Mythos: Der Mensch ist durch geltende Gesetze vor allen Gefah­ren hinrei­chend geschützt. Durch Windkraft­an­la­gen droht keine Beein­träch­ti­gung der mensch­li­chen Gesund­heit.
Fakt ist: Die Auswir­kun­gen der Windkraft­in­dus­trie auf den Menschen sind bislang unzurei­chend medizi­nisch erforscht. Eine bislang oftmals bagatel­li­sierte Gefahr geht vom sogenann­tem Infra­schall aus. Bestehende Schall­schutz- und Abstands­re­geln sind nicht auf der Höhe der Zeit. Auch die optische Bedrän­gung wird in gegen­wär­ti­gen Planun­gen nicht adäquat berück­sich­tigt.

Zusätz­lich zum hörba­ren Schall erzeu­gen Windkraft­an­la­gen Infra­schall, der nicht gehört werden kann, der aber auf den Körper wirkt. Ein Teil der Betrof­fe­nen  reagiert mit Schlaf­stö­run­gen und Stress und als Folge mit gesund­heit­li­chen Auswir­kun­gen.

Die charak­te­ris­ti­schen Spektren im tiefen Frequenz­be­reich werden nach der derzei­ti­gen Rechts­lage weder gemes­sen noch berück­sich­tigt. Technisch erzeug­ter Infra­schall mit periodi­schen Antei­len unter­schei­det sich wesent­lich vom natür­lich auftre­ten­den Infra­schall. Weitere Forschun­gen dazu wären dringend notwen­dig.

Warum?

Ich fühle, was Du nicht hören kannst.”

So beschrei­ben Anwoh­ner von Windkraft­an­la­gen oft ihre Beschwer­den, ausge­löst durch Emission von Infra­schall in Form charak­te­ris­ti­scher Pulse. Je nach Einwirk­dauer und indivi­du­el­ler Konsti­tu­tion können diese tiefgrei­fende Schäden auslö­sen. Lebens­qua­li­tät wird hier auf der Basis hirnphy­sio­lo­gi­scher Prozesse „von innen her“ zerstört.

Schall­emis­sio­nen durch Windener­gie­an­la­gen

Hörba­rer Schall entsteht beim Durch­schnei­den der Luft durch die Rotor­flü­gel (bei aktuel­len Anlagen errei­chen deren Spitzen bis zu 400 km/h) und als Maschi­nen­ge­räusch der Turbine. Er wird als Lärm wahrge­nom­men und kann bei länge­rer Exposi­tion Stress­wir­kun­gen auslö­sen wie den Anstieg des Hormons Norad­re­na­lin, was zu Bluthoch­druck sowie einem erhöh­ten Risiko für Herzin­farkt oder Schlag­an­fall führen kann. Eine chroni­sche Einwir­kung von Lärm birgt immer die Gefahr bleiben­der Gehör­schä­den. Vor diesen Wirkun­gen des Hörschalls  sollen die Vorschrif­ten der TA Lärm schüt­zen, die für Wohnge­biete Grenz­werte des Schall­druck­pe­gels von 35 Dezibel (nachts) und 50 Dezibel (tags) festlegt (Dezibel = dB(A)). Proble­ma­tisch sind die Wohnbe­rei­che in Dorf- und Misch­ge­bie­ten, in denen nachts 45 dB(A) erlaubt sind, wodurch 10 mal mehr Anlagen geneh­migt werden können. Der hörbare Lärm von WEA kann technisch reduziert werden, etwa durch optimale Einstel­lung der Turbine und der Rotor­flü­gel, oder am Immis­si­ons­ort durch bauli­che Maßnah­men gedämmt werden.

Proble­ma­ti­scher ist die unhör­bare Kompo­nente der Schall-Emission von WEA: Wenn ein Rotor­flü­gel den Mast passiert (etwa 1–2 Mal pro Sekunde), entsteht durch Kompres­sion der Luft eine Druck­welle. Der Betrieb  einer WEA erzeugt deshalb periodi­sche Pulse mit einer Grund­fre­quenz zwischen 0,5 und 1 Hz. Hinzu kommen Oberschwin­gun­gen, deren Maxima im Bereich bis etwa 6 Hz auftre­ten. Daraus resul­tie­ren Wellen­län­gen von ca. 50 m bis 300 m. Diese Emissio­nen gehören zum Infra­schall, dem Frequenz­be­reich unter­halb von 16 Hz. Er wird von Menschen nicht  bewusst wahrge­nom­men. Infra­schall gelangt jedoch auf verschie­de­nen Wegen ins Gehirn und wirkt dort auf das Unter­be­wusst­sein. Erst bei extre­men Schall­druck­pe­geln von über 100 dB ist Infra­schall direkt wahrnehm­bar, als Vibra­tion auf der Haut. Noch stärkere Inten­si­tä­ten errei­chen bald die mensch­li­che Schmerz­grenze. Aufgrund der langen Wellen­länge wird Infra­schall durch Bauwerke oder Schall­schutz­maß­nah­men so gut wie gar nicht gedämmt, er geht quasi „durch die Wand“.

