Wallmann

Am 16. März 2015 äußerte sich der Kli­ma­schutz-Beauf­tragte des Werra-Meiß­ner-Krei­ses, Dr. Rai­ner Wall­mann, zu dem von ihm vor­an­ge­trie­be­nen Aus­bau von Wind­kraft­an­la­gen. 

In die­sem Land­strich in Nord­hes­sen, der durch das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rium zu einem Hot­spot der bio­lo­gi­schen Viel­falt gekürt wurde 

soll nun der Wind­kraft Raum geschaf­fen wer­den.

Der Natur­park Kau­fun­ger Wald, eines der größ­ten unzer­schnit­te­nen Wald­ge­biete des Lan­des, soll zur Indus­trie­zone wer­den.

Einer sach­li­chen Dis­kus­sion mit den Bür­gern hatte sich der in der Sache inhalt­lich und fach­lich offen­bar über­for­derte Poli­ti­ker nie gestellt.  Der sei­nem „Kli­ma­schutz­kon­zept“ ent­ge­gen­ge­brach­ten fun­dier­ten Kri­tik der Bür­ger hat er sich nie ange­nom­men. Statt­des­sen begeg­net er der in der Bür­ger­schaft mitt­ler­weile gekräf­tig­ten Ver­nunft mit Nebel­ker­zen.

Das Inter­view führte Frie­de­rike Steen­sen in der Hes­sisch Nie­der­säch­si­schen All­ge­mei­nen (HNA).

HNA: Müs­sen wir hier in Deutsch­land das Welt­klima ret­ten?

WALLMANN: Nein, aber wir sind wirt­schaft­lich und tech­nisch in der Lage, Ver­än­de­run­gen herbeizufüh­ren und haben Ver­ant­wor­tung für zukünf­tige Gene­ra­tio­nen sowie für ärmere Län­der. Un­ser Anteil am welt­wei­ten CO2–Aus­stoß liegt zwar nur bei 2,5 Pro­zent – aber wir stel­len auch nur ein Pro­zent der Weltbe­völkerung.

Bür­ger bemer­ken:

Deutsch­land trägt in der Tat rund 2,5 Pro­zent zu den welt­wei­ten CO2–Emis­sio­nen bei. Die­ser Anteil wird bis 2030 auf rund 1,5 Pro­zent fal­len – unab­hän­gig davon, wel­che Poli­tik in Deutsch­land oder gar im Werra-Meiß­ner-Kreis betrie­ben wird. Näm­lich des­halb, weil die Emis­sio­nen in ande­ren Tei­len der Welt (ins­be­son­dere in China) steil anstei­gen. Unser „Bei­trag“ kann also allen­falls sym­bo­li­scher Natur sein. Der­ge­stalt, dass wir der Welt gang­bare Wege zur Emis­si­ons­re­duk­tion auf­zei­gen. Aber genau das tun wir mit der Ener­gie­wende-Poli­tik nicht. 

wit

In die­sem bemer­kens­wer­ten Arti­kel vom 17.8.14 lie­ferte der nie­der­län­di­sche Umwelt­öko­nom Richard Tol eine Außen­sicht auf die deut­sche Ener­gie- und Kli­ma­po­li­tik.

Mehr dazu hier, hierhier oder hier.

Im Übri­gen:

Die 1% der Welt­be­völ­ke­rung zu den 2,5% der welt­wei­ten CO2-Emis­sio­nen in Rela­tion zu set­zen, ist unsin­nig.

Damit wird sug­ge­riert, dass wir unse­ren Anteil an den Emis­sio­nen auf den Bevöl­ke­rungs­an­teil sen­ken müss­ten. Impli­zit schlägt Herr Wall­mann damit vor, dass wir uns an Soma­lia oder dem Tschad ori­en­tie­ren. Wer so einen Kurs ein­schlägt, kann in einer ratio­na­len Umge­bung nie­man­dem als Vor­bild die­nen.

Eine sinn­vol­lere Bezugs­größe wäre unser Anteil am Welt-BIP (ca. 3,9%). Sicher­lich haben wir höhere Emis­sio­nen als der Tschad, aber wir haben auch eine um ein Viel­fa­ches höhere Lebens­qua­li­tät. Letz­tere und übri­gens ebenso die Umwelt­qua­li­tät sind posi­tiv mit mate­ri­el­lem Wohl­stand, sprich qua­li­ta­ti­vem Wachs­tum, kor­re­liert.

