Wallmann

Am 16. März 2015 äußerte sich der Klima­schutz-Beauf­tragte des Werra-Meißner-Kreises, Dr. Rainer Wallmann, zu dem von ihm voran­ge­trie­benen Ausbau von Windkraft­an­lagen. 

In diesem Landstrich in Nordhessen, der durch das Bundes­um­welt­mi­nis­te­rium zu einem Hotspot der biolo­gi­schen Vielfalt gekürt wurde 

soll nun der Windkraft Raum geschaffen werden.

Der Natur­park Kaufunger Wald, eines der größten unzer­schnit­tenen Waldge­biete des Landes, soll zur Indus­trie­zone werden.

Einer sachli­chen Diskus­sion mit den Bürgern hatte sich der in der Sache inhalt­lich und fachlich offenbar überfor­derte Politiker nie gestellt.  Der seinem „Klima­schutz­kon­zept“ entge­gen­ge­brachten fundierten Kritik der Bürger hat er sich nie angenommen. Statt­dessen begegnet er der in der Bürger­schaft mittler­weile gekräf­tigten Vernunft mit Nebel­kerzen.

Das Inter­view führte Friede­rike Steensen in der Hessisch Nieder­säch­si­schen Allge­meinen (HNA).

HNA: Müssen wir hier in Deutsch­land das Weltklima retten?

WALLMANN: Nein, aber wir sind wirtschaft­lich und technisch in der Lage, Verän­de­rungen herbeizufüh­ren und haben Verant­wor­tung für zukünf­tige Genera­tionen sowie für ärmere Länder. Un­ser Anteil am weltweiten CO2–Ausstoß liegt zwar nur bei 2,5 Prozent – aber wir stellen auch nur ein Prozent der Weltbe­völkerung.

Bürger bemerken:

Deutsch­land trägt in der Tat rund 2,5 Prozent zu den weltweiten CO2–Emissionen bei. Dieser Anteil wird bis 2030 auf rund 1,5 Prozent fallen – unabhängig davon, welche Politik in Deutsch­land oder gar im Werra-Meißner-Kreis betrieben wird. Nämlich deshalb, weil die Emissionen in anderen Teilen der Welt (insbe­son­dere in China) steil ansteigen. Unser „Beitrag“ kann also allen­falls symbo­li­scher Natur sein. Derge­stalt, dass wir der Welt gangbare Wege zur Emissi­ons­re­duk­tion aufzeigen. Aber genau das tun wir mit der Energie­wende-Politik nicht. 

wit

In diesem bemer­kens­werten Artikel vom 17.8.14 lieferte der nieder­län­di­sche Umwelt­ökonom Richard Tol eine Außen­sicht auf die deutsche Energie- und Klima­po­litik.

Mehr dazu hier, hierhier oder hier.

Im Übrigen:

Die 1% der Weltbe­völ­ke­rung zu den 2,5% der weltweiten CO2-Emissionen in Relation zu setzen, ist unsinnig. 

Damit wird sugge­riert, dass wir unseren Anteil an den Emissionen auf den Bevöl­ke­rungs­an­teil senken müssten. Implizit schlägt Herr Wallmann damit vor, dass wir uns an Somalia oder dem Tschad orien­tieren. Wer so einen Kurs einschlägt, kann in einer ratio­nalen Umgebung niemandem als Vorbild dienen. 

Eine sinnvol­lere Bezugs­größe wäre unser Anteil am Welt-BIP (ca. 3,9%). Sicher­lich haben wir höhere Emissionen als der Tschad, aber wir haben auch eine um ein Vielfa­ches höhere Lebens­qua­lität. Letztere und übrigens ebenso die Umwelt­qua­lität sind positiv mit materi­ellem Wohlstand, sprich quali­ta­tivem Wachstum, korre­liert.

Gemessen an dieser sinnvollen Bezugs­größe, ist unsere Bilanz überdurch­schnitt­lich gut und erfor­dert mitnichten das hekti­sche Ergreifen völlig sinnloser bis kontra­pro­duk­tiver Maßnahmen (wie etwa die Verwand­lung von Natur­schutz- und FFH Gebieten in Indus­trie­parks).