Die Reich­weite von Infra­schall aus Windener­gie­an­la­gen

Infra­schall hat in der Luft eine weitaus größere Reich­weite als Hörschall. Die Bundes­an­stalt für Geowis­sen­schaf­ten und Rohstoffe (BGR) hat z.B. die Emission von 1,5 MW und 5 MW-Anlagen noch in mehr als 10 km erfasst. Infra­schall wird nicht nur durch die Luft, sondern auch im Unter­grund über große Entfer­nun­gen trans­por­tiert. In weit entfern­ten Gebäu­den können Infra­schall­wel­len als “Körper­schall” auftre­ten und dabei den luftge­lei­te­ten Infra­schall verstär­ken. Infra­schall­si­gnale im Unter­grund werden zur Erdbe­ben­war­nung und zur Kontrolle von Kernex­plo­sio­nen gemäß Kernwaf­fen-Sperr­ver­trag      gemes­sen. Für seismi­sche Messsta­tio­nen gilt ein Mindest­ab­stand von 10 km zu WEA.

Infra­schall als Gesund­heits­ri­siko

Infra­schall ist norma­ler Bestand­teil unserer Umwelt und wird oft zusam­men mit nieder-frequen­tem Hörschall emittiert. Natür­li­che Quellen sind z.B. die Meeres­bran­dung oder der Wind in einer Gras- oder Waldland­schaft. Diese Emission ist ungefähr­lich, da sie als nieder­fre­quen­tes Rauschen auftritt und keine ausge­präg­ten periodi­schen Teile enthält. Die techni­sche Zivili­sa­tion hat zahlrei­che künst­li­che Infra­schall-Genera­to­ren geschaf­fen, etwa durch Straßen­ver­kehr, Flugzeug­trieb­werke, Indus­trie­ma­schi­nen oder vibrie­rende Haushalts­tech­nik. Von solchen Emissio­nen kann bei länge­rer Einwir­kung durch­aus eine Gesund­heits­ge­fahr ausge­hen.

Der Infra­schall aus Windener­gie­an­la­gen unter­schei­det sich von anderen Quellen dadurch, dass er in Form rhyth­mi­scher Pulse im Frequenz­be­reich von ca. 0,5 bis etwa 6 Hz abgestrahlt wird. Dieser gepulste Infra­schall löst  bei empfind­li­chen Menschen weit unter­halb der Hör- oder Wahrneh­mungs­schwelle Gesund­heits­stö­run­gen aus.  Etwa 10 bis 30 % der Bevöl­ke­rung sind für Infra­schall empfind­lich. Diese Menschen entwi­ckeln ein unspe­zi­fi­sches Symptom­bild, das Ärzte erst allmäh­lich zuzuord­nen lernen.

Die primäre Wirkung, die bereits nach wenigen Tagen einset­zen kann, besteht in Schlaf- und Konzen­tra­ti­ons­stö­run­gen, verrin­ger­ter Atemfre­quenz, Angst- und Schwin­del­an­fäl­len bis hin zu Tinni­tus und Sehstö­run­gen und wird von Änderun­gen der Gehirn­ströme beglei­tet. Bei Einwir­kung über Wochen oder Monate entsteht im Gehirn eine perma­nente Alarm­si­tua­tion, die durch den Anstieg des Stress­hor­mons Corti­sol nachweis­bar ist. Sie führt zu psychi­scher Labili­tät und messba­ren körper­li­chen Reaktio­nen mit unter­schied­li­chem Gewicht (Blutdruck­an­stieg, Infarkt­ri­siko etc.).

Physio­lo­gisch gesehen kommt es u.a. zu Schädi­gung der Haarzel­len des Corti-Organs der Hörschne­cke und Dauer­rei­zun­gen bestimm­ter Hirnareale. Wirkun­gen auf Herz und Gefäße mit krank­haf­ten Verän­de­run­gen des Binde­ge­we­bes in den Arterien am Herzbeu­tel wurden bei langjäh­rig Schall­ex­po­nier­ten und im Tierver­such nachge­wie­sen.