Gemes­sen an die­ser sinn­vol­len Bezugs­größe, ist unsere Bilanz über­durch­schnitt­lich gut und erfor­dert mit­nich­ten das hek­ti­sche Ergrei­fen völ­lig sinn­lo­ser bis kon­tra­pro­duk­ti­ver Maß­nah­men (wie etwa die Ver­wand­lung von Natur­schutz- und FFH Gebie­ten in Indus­trie­parks).

Tat­säch­lich haben wir es in Deutsch­land bereits geschafft, unser Wachs­tum vom Ener­gie­ver­brauch zu ent­kop­peln!

Wir wach­sen und brau­chen trotz­dem abso­lut weni­ger Ener­gie. Das ist ein ech­ter Erfolg. Unter­gangs­sze­na­rien sind voll­kom­men depla­ziert.  

HNA: Hel­mut Hei­de­rich (CDU) be­tonte kürz­lich, dass Wind­rä­der keine gute CO2–Bilanz haben, weil man auch das Kraft­werk mit­rech­nen müsse, das Schwan­kun­gen aus­gleicht.

WALLMANN: Wind­kraft­an­la­gen haben sehr gute CO2-Bilan­zen. Der für die Errich­tung eines Wind­ra­des erfor­der­li­che Ener­gie­auf­wand wird durch den Betrieb der Anlage in sechs bis neun Mona­ten er­zeugt. Danach wird über 20 Jahre nahezu kli­ma­neu­tra­ler Strom erzeugt. Natür­lich gibt es bei der Wind­kraft Schwan­kungen in der Stromprodukti­on. Aber wir haben auch Bio­masse, Son­nen­en­er­gie, Strom­netze, Strom­han­del mit Nach­barländern, Last­ma­nage­ment sowie fle­xi­ble Gas-Kraft­werke, die Schwan­kun­gen aus­glei­chen kön­nen. Die­ses Gesamt­system ist wirt­schaft­lich und nach­hal­tig.

Bür­ger bemer­ken:

Die Ant­wort, wann sich eine WKA ener­ge­tisch amor­ti­siert, passt nicht zur Frage. Die Aus­sage, dass dies nach 9 Mona­ten der Fall ist, mag stim­men, ist aber eine Nebel­kerze. Das Gesamt­sys­tem ist eben nicht wirt­schaft­lich und eben nicht nach­hal­tig und eben nicht kli­ma­scho­nend. Die Empi­rie wider­legt die Fan­ta­sie: Das Kraft­werk Irsching ist das Mahn­mal die­ser Poli­tik.

Die von Dr. Wall­mann unter­stellte Kli­ma­schutz­wir­kung der „Ener­gie­wende“ und ins­be­son­dere des Wind­kraft­aus­baus fußt auf der Vor­stel­lung, dass damit der CO2-Aus­stoß redu­ziert und der soge­nannte Treib­haus­ef­fekt redu­ziert würde. Dazu muss man fol­gende Fak­ten berück­sich­ti­gen:

  1. Deutsch­land trägt zu den glo­ba­len CO2-Emis­sio­nen unge­fähr 2,5 % bei.

Egal, wel­che Poli­tik in Deutsch­land betrie­ben wird, wird die­ser Anteil bis 2030 auf deut­lich unter 2% sin­ken. Des­halb, weil allein die Zuwächse in China und Indien unsere Gesam­te­mis­sion deut­lich über­tref­fen. Was in Deutsch­land an CO2 emit­tiert wird (Gesam­te­mis­sio­nen), ent­spricht der Menge, die in China alle 14 Monate neu hin­zu­kommt. Wenn Deutsch­land mor­gen auf­hörte zu exis­tie­ren, wäre dies in der glo­ba­len CO2-Bilanz allein durch China nach einem guten Jahr bereits voll­stän­dig aus­ge­gli­chen. Schon auf­grund die­ser Dimen­sio­nen ist es völ­lig aus­ge­schlos­sen, dass man von deut­schem Boden aus einen Ein­fluss auf das Welt­klima ent­fal­ten kann. Die Maß­nah­men sind völ­lig wir­kungs­los. Unsere Natur wird auf dem Altar abstru­ser grü­ner Ideo­lo­gie geop­fert.