Tatsäch­lich haben wir es in Deutsch­land bereits geschafft, unser Wachstum vom Energie­ver­brauch zu entkop­peln!

Wir wachsen und brauchen trotzdem absolut weniger Energie. Das ist ein echter Erfolg. Unter­gangs­sze­na­rien sind vollkommen depla­ziert.  

HNA: Helmut Heide­rich (CDU) be­tonte kürzlich, dass Windräder keine gute CO2–Bilanz haben, weil man auch das Kraft­werk mitrechnen müsse, das Schwan­kungen ausgleicht.

WALLMANN: Windkraft­an­lagen haben sehr gute CO2-Bilanzen. Der für die Errich­tung eines Windrades erfor­der­liche Energie­auf­wand wird durch den Betrieb der Anlage in sechs bis neun Monaten er­zeugt. Danach wird über 20 Jahre nahezu klima­neu­traler Strom erzeugt. Natür­lich gibt es bei der Windkraft Schwan­kungen in der Stromprodukti­on. Aber wir haben auch Bio­masse, Sonnen­en­ergie, Strom­netze, Strom­handel mit Nach­barländern, Lastma­nage­ment sowie flexible Gas-Kraft­werke, die Schwan­kungen ausglei­chen können. Dieses Gesamt­system ist wirtschaft­lich und nachhaltig.

Bürger bemerken:

Die Antwort, wann sich eine WKA energe­tisch amorti­siert, passt nicht zur Frage. Die Aussage, dass dies nach 9 Monaten der Fall ist, mag stimmen, ist aber eine Nebel­kerze. Das Gesamt­system ist eben nicht wirtschaft­lich und eben nicht nachhaltig und eben nicht klima­scho­nend. Die Empirie wider­legt die Fantasie: Das Kraft­werk Irsching ist das Mahnmal dieser Politik.

Die von Dr. Wallmann unter­stellte Klima­schutz­wir­kung der „Energie­wende“ und insbe­son­dere des Windkraft­aus­baus fußt auf der Vorstel­lung, dass damit der CO2-Ausstoß reduziert und der sogenannte Treib­haus­ef­fekt reduziert würde. Dazu muss man folgende Fakten berück­sich­tigen:

  1. Deutsch­land trägt zu den globalen CO2-Emissionen ungefähr 2,5 % bei.

Egal, welche Politik in Deutsch­land betrieben wird, wird dieser Anteil bis 2030 auf deutlich unter 2% sinken. Deshalb, weil allein die Zuwächse in China und Indien unsere Gesam­te­mis­sion deutlich übertreffen. Was in Deutsch­land an CO2 emittiert wird (Gesam­te­mis­sionen), entspricht der Menge, die in China alle 14 Monate neu hinzu­kommt. Wenn Deutsch­land morgen aufhörte zu existieren, wäre dies in der globalen CO2-Bilanz allein durch China nach einem guten Jahr bereits vollständig ausge­gli­chen. Schon aufgrund dieser Dimen­sionen ist es völlig ausge­schlossen, dass man von deutschem Boden aus einen Einfluss auf das Weltklima entfalten kann. Die Maßnahmen sind völlig wirkungslos. Unsere Natur wird auf dem Altar abstruser grüner Ideologie geopfert.

  1. Wenn man sich von einem klaren Blick auf die nüchtern Zahlen nicht irritieren lassen möchte und dennoch einen Effekt unter­stellt, so wie es Dr. Wallmann tut…

… so kann die Windkraft trotzdem keinen Klima­schutz-Beitrag leisten. Denn sie wirkt allein im Strom­sektor. Dieser macht aber nur ein knappes Viertel des gesamten Energie­ver­brauchs aus. Die „großen Brocken“ Verkehr und Wärme werden nicht berührt. Dem Klima ist es jedoch egal, ob ein CO2-Molekül aus dem Auspuff eines PKW, dem Kamin eines Kachel­ofens oder dem Schorn­stein eines Kraft­werks kommt. Der gesamte Energie­ver­brauch ist maßgeb­lich. Zu diesem tragen alle Windkraft­an­lagen zusammen nur 1,3 % bei. Es geht also um 1,3 % von 2,5 %, also 0,0325 Prozent der globalen Emissionen, die unter theore­ti­schen Ideal­be­din­gungen überhaupt durch die Windkraft­an­lagen beein­flusst werden können.

