Außen­an­sicht von innen

Ende Mai 2019 wandte sich die mittel­baye­ri­sche Zeitung an VERNUNFTKRAFT. und bat darum, dass jemand von unserem Verband einen Beitrag zur Rubrik “Außen­an­sicht” liefern möge. Als Richt­schnur wurde der Link zu anderen Außen­an­sichten sowie eine Zeichen- und Format­vor­gabe gelie­fert. Außerdem wurde ein Autor(inn)enfoto erbeten. Frist­ge­recht und wunsch­gemäß übermit­telten wir Anfang Juli 2019 dies:

 

Mehr Windkraft ist keine Lösung

Nicht nur angesichts des Klima­wan­dels ist es unver­nünftig, unsere Strom­ver­sor­gung an die Launen des Wetters zu koppeln. 

In Deutsch­land stehen 29.000 Windkraft­an­lagen. Nach China und USA belegen wir damit Platz 3 in der Welt. Nirgends ist die Windrad­dichte höher als bei uns. Die fakti­sche Bedeu­tung der Stahl­riesen ist dennoch eher zwergen­haft: Sie decken 1,8 % unseres Energie­be­darfs.

Für eine „Dekar­bo­ni­sie­rung“ um 90% bis 2050 würde dreimal mehr Strom gebraucht als heute – Verkehr und Wärme müssten elektri­fi­ziert werden. Wegen Speicher­ver­lusten müsste die Wind- und Solar­ka­pa­zität verzehn­facht werden. Das bedeutet 3000 km² Rotor­fläche (≈160.000 (!) Anlagen neuester Bauart) und 4000 km² Solar­fläche. Für Mensch und Natur bliebe kein Platz. Dieses Horror­sze­nario wirft Schatten voraus und beruht auf zwei Problemen der Windkraft: 

Ihre geringe Energie­dichte, die massiven Flächen­be­darf bedingt, und die extrem schwan­kende Erzeu­gung: Meist produ­zieren die Anlagen wenig, manchmal gar keinen und dann wieder zu viel Strom.

Gefähr­dung der Netzsta­bi­lität, Abhän­gig­keit von (Kohle- und Atom-) Importen und die Entsor­gung von „Schrott­strom“ (im 1. Halbjahr 2019 wurde bereits 6 Tage lang Energie­müll produ­ziert) sind sicht­bare Folgen. Von Flora, Fauna und Strom­preisen ganz zu schweigen.

Die Energie­ver­sor­gung sollte umwelt­ver­träg­lich, preis­wert und verläss­lich sein und stets dahin­ge­hend optimiert werden. Davon sind wir weit entfernt.

Der letzte Sommer zeigte, wie die Fixie­rung auf Solar- und Windenergie an Grenzen stößt: In Europa herrschten wochen­lang niedrige Luftdruck­un­ter­schiede. Die Windstrom­pro­duk­tion brach im Juli 2018 im Vergleich zum Juli 2017 um 19% ein, obwohl die instal­lierte Leistung seither um 8% gestiegen war. Solar­zellen konnten viele Stunden produ­zieren, aber hitze­be­dingt sank ihr Wirkungs­grad.

Gerade im Hinblick auf Klima­wandel und künftige Extrem­wet­ter­lagen ist es unver­nünftig, die Versor­gung eines Indus­trie­landes mit einem Lebens­eli­xier an Launen der Natur zu koppeln.

Vernünftig wäre es, das für Symbol­po­litik ver(sch)wendete Geld in die techno­lo­gie­of­fene Forschung zu inves­tieren. Ansonsten sollte – inner­halb eines strin­genten umwelt­recht­li­chen Rahmens! – der Wettbe­werb zur Geltung kommen.

So würden die effizi­en­testen Lösungen gefunden. Denn wer CO2 über „erneu­er­bare Strom­erzeu­gung“ einsparen will, setzt einen schwa­chen (aber teuren) Hebel an falscher Stelle an: Strom macht nur ein Viertel des Energie­be­darfs aus. Anderswo entfalten gleiche Mühen viel mehr Wirkung. Sparsa­mere Fahrzeuge, effek­ti­vere Heizungen, Nutzung der Abwärme von Block­heiz­kraft­werken etc. seien beispiel­haft genannt.

Dr. Nikolai Ziegler

Vorsit­zender der

Bundes­in­itia­tive VERNUNFTKRAFT. e.V.

 

Leider wurde die zugesagte Veröf­fent­li­chung bislang nicht umgesetzt, was sehr bedau­er­lich ist. Eine Außen­an­sicht von innen täte der Energie­po­litik sicher gut. Bundes­mi­nister a.D. Wolfgang Clement hatte damit in der WELT mehr Glück:

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