  1. Wenn man sich von einem kla­ren Blick auf die nüch­tern Zah­len nicht irri­tie­ren las­sen möchte und den­noch einen Effekt unter­stellt, so wie es Dr. Wall­mann tut…

… so kann die Wind­kraft trotz­dem kei­nen Kli­ma­schutz-Bei­trag leis­ten. Denn sie wirkt allein im Strom­sek­tor. Die­ser macht aber nur ein knap­pes Vier­tel des gesam­ten Ener­gie­ver­brauchs aus. Die „gro­ßen Bro­cken“ Ver­kehr und Wärme wer­den nicht berührt. Dem Klima ist es jedoch egal, ob ein CO2-Mole­kül aus dem Aus­puff eines PKW, dem Kamin eines Kachel­ofens oder dem Schorn­stein eines Kraft­werks kommt. Der gesamte Ener­gie­ver­brauch ist maß­geb­lich. Zu die­sem tra­gen alle Wind­kraft­an­la­gen zusam­men nur 1,3 % bei. Es geht also um 1,3 % von 2,5 %, also 0,0325 Pro­zent der glo­ba­len Emis­sio­nen, die unter theo­re­ti­schen Ide­al­be­din­gun­gen über­haupt durch die Wind­kraft­an­la­gen beein­flusst wer­den kön­nen.

  1. Wem die Aus­sicht auf Beein­flus­sung von 0,0352 Pro­zent der glo­ba­len CO2-Emmis­sio­nen jedes Opfer wert ist, der muss den­noch kon­sta­tie­ren, dass selbst diese Aus­sicht trü­ge­risch ist.

De Facto führt der Wind­kraft­aus­bau zu über­haupt kei­ner C02-Ein­spa­rung. Die theo­re­ti­schen Ide­al­be­din­gun­gen sind näm­lich nicht erfüllt. Da Wind­kraft­an­la­gen nicht grund­last­fä­hig sind, müs­sen stets andere Kraft­werke im Hin­ter­grund bereit­ge­hal­ten wer­den. Diese wer­den in den Stop-&-Go-Betrieb gezwun­gen und arbei­ten dadurch unwirt­schaft­lich. Sie ver­brau­chen mehr Brenn­stoff (Kohle, Gas), als sie müss­ten. Außer­dem drängt der Wind­strom die ver­gleichs­weise CO2-armen Gas­kraft­werke aus dem Markt und för­dert indi­rekt den Braun­koh­le­ein­satz. Im Ergeb­nis steigt der CO2–Aus­stoß.

  1. Wer vor die­sen empi­ri­schen Tat­sa­chen die Augen ver­schließt oder diese als Über­gangs­er­schei­nun­gen abtut, muss zumin­dest die Exis­tenz des Euro­päi­schen Emis­si­ons­han­dels­sys­tems zur Kennt­nis neh­men.

Die­ses legt die Gesam­te­mis­sio­nen für alle EU Staa­ten ins­ge­samt ver­bind­lich fest – alle poten­ti­el­len Emit­ten­ten der gro­ßen, ener­ge­tisch rele­van­ten Indus­trie­zweige müs­sen inner­halb die­ses gede­ckel­ten Kon­tin­gents Emis­si­ons­rechte (“Zer­ti­fi­kate”) erwer­ben. Ener­gie­er­zeu­gungs­un­ter­neh­men sind voll­stän­dig erfasst und müs­sen für jedes emit­tierte Gramm CO2 ein ent­spre­chen­des Zer­ti­fi­kat nach­wei­sen. Diese Zer­ti­fi­kate wer­den an Bör­sen oder zwi­schen den Anla­gen­be­trei­bern frei gehan­delt, wobei das Kon­tin­gent suk­zes­sive ver­klei­nert wird. Das Sys­tem stellt im Prin­zip sicher, dass das CO2 – Reduk­ti­ons­ziel ein­ge­hal­ten wird und Emis­sio­nen an den Stel­len ein­ge­spart wer­den, wo dies am kos­ten­güns­tigs­ten mög­lich ist