  1. Wem die Aussicht auf Beein­flus­sung von 0,0352 Prozent der globalen CO2-Emmis­sionen jedes Opfer wert ist, der muss dennoch konsta­tieren, dass selbst diese Aussicht trüge­risch ist.

De Facto führt der Windkraft­ausbau zu überhaupt keiner C02-Einspa­rung. Die theore­ti­schen Ideal­be­din­gungen sind nämlich nicht erfüllt. Da Windkraft­an­lagen nicht grund­last­fähig sind, müssen stets andere Kraft­werke im Hinter­grund bereit­ge­halten werden. Diese werden in den Stop-&-Go-Betrieb gezwungen und arbeiten dadurch unwirt­schaft­lich. Sie verbrau­chen mehr Brenn­stoff (Kohle, Gas), als sie müssten. Außerdem drängt der Windstrom die vergleichs­weise CO2-armen Gaskraft­werke aus dem Markt und fördert indirekt den Braun­koh­le­ein­satz. Im Ergebnis steigt der CO2–Ausstoß.

  1. Wer vor diesen empiri­schen Tatsa­chen die Augen verschließt oder diese als Übergangs­er­schei­nungen abtut, muss zumin­dest die Existenz des Europäi­schen Emissi­ons­han­dels­sys­tems zur Kenntnis nehmen.

Dieses legt die Gesam­te­mis­sionen für alle EU Staaten insge­samt verbind­lich fest – alle poten­ti­ellen Emittenten der großen, energe­tisch relevanten Indus­trie­zweige müssen inner­halb dieses gedeckelten Kontin­gents Emissi­ons­rechte (“Zerti­fi­kate”) erwerben. Energie­er­zeu­gungs­un­ter­nehmen sind vollständig erfasst und müssen für jedes emittierte Gramm CO2 ein entspre­chendes Zerti­fikat nachweisen. Diese Zerti­fi­kate werden an Börsen oder zwischen den Anlagen­be­trei­bern frei gehan­delt, wobei das Kontin­gent sukzes­sive verklei­nert wird. Das System stellt im Prinzip sicher, dass das CO2 – Reduk­ti­ons­ziel einge­halten wird und Emissionen an den Stellen einge­spart werden, wo dies am kosten­güns­tigsten möglich ist

Eventu­elle Einspa­rungen im deutschen Strom­sektor führen dazu, dass im deutschen Strom­sektor weniger Zerti­fi­kate benötigt werden, der Zerti­fi­kate­preis also sinkt. Damit wird es für Unter­nehmen in anderen Sektoren und Regionen weniger lukrativ, in Emissi­ons­ver­mei­dung zu inves­tieren. Plakativ ausge­drückt: In ost­europäischen Kohle­kraft­werken werden im Zweifel keine zusätz­li­chen Filter mehr einge­baut, da die Ersparnis bei den Zerti­fi­katen die Inves­ti­tion nicht mehr recht­fer­tigt. Aber auch in anderen Indus­trie­zweigen inner­halb Deutsch­lands verän­dert ein reduzierter Zerti­fi­kats­preis das Inves­ti­ti­ons­kalkül. Man kann es drehen, wie man will: Am Ende bestimmt allein das EU-weit festge­legte Kontin­gent an Zerti­fi­katen, wie viel CO2 in Europa emittiert wird. Eine – ohnehin nur fiktive – CO2-Reduk­tion durch Windkraft­an­lagen in Deutsch­land ist definitiv ohne Effekt auf die globalen Emissionen.

Geradezu zynisch wird die Windkraft­an­sied­lung im Wald unter dem Deckmantel „Klima­schutz“, wenn man sich verge­gen­wär­tigt, dass unsere Wälder pro Jahr und Hektar rund 10 Tonnen CO2 speichern. Wälder nehmen nicht am Emissi­ons­handel teil – ihre Leistungen werden nicht konter­ka­riert. Pro Windkraft­an­lage wird mindes­tens ein Hektar Wald vernichtet und dauer­haft ökolo­gisch entwertet. Eventu­elle Auffors­tungen können das nicht einmal ansatz­weise ausglei­chen, da alte Bäume in jeder Hinsicht ungleich wertvoller als Neuan­pflan­zungen sind.

