschaftlichen Täuschung, die dort wohl zum Programm gehört – schließlich sollen die Probleme der Energiewende lösbar erscheinen.“

HNA: Warum müssen wir hier sehr hohe Windräder bauen, die in anderen Regionen vielleicht besser aufgehoben wären?

WALLMANN: Wir könnten Windräder an der Küste instal­lieren, wo sie in der gleichen Zeit mehr Strom produzieren, aber der Strom müsste umge­wandelt und durchs ganze Land zu uns geleitet werden. Wir hätten Verluste, Kosten und Aufwand – und Stromau­tobahnen will auch niemand. Deshalb denke ich, dass die Energiewende so dezentral wie möglich erfolgen muss. Dazu gehört, dass ein Gebäude seinen Strom, wenn möglich, selbst erzeugt – was bei vielen Gebäuden im Landkreis be­reits der Fall ist.

Bürger bemerken:

Hier wird suggeriert, dass wir weniger Trassen bräuchten, wenn wir die Windkraftanlagen flächendeckend verteilen. Das Gegenteil ist richtig: WKA-Ausbau und Trassenbau bedingen sich gegenseitig! Vereinfacht gesagt: Je mehr Windkraftanlagen errichtet werden und je weiter gestreut sie über das Land verteilt werden, desto dichter und verworrener der Kabelsalat.

Dieser Zusammenhang wurde in der DENA-Netzstudie unter Kostenaspekten betrachtet:

Neben mehr Stromautobahnen braucht Deutschland auch ein neues Verteilnetz mit bis zu 193.000 Kilometern zusätzlicher Leitungstrassen, um die Energiewende zu schaffen. Eine neue Studie der Deutschen Energieagentur (Dena) konzentriert sich ausschließlich auf den Ausbaubedarf der Stromnetze auf den niedrigen Spannungsebenen, gleichsam den Land- und Ortsstraßen des deutschen Stromnetzes. Den Ergebnissen zufolge hängt der Netzbedarf vom Ausbau der erneuerbaren Energien ab. Geht es nach dem Netzentwicklungsplan der Bundesregierung, so wäre bis 2030 der Neubau von rund 135.000 Kilometer regionaler und kommunaler Stromtrassen nötig. Zusätzlich müssten rund 21.000 Trassenkilometer umgebaut werden.

Die Gesamtkosten, die in den kommenden 18 Jahren über die Netzentgelte auf die Stromrechnungen der Verbraucher abgewälzt werden, betragen in diesem Fall rund 27,5 Milliarden Euro. Anders liegt der Fall, wenn sich die Bundesländer mit ihren eigenen Ausbauzielen für Ökostrom durchsetzen: Dann müssten sogar Stromleitungen über 193.000 Kilometer neu verlegt und 25.000 Kilometer umgebaut werden, zu Gesamtkosten von 42,5 Milliarden Euro.

Der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz weiß es (aus Erfahrung) ebenfalls besser als Herr Wallmann: 

Netzausbau

Aus dem Positionspapier zur Netzentgeltsystematik

Mehr zur Spiegelbildlichkeit von Windkraft- und Trassenausbau unter diesem Link.

HNA: Was sagen Sie Windkraftgegnern, die um den Tourismus, den Naturschutz oder um ihre Gesundheit fürchten?

WALLMANN: In anderen Re­gionen stehen Atomkraftwer­ke und werden durch Braun­kohleabbau ganze Landschaf­ten weg gebaggert. Der Werra-Meißner-Kreis hat ein ganz­heitliches Klimaschutzkonzept. Die Windenergie steht dabei an letzter Stelle, nach­dem alle Potenziale von Ein­sparen, Sonnenenergie, Bio­masse, Wasserkraft und Erd­wärme ausgeschöpft sind. Ohne Windkraft können wir unser Klimaschutzziel nicht erreichen. Ich finde, der Teilregionalplan Energie ist auf einem gu­ten Weg, weil dort unter Berücksichtigung von Windstär­ke, Naturschutz, Infrastruktur und dem Abstand zur Wohn­bebauung die Standorte ermit­telt wurden, an denen die Beeinträchtigungen von Mensch, Natur und Umwelt am geringsten sind. Von einer „Verspargelung“ kann keine Rede sein, weil im ganzen Kreis nur 50 Windrä­der gebaut werden. Bis zu 25 Hektar unserer ca. 40.000 Hektar umfassenden Waldflä­che müssten dafür aus der Nutzung genommen werden, die zu großen Teilen in den letzten Jahren bereits durch Stürme „gerodet“ wurden.

Bürger bemerken:

Der Verweis auf Schattenseiten der Kernkraft- und Braunkohlenutzung ist vollkommen unsinnig, da die Windkraftanlagen diese Schattenseiten nicht im Ansatz reduzieren. Mehr dazu hier. Der Ausstieg aus der Kernenergie ist beschlossene Sache und wird durch die Subventionspropeller nur unnötig verteuert und erschwert. Die Braunkohlebagger kommen durch die von Wallmann forcierte Politik erst richtig auf Touren.

Das „Klimaschutzkonzept“ ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht. Entlarvend ist die Begründung des WKA-Ausbaus mit der Planerfüllung: Die Anlagen machen keinen Sinn, aber wir müssen unser Ziel erreichen.

Es geht nicht um „Verspargelung“, sondern um die mutwillige Zerstörung einer wunderbaren Landschaft und der letzten großen naturnahen Waldgebiete.

Da bin ich zuhause.

Blick vom Bilsteinturm – noch unverbaut

Die Hektarzahlen sind völlig verharmlosend und so unhaltbar. Es geht nicht um „Herausnahme aus der Nutzung“, sondern um massive Eingriffe in intakte Ökosysteme, so wie hier im Saarland:

Bau von Windkraftanlagen im saarländischen Hochwald.

Was die Auswirkungen auf den Tourismus betrifft, ist das Wirtschaftsministerium realistischer als Dr. Wallmann:

 

bmwi

Aus einer aktuellen Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. 

HNA: Was sagen Sie zu den Vor­würfen, dass die Profite nicht vor Ort bleiben?   

WALLMANN: Die regionale Wertschöpfung hängt ganz stark von der Gestaltung ab. Beispielsweise können Aufträge für Planung, Umsetzung und Finanzierung an Firmen und Banken aus der Region vergeben werden. Im Bereich Windkraft sind viele regionale Unternehmen wie etwa Stadtwerke an Wind­parks beteiligt. Auch die Bürgerenergiegenossenschaft wird sich voraussichtlich an Windparks beteiligen. Da kön­nen alle mitmachen.

Bürger bemerken:

Vor dem Hintergrund der allein in 2014 durch Subventionierung von Windkraft- und PV-Strom erfolgten gesamtwirtschaftlichen Wertvernichtung i.H.v. 12 Mrd. Euro ist diese Aussage abenteuerlich. Es geht hier nicht um Wertschöpfung, sondern um Subventionsabschöpfung. Jeder Euro, der durch Windkraftpropeller irgendwo hingeweht wird, wurde uns allen vorher aus der Tasche gezogen. Es handelt sich um einen Subventionswettlauf zu Lasten der Allgemeinheit und der Natur. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage erklärte dazu:

svr

Aus dem vorletzten Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen

Wallmanns Vorschläge zielen darauf, den Kreis der Profiteure zu erweitern.

Herr Dr. Wallmann wird dem Werra-Meißner-Kreis das bescheren, was dem Naturpark Hoher Vogelsberg bereits widerfahren ist.

Dies geht uns alle an.

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