Even­tu­elle Ein­spa­run­gen im deut­schen Strom­sek­tor füh­ren dazu, dass im deut­schen Strom­sek­tor weni­ger Zer­ti­fi­kate benö­tigt wer­den, der Zer­ti­fi­kate­preis also sinkt. Damit wird es für Unter­neh­men in ande­ren Sek­to­ren und Regio­nen weni­ger lukra­tiv, in Emis­si­ons­ver­mei­dung zu inves­tie­ren. Pla­ka­tiv aus­ge­drückt: In ost­europäischen Koh­le­kraft­wer­ken wer­den im Zwei­fel keine zusätz­li­chen Fil­ter mehr ein­ge­baut, da die Erspar­nis bei den Zer­ti­fi­ka­ten die Inves­ti­tion nicht mehr recht­fer­tigt. Aber auch in ande­ren Indus­trie­zwei­gen inner­halb Deutsch­lands ver­än­dert ein redu­zier­ter Zer­ti­fi­kats­preis das Inves­ti­ti­ons­kal­kül. Man kann es dre­hen, wie man will: Am Ende bestimmt allein das EU-weit fest­ge­legte Kon­tin­gent an Zer­ti­fi­ka­ten, wie viel CO2 in Europa emit­tiert wird. Eine – ohne­hin nur fik­tive – CO2-Reduk­tion durch Wind­kraft­an­la­gen in Deutsch­land ist defi­ni­tiv ohne Effekt auf die glo­ba­len Emis­sio­nen.

Gera­dezu zynisch wird die Wind­kraft­an­sied­lung im Wald unter dem Deck­man­tel „Kli­ma­schutz“, wenn man sich ver­ge­gen­wär­tigt, dass unsere Wäl­der pro Jahr und Hektar rund 10 Ton­nen CO2 spei­chern. Wäl­der neh­men nicht am Emis­si­ons­han­del teil – ihre Leis­tun­gen wer­den nicht kon­ter­ka­riert. Pro Wind­kraft­an­lage wird min­des­tens ein Hektar Wald ver­nich­tet und dau­er­haft öko­lo­gisch ent­wer­tet. Even­tu­elle Auf­fors­tun­gen kön­nen das nicht ein­mal ansatz­weise aus­glei­chen, da alte Bäume in jeder Hin­sicht ungleich wert­vol­ler als Neu­an­pflan­zun­gen sind.

Wenn man den Kli­ma­wan­del ernst nimmt, muss man ihn mit geeig­ne­ten Mit­teln ange­hen. Dazu gibt es viele sinn­volle Ansätze. Alle lau­fen dar­auf hin­aus, ande­ren Län­dern zu hel­fen, ihre Emis­sio­nen zu sen­ken und effi­zi­en­ter zu wer­den. Das ent­spricht deut­scher Inge­nieurs­kunst und schafft dau­er­hafte Export­er­folge und Arbeits­plätze. Wenn man den­noch unbe­dingt in Deutsch­land etwas tun möchte, dann sollte dies beim Ein­spa­ren anset­zen und den gesam­ten Ener­gie­ver­brauch –nicht nur den Strom- erfas­sen.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber ist zum The­men­kom­plex „Klimawandel/Klimaschutz/Windkraft“ noch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die für Deutsch­land pro­gnos­ti­zier­ten nega­ti­ven Effekte einer glo­ba­len Erwär­mung im Wesent­li­chen in häu­fi­ge­ren Über­schwem­mun­gen und häu­fi­ge­ren Dür­re­pe­ri­oden bestehen. Ursprüng­li­cher Wald bie­tet den bes­ten Ero­si­ons­schutz. Wald­bo­den rei­nigt und spei­chert Was­ser. Pro Wind­kraft­an­lage wird min­des­tens 1ha Wald ver­nich­tet.

HNA: Kri­ti­ker sagen, dass wir Öko­strom-Überschüsse ans Aus­land ver­schen­ken…

WALLMANN: 2013 lag der Strom­preis an der Börse nur an 64 Stun­den unter null Euro. Aufs Jahr gese­hen ver­dienen wir am Strom­ex­port. Wir pro­du­zie­ren übri­gens auch Strom­über­schüsse, weil unsere Kohle- und Atomkraft­werke bei Schwan­kun­gen nicht kurz­fris­tig herunterge­fahren wer­den kön­nen. Insge­samt brau­chen wir eine Ener­giewende, die mit Energiespa­ren beginnt.