Wenn man den Klima­wandel ernst nimmt, muss man ihn mit geeig­neten Mitteln angehen. Dazu gibt es viele sinnvolle Ansätze. Alle laufen darauf hinaus, anderen Ländern zu helfen, ihre Emissionen zu senken und effizi­enter zu werden. Das entspricht deutscher Ingenieurs­kunst und schafft dauer­hafte Export­er­folge und Arbeits­plätze. Wenn man dennoch unbedingt in Deutsch­land etwas tun möchte, dann sollte dies beim Einsparen ansetzen und den gesamten Energie­ver­brauch –nicht nur den Strom- erfassen.

Der Vollstän­dig­keit halber ist zum Themen­kom­plex „Klimawandel/Klimaschutz/Windkraft“ noch darauf hinzu­weisen, dass die für Deutsch­land prognos­ti­zierten negativen Effekte einer globalen Erwär­mung im Wesent­li­chen in häufi­geren Überschwem­mungen und häufi­geren Dürre­pe­ri­oden bestehen. Ursprüng­li­cher Wald bietet den besten Erosi­ons­schutz. Waldboden reinigt und speichert Wasser. Pro Windkraft­an­lage wird mindes­tens 1ha Wald vernichtet.

HNA: Kritiker sagen, dass wir Öko­strom-Überschüsse ans Aus­land verschenken…

WALLMANN: 2013 lag der Strom­preis an der Börse nur an 64 Stunden unter null Euro. Aufs Jahr gesehen ver­dienen wir am Strom­ex­port. Wir produ­zieren übrigens auch Strom­über­schüsse, weil unsere Kohle- und Atomkraft­werke bei Schwan­kungen nicht kurzfristig herunterge­fahren werden können. Insge­samt brauchen wir eine Ener­giewende, die mit Energiespa­ren beginnt.

Bürger bemerken:

In der ZEIT vom 14.12.2014 steht dazu:

In der ersten Jahres­hälfte 2014 gab es 71 Stunden mit negativen Strom­preisen. Aber schon in wenigen Jahren könnten es nach einer Berech­nung des Thinktanks Energy Brain­pool tausend Stunden im Jahr werden. Ein Viertel der gesamten Ökostrom­pro­duk­tion wäre dann Energie­müll.

An wie vielen Stunden der Börsen­preis unter Null lag, ist aber nicht entschei­dend. Entschei­dend ist vielmehr, dass jede weitere Windkraft­an­lage die Leistungs­spitzen und die Überpro­duk­tion verschärft. Dies ist schlicht dadurch begründet, dass normale Tiefdruck­ge­biete ganz Deutsch­land überde­cken: Wenn im Norden der Wind stark weht, ist das auch im Süden der Fall.  Drauf gezahlt haben wir immer dann, wenn der Börsen­preis unter dem EEG-Preis lag. So haben „wir“, d.h. alle deutschen Strom­kunden, im letzten Jahr 14 Milli­arden Euro für Windkraft- und PV-Strom bezahlt, der 2 Milli­arden wert war. Die volks­wirt­schaft­liche Wertver­nich­tung betrug 12 Milli­arden Euro. Diese Wertver­nich­tung steigt mit jeder neuen Anlage weiter an. Die Insti­tute der Windlobby betrügen die Öffent­lich­keit, die Politik und fälschen ganz offen­sicht­lich in wissen­schaft­li­chen Veröf­fent­li­chungen, wenn sie behaupten, ein Ausbau der Windkraft führe zu “einer Glättung der Einspei­sung”. 

Zu behaupten, dass „wir“ am Strom­ex­port verdienen, ist eine dreiste Fälschung von Tatsa­chen. Die unfrei­wil­ligen Exporte auf die unfle­xi­blen Kohle- und Atomkraft­werke zu schieben, entspricht der von Wallmanns Namens­vetter und Partei­kol­legen Baake verbrei­teten Lesart. Die bittere Wahrheit: Wenn wir diese „unfle­xi­blen“ Kraft­werke nicht hätten, hätten wir längst einen Blackout und mit Sicher­heit Tote zu beklagen.

