Gibt es Akkus für “grünen Strom” ?

1. Windkraft­an­lagen kommen in Deutsch­land auf rund 1.550 Volllast­stunden.
2. Photo­vol­ta­ik­an­lagen kommen in Deutsch­land auf rund 900 Volllast­stunden.
3. Das Jahr kommt in Deutsch­land auf 8.760 Stunden.
4. Die 1.550 und 900 Stunden können nicht addiert werden; der Wind weht nicht ausschließ­lich nachts.

Unver­nünf­tiges > Diese Tatsa­chen entziehen sich weitge­hend der politi­schen Planung und werfen ein offen­kun­diges Problem auf: Die sogenannte Grund­last lässt sich mit Wind- und Sonnen­strom – auf Basis der heute verfüg­baren Techno­lo­gien – nicht decken. Zur Lösung dieses offen­kun­digen Problems wird immer wieder die Speiche­rung von Strom als die Lösung schlechthin angeführt.

Sind Windkraft- und Photo­vol­taik-Strom speicherbar?


Das Energie­ver­sor­gungs­un­ter­nehmen EON nutzt dies auch in der Werbung und erweckt den Eindruck, als sei die Lösung des Problems bereits gefunden. Wer ohne vertiefte Vorkennt­nisse der Materie mit dieser Anzeige konfron­tiert wird,

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ist geneigt zu glauben, Windkraft- und Photo­vol­taik-Strom seien bereits großtech­nisch speicherbar.

Dies ist Mitnichten der Fall.

Die Anzeige bezieht sich auf eine Pilot­an­lage, deren Technik meilen­weit vom großflä­chigen Einsatz entfernt ist.

Dennoch wird von vielen Politi­kern der Eindruck erzeugt, als sei die Speiche­rung bereits Realität oder in greif­barer Nähe.

Wunsch und Wirklich­keit scheinen hier sehr weit ausein­an­der­zu­liegen.

Belege: Illus­trativ sind hier ein paar Zitate aus aktuellen amtli­chen und wissen­schaft­li­chen Publi­ka­tionen zum Thema:

Die Abschät­zung des zukünftig entste­henden Bedarfs an Speicher­sys­temen ist metho­disch äußerst komplex. Einen Bedarf an Speichern »an sich« gibt es nicht. Um abzuschätzen, wieviel Speicher­ka­pa­zität ökono­misch und ökolo­gisch sinnvoll im Strom­system der Zukunft genutzt werden könnte, muss eine Vielzahl an Annahmen getroffen werden. Dazu gehören u. a.

  • das gewünschte Niveau der Versor­gungs­si­cher­heit,
  • der zukünf­tige Strom­ver­brauch,
  • der Kraft­werks­park,
  • der Verlauf des Netzaus­baus insbe­son­dere für den trans­na­tio­nalen Strom­aus­tausch,
  • der Umfang der zeitweisen Abrege­lung von RES-E-Erzeu­gung,
  • die Nutzung sonstiger Flexi­bi­li­sie­rungs­op­tionen im Strom­system (z. B. Nachfra­ge­ma­nage­ment),

sowie »last but not least« die zukünf­tigen Kosten der Speicher­tech­no­lo­gien und der konkur­rie­renden Optionen.

…dass der gegen­wär­tige Wissens­stand nicht ausreicht, um eindeu­tige und belast­bare Aussagen zum künftigen Speicher­be­darf treffen zu können.“

Dennoch könnten Langzeitspei­cher auf lange Sicht in der Perspek­tive einer Vollver­sor­gung mit RES-E [gemeint ist: Energie aus erneu­er­baren Quellen] in gewissem Umfang notwendig sein.“

Der hohe energe­ti­sche Verlust bei der Rückver­stro­mung von Windgas bzw. Wasser­stoff relati­viert sich etwas, wenn die Alter­na­tive darin bestehen würde, RES-E-Anlagen abzure­geln, wodurch die Energie komplett verloren gehen würde.“

Die vierte Möglich­keit ist das Erzeu­gungs- bzw. Einspei­se­ma­nage­ment. Wenn Strom produ­ziert wird, der zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht gebraucht wird und auch nicht an einen anderen Ort trans­por­tiert werden kann, werden RES-E-Anlagen abgeschaltet (»abgere­gelt«). Damit wird Strom, der nahezu kostenlos und ohne nennens­werte Umwelt­aus­wir­kungen produ­ziert wird, nicht verwendet, sondern verworfen.“

Diese Zitate sind der Publi­ka­tion „Regene­ra­tive Energie­träger zur Siche­rung der Grund­last in der Strom­ver­sor­gung“ des Büros für Technik­fol­gen­ab­schät­zung im Deutschen Bundes­tags entnommen. Sie können sie hier herun­ter­laden.

Der Publi­ka­tion “Langfrist­sze­na­rien und Strate­gien für den Ausbau der erneu­er­baren Energien in Deutsch­land bei Berück­sich­ti­gung der Entwick­lung in Europa und global”, einer Studie im Auftrag des Bundes­um­welt­mi­nis­te­riums, kann man Folgendes entnehmen:

Durch die Möglich­keit der direkten Einspei­sung in das Erdgas­netz werden Speiche­rung und Trans­port von EE-CH4 ohne zusätz­liche Infra­struktur möglich.”

Der darge­stellte mögliche Entwick­lungs­pfad für ein solches 95%-THG-Szenario bis zum Jahr 2060 erfor­dert die annähernde Vollver­sor­gung mit erneu­er­baren Energien in allen Nutzungs­be­rei­chen. In diesem Szenario besitzt EE-Wasser­stoff (oder alter­nativ EE-Methan) eine tragende Rolle als chemisch gespei­cherter Strom für eine EE-Vollver­sor­gung des Wärme­sek­tors und des Verkehrs.”

Nur mit chemi­schen Energie­trä­gern können aller­dings Speicher­ka­pa­zi­täten von mehreren 100 GWh erbracht werden.”

Sie können dies hier nachlesen.

Mit dem Argument, dass man „überschüs­sigen Strom dereinst speichern kann“, werden gerade landauf landab in großem Umfang Erzeu­gungs­ka­pa­zi­täten für volatilen Strom aufge­baut.

Die gesam­melten Zitate lassen erahnen, dass das Thema „Speiche­rung von elektri­schem Strom“ wesent­lich komplexer ist, als in der Lokal­po­litik und in einschlä­gigen „Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tungen“ zur Bewer­bung von Wind- und Solar­park­pro­jekten gerne glauben gemacht wird.

Fazit

Kurzfristig lässt sich das oben beschrie­bene Problem mit Sicher­heit nicht lösen.

Handeln und Rhethorik scheint uns vielfach mehr von Wunsch­denken, als von Reali­täts­sinn geprägt. 

Auf Basis öffent­lich verfüg­barer Zahlen und Studien hat sich Detlef Ahlborn die Mühe gemacht, die kursie­renden Thesen zur Speiche­rung einem Plausi­bi­li­tät­scheck zu unter­ziehen.

Sein Ergebnis fällt negativ aus.

Lesen Sie hier die Ausfüh­rungen von Detlef Ahlborn zum Thema.

Als Wissen­schaftler ist Detlef Ahlborn sehr am intel­lek­tu­ellen Austausch inter­es­siert und immer offen für neue Erkennt­nisse. Sie sind herzlich einge­laden, seinen Plausi­bi­li­tät­scheck Ihrer­seits einem Plausi­bi­li­tät­scheck zu unter­ziehen und in den wissen­schaft­li­chen Diskurs zu treten.

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