Bür­ger bemer­ken:

In der ZEIT vom 14.12.2014 steht dazu:

In der ers­ten Jah­res­hälfte 2014 gab es 71 Stun­den mit nega­ti­ven Strom­prei­sen. Aber schon in weni­gen Jah­ren könn­ten es nach einer Berech­nung des Thinktanks Energy Brain­pool tau­send Stun­den im Jahr wer­den. Ein Vier­tel der gesam­ten Öko­strom­pro­duk­tion wäre dann Ener­gie­müll.

An wie vie­len Stun­den der Bör­sen­preis unter Null lag, ist aber nicht ent­schei­dend. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass jede wei­tere Wind­kraft­an­lage die Leis­tungs­spit­zen und die Über­pro­duk­tion ver­schärft. Dies ist schlicht dadurch begrün­det, dass nor­male Tief­druck­ge­biete ganz Deutsch­land über­de­cken: Wenn im Nor­den der Wind stark weht, ist das auch im Süden der Fall.  Drauf gezahlt haben wir immer dann, wenn der Bör­sen­preis unter dem EEG-Preis lag. So haben „wir“, d.h. alle deut­schen Strom­kun­den, im letz­ten Jahr 14 Mil­li­ar­den Euro für Wind­kraft- und PV-Strom bezahlt, der 2 Mil­li­ar­den wert war. Die volks­wirt­schaft­li­che Wert­ver­nich­tung betrug 12 Mil­li­ar­den Euro. Diese Wert­ver­nich­tung steigt mit jeder neuen Anlage wei­ter an. Die Insti­tute der Wind­lobby betrü­gen die Öffent­lich­keit, die Poli­tik und fäl­schen ganz offen­sicht­lich in wis­sen­schaft­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen, wenn sie behaup­ten, ein Aus­bau der Wind­kraft führe zu “einer Glät­tung der Ein­spei­sung”. 

Zu behaup­ten, dass „wir“ am Strom­ex­port ver­die­nen, ist eine dreiste Fäl­schung von Tat­sa­chen. Die unfrei­wil­li­gen Exporte auf die unfle­xi­blen Kohle- und Atom­kraft­werke zu schie­ben, ent­spricht der von Wall­manns Namens­vet­ter und Par­tei­kol­le­gen Baake ver­brei­te­ten Les­art. Die bit­tere Wahr­heit: Wenn wir diese „unfle­xi­blen“ Kraft­werke nicht hät­ten, hät­ten wir längst einen Black­out und mit Sicher­heit Tote zu bekla­gen.

Im Übri­gen hat nie­mand etwas gegen Ener­gie­spa­ren, ganz im Gegen­teil. Dazu brau­chen wir aber keine Wind­kraft­an­la­gen, ganz im Gegen­teil.

HNA: Zum Ener­gie­spa­ren gehört Ihrer Ansicht nach auch Last­management. Was ist das?

WALLMANN: Dabei wird der Ener­gie­be­darf dem Ange­bot an Strom ange­passt, etwa, in­dem man die Wasch­ma­schine nur dann anschal­tet, wenn die Sonne scheint und die Pho­to­vol­ta­ik­an­lage auf dem Dach viel Strom pro­du­ziert. Das Prin­zip funk­tio­niert auch in vie­len Indus­trie­be­trie­ben.

Bür­ger bemer­ken:

Offen­bar ist Dr. Wall­mann mit der Rea­li­tät des Wirt­schafts­le­bens nicht eng ver­traut. Sein „Last­ma­nage­ment“ bedeu­tet nichts ande­res als Ratio­nie­rung. Eine wett­be­werbs­fä­hige, sichere und bedarfs­ge­rechte Ver­sor­gung mit elek­tri­scher Ener­gie ist Vor­aus­set­zung für indus­tri­elle Pro­duk­tion. Auf Ratio­nie­rung wird sich kein Unter­neh­mer ein­las­sen, solange in vie­len ande­ren Staa­ten der Erde ange­mes­sene Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen vor­zu­fin­den sind.

HNA: Was brau­chen wir zuerst: Strom­spei­cher oder den Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien?