Im Übrigen hat niemand etwas gegen Energie­sparen, ganz im Gegen­teil. Dazu brauchen wir aber keine Windkraft­an­lagen, ganz im Gegen­teil.

HNA: Zum Energie­sparen gehört Ihrer Ansicht nach auch Last­management. Was ist das?

WALLMANN: Dabei wird der Energie­be­darf dem Angebot an Strom angepasst, etwa, in­dem man die Wasch­ma­schine nur dann anschaltet, wenn die Sonne scheint und die Photo­vol­ta­ik­an­lage auf dem Dach viel Strom produ­ziert. Das Prinzip funktio­niert auch in vielen Indus­trie­be­trieben.

Bürger bemerken:

Offenbar ist Dr. Wallmann mit der Realität des Wirtschafts­le­bens nicht eng vertraut. Sein „Lastma­nage­ment“ bedeutet nichts anderes als Ratio­nie­rung. Eine wettbe­werbs­fä­hige, sichere und bedarfs­ge­rechte Versor­gung mit elektri­scher Energie ist Voraus­set­zung für indus­tri­elle Produk­tion. Auf Ratio­nie­rung wird sich kein Unter­nehmer einlassen, solange in vielen anderen Staaten der Erde angemes­sene Produk­ti­ons­be­din­gungen vorzu­finden sind.

HNA: Was brauchen wir zuerst: Strom­spei­cher oder den Aus­bau erneu­er­barer Energien?

WALLMANN: Es ist fachlich falsch zu sagen, dass wir erst die Speicher entwi­ckeln müs­sen. Laut dem Fraunhofer-In­stitut brauchen wir Batterie-Speicher erst ab 2030. Bis da­hin können wir Überschüsse deutsch­land­weit abpuf­fern. Erst 2050 werden wir unseren Energie­be­darf komplett aus erneu­er­baren Energien be­streiten und werden dann eine völlig andere Gestal­tung der Energie­wirt­schaft haben.

Bürger bemerken:

Solange man es hinnimmt, dass jährlich ein großer zweistel­liger Milli­ar­den­be­trag vernichtet und – mit allen Konse­quenzen für Mensch und Natur – eine doppelte Infra­struktur gebaut und aufrecht­erhalten wird, braucht man keine Speicher. Wenn man die entspre­chenden ökono­mi­schen und ökolo­gi­schen Schäden nicht hinnehmen und ständig vergrö­ßert sehen will, braucht man einen Ausbau­stopp, da es hinrei­chende Speicher­mög­lich­keiten nicht gibt. Im Jahre 2015 exakte Vorstel­lungen von der Welt in 2050 zu haben, ist eine Anmaßung von Wissen und verkennt die Natur des techni­schen Fortschritts.  In der ZEIT vom 18.12.2014 beschrieb Frank Drieschner die schmut­zigen Irrtümer der Energie­wende-Politik. Ferner schrieb er dort:

rund um die Erneu­er­baren Energien Branche ist ein regel­rechter politisch-ökono­mi­scher Komplex heran­ge­wachsen. In seinem Einfluss ist er wahrschein­lich nur mit der Atomwirt­schaft im vergan­genen Jahrhun­dert vergleichbar.  Alle Akteure in diesem Komplex verbindet ein Inter­esse: Probleme der Energie­wende müssen lösbar erscheinen, damit die Wind- und die Sonnen­branche weiter subven­tio­niert werden.“

Das von Dr. Wallmann ins Feld geführte IWES ist jenem politisch-ökono­mi­schen Komplex zuzuordnen. Die Finan­zie­rung des Insti­tuts und die Karrieren der dort Beschäf­tigten bedingen dieses “verbin­dende Inter­esse”. Die kühne Behaup­tung, man brauche keine Speicher wird überdies durch die Tatsache konter­ka­riert, dass schon heute große Beträge an elektri­scher Energie auf Kosten der Bürger im Ausland verklappt werden. Dr.-Ing. Detlef Ahlborn dazu: “Die genannte IWES-Studie gehört zum Blumen­strauß der wissen­schaft­li­chen Täuschung, die dort wohl zum Programm gehört – schließ­lich sollen die Probleme der Energie­wende lösbar erscheinen.”