WALLMANN: Es ist fach­lich falsch zu sagen, dass wir erst die Spei­cher ent­wi­ckeln müs­sen. Laut dem Fraunhofer-In­stitut brau­chen wir Bat­te­rie-Spei­cher erst ab 2030. Bis da­hin kön­nen wir Über­schüsse deutsch­land­weit abpuf­fern. Erst 2050 wer­den wir unse­ren Ener­gie­be­darf kom­plett aus erneu­er­ba­ren Ener­gien be­streiten und wer­den dann eine völ­lig andere Gestal­tung der Ener­gie­wirt­schaft haben.

Bür­ger bemer­ken:

Solange man es hin­nimmt, dass jähr­lich ein gro­ßer zwei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­be­trag ver­nich­tet und – mit allen Kon­se­quen­zen für Mensch und Natur – eine dop­pelte Infra­struk­tur gebaut und auf­recht­erhal­ten wird, braucht man keine Spei­cher. Wenn man die ent­spre­chen­den öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Schä­den nicht hin­neh­men und stän­dig ver­grö­ßert sehen will, braucht man einen Aus­bau­stopp, da es hin­rei­chende Spei­cher­mög­lich­kei­ten nicht gibt. Im Jahre 2015 exakte Vor­stel­lun­gen von der Welt in 2050 zu haben, ist eine Anma­ßung von Wis­sen und ver­kennt die Natur des tech­ni­schen Fort­schritts.  In der ZEIT vom 18.12.2014 beschrieb Frank Drie­sch­ner die schmut­zi­gen Irr­tü­mer der Ener­gie­wende-Poli­tik. Fer­ner schrieb er dort:

rund um die Erneu­er­ba­ren Ener­gien Bran­che ist ein regel­rech­ter poli­tisch-öko­no­mi­scher Kom­plex her­an­ge­wach­sen. In sei­nem Ein­fluss ist er wahr­schein­lich nur mit der Atom­wirt­schaft im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert ver­gleich­bar.  Alle Akteure in die­sem Kom­plex ver­bin­det ein Inter­esse: Pro­bleme der Ener­gie­wende müs­sen lös­bar erschei­nen, damit die Wind- und die Son­nen­bran­che wei­ter sub­ven­tio­niert wer­den.“

Das von Dr. Wall­mann ins Feld geführte IWES ist jenem poli­tisch-öko­no­mi­schen Kom­plex zuzu­ord­nen. Die Finan­zie­rung des Insti­tuts und die Kar­rie­ren der dort Beschäf­tig­ten bedin­gen die­ses “ver­bin­dende Inter­esse”. Die kühne Behaup­tung, man brau­che keine Spei­cher wird über­dies durch die Tat­sa­che kon­ter­ka­riert, dass schon heute große Beträge an elek­tri­scher Ener­gie auf Kos­ten der Bür­ger im Aus­land ver­klappt wer­den. Dr.-Ing. Det­lef Ahl­born dazu: “Die genannte IWES-Stu­die gehört zum Blu­men­strauß der wis­sen­schaft­li­chen Täu­schung, die dort wohl zum Pro­gramm gehört – schließ­lich sol­len die Pro­bleme der Ener­gie­wende lös­bar erschei­nen.”

HNA: Warum müs­sen wir hier sehr hohe Wind­rä­der bauen, die in ande­ren Regio­nen viel­leicht bes­ser auf­ge­ho­ben wären?

WALLMANN: Wir könn­ten Wind­rä­der an der Küste instal­lieren, wo sie in der glei­chen Zeit mehr Strom pro­du­zie­ren, aber der Strom müsste umge­wandelt und durchs ganze Land zu uns gelei­tet wer­den. Wir hät­ten Ver­luste, Kos­ten und Auf­wand – und Stromau­tobahnen will auch nie­mand. Des­halb denke ich, dass die Ener­gie­wende so dezen­tral wie mög­lich erfol­gen muss. Dazu gehört, dass ein Gebäude sei­nen Strom, wenn mög­lich, selbst erzeugt – was bei vie­len Gebäu­den im Land­kreis be­reits der Fall ist.

Bür­ger bemer­ken:

Hier wird sug­ge­riert, dass wir weni­ger Tras­sen bräuch­ten, wenn wir die Wind­kraft­an­la­gen flä­chen­de­ckend ver­tei­len. Das Gegen­teil ist rich­tig: WKA-Aus­bau und Tras­sen­bau bedin­gen sich gegen­sei­tig! Ver­ein­facht gesagt: Je mehr Wind­kraft­an­la­gen errich­tet wer­den und je wei­ter gestreut sie über das Land ver­teilt wer­den, desto dich­ter und ver­wor­re­ner der Kabel­sa­lat.

Die­ser Zusam­men­hang wurde in der DENA-Netz­stu­die unter Kos­ten­as­pek­ten betrach­tet:

Neben mehr Strom­au­to­bah­nen braucht Deutsch­land auch ein neues Ver­teil­netz mit bis zu 193.000 Kilo­me­tern zusätz­li­cher Lei­tungs­tras­sen, um die Ener­gie­wende zu schaf­fen. Eine neue Stu­die der Deut­schen Ener­gie­agen­tur (Dena) kon­zen­triert sich aus­schließ­lich auf den Aus­bau­be­darf der Strom­netze auf den nied­ri­gen Span­nungs­ebe­nen, gleich­sam den Land- und Orts­stra­ßen des deut­schen Strom­net­zes. Den Ergeb­nis­sen zufolge hängt der Netz­be­darf vom Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien ab. Geht es nach dem Netz­ent­wick­lungs­plan der Bun­des­re­gie­rung, so wäre bis 2030 der Neu­bau von rund 135.000 Kilo­me­ter regio­na­ler und kom­mu­na­ler Strom­tras­sen nötig. Zusätz­lich müss­ten rund 21.000 Tras­sen­ki­lo­me­ter umge­baut wer­den.

Die Gesamt­kos­ten, die in den kom­men­den 18 Jah­ren über die Netz­ent­gelte auf die Strom­rech­nun­gen der Ver­brau­cher abge­wälzt wer­den, betra­gen in die­sem Fall rund 27,5 Mil­li­ar­den Euro. Anders liegt der Fall, wenn sich die Bun­des­län­der mit ihren eige­nen Aus­bau­zie­len für Öko­strom durch­set­zen: Dann müss­ten sogar Strom­lei­tun­gen über 193.000 Kilo­me­ter neu ver­legt und 25.000 Kilo­me­ter umge­baut wer­den, zu Gesamt­kos­ten von 42,5 Mil­li­ar­den Euro.

Der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber 50 Hertz weiß es (aus Erfah­rung) eben­falls bes­ser als Herr Wall­mann: 

Netzausbau

Aus dem Posi­ti­ons­pa­pier zur Netz­ent­gelt­sys­te­ma­tik

Mehr zur Spie­gel­bild­lich­keit von Wind­kraft- und Tras­sen­aus­bau unter die­sem Link.

HNA: Was sagen Sie Wind­kraft­geg­nern, die um den Tou­ris­mus, den Natur­schutz oder um ihre Gesund­heit fürch­ten?

WALLMANN: In ande­ren Re­gionen ste­hen Atomkraftwer­ke und wer­den durch Braun­kohleabbau ganze Landschaf­ten weg gebag­gert. Der Werra-Meiß­ner-Kreis hat ein ganz­heitliches Kli­ma­schutz­kon­zept. Die Wind­ener­gie steht dabei an letz­ter Stelle, nach­dem alle Poten­ziale von Ein­sparen, Son­nen­en­er­gie, Bio­masse, Was­ser­kraft und Erd­wärme aus­ge­schöpft sind. Ohne Wind­kraft kön­nen wir unser Kli­ma­schutz­ziel nicht errei­chen. Ich finde, der Teil­re­gio­nal­plan Ener­gie ist auf einem gu­ten Weg, weil dort unter Berück­sich­ti­gung von Windstär­ke, Natur­schutz, Infra­struk­tur und dem Abstand zur Wohn­bebauung die Stand­orte ermit­telt wur­den, an denen die Beein­träch­ti­gun­gen von Mensch, Natur und Umwelt am gerings­ten sind. Von einer „Ver­spar­ge­lung“ kann keine Rede sein, weil im gan­zen Kreis nur 50 Windrä­der gebaut wer­den. Bis zu 25 Hektar unse­rer ca. 40.000 Hektar umfas­sen­den Waldflä­che müss­ten dafür aus der Nut­zung genom­men wer­den, die zu gro­ßen Tei­len in den letz­ten Jah­ren bereits durch Stürme „gero­det“ wur­den.