HNA: Warum müssen wir hier sehr hohe Windräder bauen, die in anderen Regionen vielleicht besser aufge­hoben wären?

WALLMANN: Wir könnten Windräder an der Küste instal­lieren, wo sie in der gleichen Zeit mehr Strom produ­zieren, aber der Strom müsste umge­wandelt und durchs ganze Land zu uns geleitet werden. Wir hätten Verluste, Kosten und Aufwand – und Stromau­tobahnen will auch niemand. Deshalb denke ich, dass die Energie­wende so dezen­tral wie möglich erfolgen muss. Dazu gehört, dass ein Gebäude seinen Strom, wenn möglich, selbst erzeugt – was bei vielen Gebäuden im Landkreis be­reits der Fall ist.

Bürger bemerken:

Hier wird sugge­riert, dass wir weniger Trassen bräuchten, wenn wir die Windkraft­an­lagen flächen­de­ckend verteilen. Das Gegen­teil ist richtig: WKA-Ausbau und Trassenbau bedingen sich gegen­seitig! Verein­facht gesagt: Je mehr Windkraft­an­lagen errichtet werden und je weiter gestreut sie über das Land verteilt werden, desto dichter und verwor­rener der Kabel­salat.

Dieser Zusam­men­hang wurde in der DENA-Netzstudie unter Kosten­as­pekten betrachtet:

Neben mehr Strom­au­to­bahnen braucht Deutsch­land auch ein neues Verteil­netz mit bis zu 193.000 Kilome­tern zusätz­li­cher Leitungs­trassen, um die Energie­wende zu schaffen. Eine neue Studie der Deutschen Energie­agentur (Dena) konzen­triert sich ausschließ­lich auf den Ausbau­be­darf der Strom­netze auf den niedrigen Spannungs­ebenen, gleichsam den Land- und Ortsstraßen des deutschen Strom­netzes. Den Ergeb­nissen zufolge hängt der Netzbe­darf vom Ausbau der erneu­er­baren Energien ab. Geht es nach dem Netzent­wick­lungs­plan der Bundes­re­gie­rung, so wäre bis 2030 der Neubau von rund 135.000 Kilometer regio­naler und kommu­naler Strom­trassen nötig. Zusätz­lich müssten rund 21.000 Trassen­ki­lo­meter umgebaut werden.

Die Gesamt­kosten, die in den kommenden 18 Jahren über die Netzent­gelte auf die Strom­rech­nungen der Verbrau­cher abgewälzt werden, betragen in diesem Fall rund 27,5 Milli­arden Euro. Anders liegt der Fall, wenn sich die Bundes­länder mit ihren eigenen Ausbau­zielen für Ökostrom durch­setzen: Dann müssten sogar Strom­lei­tungen über 193.000 Kilometer neu verlegt und 25.000 Kilometer umgebaut werden, zu Gesamt­kosten von 42,5 Milli­arden Euro.

Der Übertra­gungs­netz­be­treiber 50 Hertz weiß es (aus Erfah­rung) ebenfalls besser als Herr Wallmann: 

Netzausbau

Aus dem Positi­ons­pa­pier zur Netzent­gelt­sys­te­matik

Mehr zur Spiegel­bild­lich­keit von Windkraft- und Trassen­ausbau unter diesem Link.

HNA: Was sagen Sie Windkraft­geg­nern, die um den Tourismus, den Natur­schutz oder um ihre Gesund­heit fürchten?

WALLMANN: In anderen Re­gionen stehen Atomkraftwer­ke und werden durch Braun­kohleabbau ganze Landschaf­ten weg gebag­gert. Der Werra-Meißner-Kreis hat ein ganz­heitliches Klima­schutz­kon­zept. Die Windenergie steht dabei an letzter Stelle, nach­dem alle Poten­ziale von Ein­sparen, Sonnen­en­ergie, Bio­masse, Wasser­kraft und Erd­wärme ausge­schöpft sind. Ohne Windkraft können wir unser Klima­schutz­ziel nicht errei­chen. Ich finde, der Teilre­gio­nal­plan Energie ist auf einem gu­ten Weg, weil dort unter Berück­sich­ti­gung von Windstär­ke, Natur­schutz, Infra­struktur und dem Abstand zur Wohn­bebauung die Stand­orte ermit­telt wurden, an denen die Beein­träch­ti­gungen von Mensch, Natur und Umwelt am geringsten sind. Von einer „Verspar­ge­lung“ kann keine Rede sein, weil im ganzen Kreis nur 50 Windrä­der gebaut werden. Bis zu 25 Hektar unserer ca. 40.000 Hektar umfas­senden Waldflä­che müssten dafür aus der Nutzung genommen werden, die zu großen Teilen in den letzten Jahren bereits durch Stürme „gerodet“ wurden.