Bür­ger bemer­ken:

Der Ver­weis auf Schat­ten­sei­ten der Kern­kraft- und Braun­koh­le­nut­zung ist voll­kom­men unsin­nig, da die Wind­kraft­an­la­gen diese Schat­ten­sei­ten nicht im Ansatz redu­zie­ren. Mehr dazu hier. Der Aus­stieg aus der Kern­ener­gie ist beschlos­sene Sache und wird durch die Sub­ven­ti­ons­pro­pel­ler nur unnö­tig ver­teu­ert und erschwert. Die Braun­koh­le­bag­ger kom­men durch die von Wall­mann for­cierte Poli­tik erst rich­tig auf Tou­ren.

Das “Kli­ma­schutz­kon­zept” ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrie­ben steht. Ent­lar­vend ist die Begrün­dung des WKA-Aus­baus mit der Plan­erfül­lung: Die Anla­gen machen kei­nen Sinn, aber wir müs­sen unser Ziel errei­chen.

Es geht nicht um “Ver­spar­ge­lung”, son­dern um die mut­wil­lige Zer­stö­rung einer wun­der­ba­ren Land­schaft und der letz­ten gro­ßen natur­na­hen Wald­ge­biete.

Da bin ich zuhause.

Blick vom Bil­stein­turm – noch unver­baut

Die Hekt­ar­zah­len sind völ­lig ver­harm­lo­send und so unhalt­bar. Es geht nicht um “Her­aus­nahme aus der Nut­zung”, son­dern um mas­sive Ein­griffe in intakte Öko­sys­teme, so wie hier im Saar­land:

Bau von Wind­kraft­an­la­gen im saar­län­di­schen Hoch­wald.

Was die Aus­wir­kun­gen auf den Tou­ris­mus betrifft, ist das Wirt­schafts­mi­nis­te­rium rea­lis­ti­scher als Dr. Wall­mann:

 

bmwi

Aus einer aktu­el­len Bro­schüre des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Ener­gie. 

HNA: Was sagen Sie zu den Vor­würfen, dass die Pro­fite nicht vor Ort blei­ben?   

WALLMANN: Die regio­nale Wert­schöp­fung hängt ganz stark von der Gestal­tung ab. Bei­spiels­weise kön­nen Auf­träge für Pla­nung, Umset­zung und Finan­zie­rung an Fir­men und Ban­ken aus der Region ver­ge­ben wer­den. Im Bereich Wind­kraft sind viele regio­nale Unter­neh­men wie etwa Stadt­werke an Wind­parks betei­ligt. Auch die Bür­ge­r­ener­gie­ge­nos­sen­schaft wird sich vor­aus­sicht­lich an Wind­parks betei­li­gen. Da kön­nen alle mit­ma­chen.

Bür­ger bemer­ken:

Vor dem Hin­ter­grund der allein in 2014 durch Sub­ven­tio­nie­rung von Wind­kraft- und PV-Strom erfolg­ten gesamt­wirt­schaft­li­chen Wert­ver­nich­tung i.H.v. 12 Mrd. Euro ist diese Aus­sage aben­teu­er­lich. Es geht hier nicht um Wert­schöp­fung, son­dern um Sub­ven­ti­onsabschöp­fung. Jeder Euro, der durch Wind­kraft­pro­pel­ler irgendwo hin­ge­weht wird, wurde uns allen vor­her aus der Tasche gezo­gen. Es han­delt sich um einen Sub­ven­ti­ons­wett­lauf zu Las­ten der All­ge­mein­heit und der Natur. Der Sach­ver­stän­di­gen­rat zur Begut­ach­tung der gesamt­wirt­schaft­li­chen Lage erklärte dazu:

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Aus dem vor­letz­ten Jah­res­gut­ach­ten der Wirt­schafts­wei­sen

Wall­manns Vor­schläge zie­len dar­auf, den Kreis der Pro­fi­teure zu erwei­tern.

Herr Dr. Wall­mann wird dem Werra-Meiß­ner-Kreis das besche­ren, was dem Natur­park Hoher Vogels­berg bereits wider­fah­ren ist.

Dies geht uns alle an.

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