Bürger bemerken:

Der Verweis auf Schat­ten­seiten der Kernkraft- und Braun­koh­le­nut­zung ist vollkommen unsinnig, da die Windkraft­an­lagen diese Schat­ten­seiten nicht im Ansatz reduzieren. Mehr dazu hier. Der Ausstieg aus der Kernenergie ist beschlos­sene Sache und wird durch die Subven­ti­ons­pro­peller nur unnötig verteuert und erschwert. Die Braun­koh­le­bagger kommen durch die von Wallmann forcierte Politik erst richtig auf Touren.

Das “Klima­schutz­kon­zept” ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht. Entlar­vend ist die Begrün­dung des WKA-Ausbaus mit der Planerfül­lung: Die Anlagen machen keinen Sinn, aber wir müssen unser Ziel errei­chen.

Es geht nicht um “Verspar­ge­lung”, sondern um die mutwil­lige Zerstö­rung einer wunder­baren Landschaft und der letzten großen natur­nahen Waldge­biete.

Da bin ich zuhause.

Blick vom Bilstein­turm – noch unver­baut

Die Hektar­zahlen sind völlig verharm­lo­send und so unhaltbar. Es geht nicht um “Heraus­nahme aus der Nutzung”, sondern um massive Eingriffe in intakte Ökosys­teme, so wie hier im Saarland:

Bau von Windkraft­an­lagen im saarlän­di­schen Hochwald.

Was die Auswir­kungen auf den Tourismus betrifft, ist das Wirtschafts­mi­nis­te­rium realis­ti­scher als Dr. Wallmann:

 

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Aus einer aktuellen Broschüre des Bundes­mi­nis­te­riums für Wirtschaft und Energie. 

HNA: Was sagen Sie zu den Vor­würfen, dass die Profite nicht vor Ort bleiben? 

WALLMANN: Die regio­nale Wertschöp­fung hängt ganz stark von der Gestal­tung ab. Beispiels­weise können Aufträge für Planung, Umset­zung und Finan­zie­rung an Firmen und Banken aus der Region vergeben werden. Im Bereich Windkraft sind viele regio­nale Unter­nehmen wie etwa Stadt­werke an Wind­parks betei­ligt. Auch die Bürge­r­ener­gie­ge­nos­sen­schaft wird sich voraus­sicht­lich an Windparks betei­ligen. Da kön­nen alle mitma­chen.

Bürger bemerken:

Vor dem Hinter­grund der allein in 2014 durch Subven­tio­nie­rung von Windkraft- und PV-Strom erfolgten gesamt­wirt­schaft­li­chen Wertver­nich­tung i.H.v. 12 Mrd. Euro ist diese Aussage abenteu­er­lich. Es geht hier nicht um Wertschöp­fung, sondern um Subven­tionsabschöp­fung. Jeder Euro, der durch Windkraft­pro­peller irgendwo hinge­weht wird, wurde uns allen vorher aus der Tasche gezogen. Es handelt sich um einen Subven­ti­ons­wett­lauf zu Lasten der Allge­mein­heit und der Natur. Der Sachver­stän­di­genrat zur Begut­ach­tung der gesamt­wirt­schaft­li­chen Lage erklärte dazu:

svr

Aus dem vorletzten Jahres­gut­achten der Wirtschafts­weisen

Wallmanns Vorschläge zielen darauf, den Kreis der Profi­teure zu erwei­tern.

Herr Dr. Wallmann wird dem Werra-Meißner-Kreis das bescheren, was dem Natur­park Hoher Vogels­berg bereits wider­fahren ist.

Dies geht uns alle an.

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