No-Nocebo – Naivi­tät nützt nicht

Seitens der Windener­gie­in­dus­trie und ihr naheste­hen­der Wissen­schaft­ler wird regel­mä­ßig behaup­tet, dass die indivi­du­elle Betrof­fen­heit von der Einstel­lung gegen­über den Anlagen abhinge. Es handele sich um „einge­bil­dete Krank­hei­ten“, denen keine triftige medizi­ni­sche Ursache zugrunde läge (NOCEBO-Effekt). Diese Behaup­tung ist inter­es­sen­ge­lei­tet und falsch, denn die Symptome treffen alle empfind­sa­men Perso­nen gleicher­ma­ßen (auch Windkraft­en­thu­si­as­ten sind nicht davor gefeit). In den vergan­ge­nen Jahren wurden inter­na­tio­nal hierzu zahlrei­che Studien durch­ge­führt. So hat z. B. der Akusti­ker Steven Cooper zusam­men mit einem Windpark­be­trei­ber in Austra­lien die Auswir­kun­gen von Infra­schall auf die Bevöl­ke­rung unter­sucht. Die Anwoh­ner klagten über Beschwer­den, hatten den Windpark aber nicht vor Augen. Cooper ließ sie ihre Symptome mit genauem Zeitpunkt  notie­ren und überprüfte die Korre­la­tion mit der Aktivi­tät der Windener­gie­an­la­gen: die Symptome waren am stärks­ten, wenn die Anlagen beson­ders aktiv waren, aber auch bei Lastän­de­run­gen.

Dass sich die verschie­de­nen Phäno­mene (die charak­te­ris­ti­schen Frequen­zen im tiefen Frequenz­be­reich, Inter­fe­ren­zen, Pegel­schwan­kun­gen, Ampli­tu­den­mo­du­la­tion, Überreich­wei­ten und Wirbel­schlep­pen) auf den Menschen auswir­ken, insbe­son­dere wenn er nachts zur Ruhe kommen möchte, belegen die zahlrei­chen Beschwer­den. Wissen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen sind dazu dringend notwen­dig.

Wie wirkt Infra­schall auf das Gehirn?

Der Weg des Hörschalls in unser Gehirn ist gut bekannt. Im Innen­ohr erreicht er die Hörschne­cke (Cochlea), wo er eine Reizung der Inneren Haarzel­len auslöst. Diese Infor­ma­tion wird über den Hörnerv in den auditiven Cortex der Hirnrinde gelei­tet und damit zum Inhalt unseres Bewusst­seins. Infra­schall bewirkt dagegen Schwin­gun­gen größe­rer Berei­che des Gehirns, des Innen­ohrs (Äußere Haarzel­len, Cochlea) und des Gleich­ge­wichts­or­gans, erregt aber nicht die für eine bewusste Wahrneh­mung relevan­ten Zentren. Deshalb gibt es für diesen Frequenz­be­reich weder eine am Hören orien­tierte Wahrneh­mungs­schwelle noch eine Gewöh­nung (Desen­si­bi­li­sie­rung).

Im April 2017 haben Wissen­schaft­ler aus der Charité Berlin, dem Klini­kum Hamburg- Eppen­dorf und der Physi­ka­lisch-Techni­schen Bundes­an­stalt neue Erkennt­nisse zur Wahrneh­mung von Infra­schall im Gehirn publi­ziert (Quelle).  Ein bildge­ben­des Verfah­ren, die funktio­nelle Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie, machte im Gehirn von 14 Testper­so­nen drei Berei­che sicht­bar, die durch Einwir­kung von Infra­schall (12 Hz, 200 sec) aktiviert wurden:

Nachweis von Infra­schall-aktivier­ten Gehirn­be­rei­chen. Darstel­lung nach Weichen­ber­ger et al. (2017)

Wie im obigen Bild darge­stellt, liegen diese Berei­che – gelb/orange gekenn­zeich­net – A) im rechten oberen Schlä­fen­lap­pen, neben dem Hörzen­trum, B) im anterio­ren Cingu­lum (ACC), und C) in der Amygdala.  Diese Berei­che wurden durch von den Versuchs­per­so­nen nicht hörbare Infra­schall-Signale aktiviert. Der im Bild obere Bereich liegt zudem in der Nähe des Hörzen­trums, was Ähnlich­kei­ten zur Verar­bei­tung von Hörschall vermu­ten lässt. Die beiden anderen sind für die Kontrolle autono­mer Funktio­nen und emotio­na­ler Reaktio­nen relevant: In der ACC Region sind Mecha­nis­men der Konflikt­be­wäl­ti­gung und der autono­men Kontrolle, etwa von Blutdruck und Herzfre­quenz, angesie­delt; in der Amygdala-Region findet eine Verar­bei­tung von Emotio­nen, Angst und Flucht­re­flex statt.  Die Aktivie­rung der drei Berei­che verschwin­det, wenn das Schall­si­gnal die Hörschwelle über-schrei­tet, also dem Proban­den bewusst wird. Offen­bar wirkt Infra­schall jenseits der Hörschwelle und durch einen vom Bewusst­sein unabhän­gi­gen Mecha­nis­mus. Die Funktio­nen der durch Infra­schall aktivier­ten Gehirn­re­gio­nen stehen im Einklang mit der medizi­nisch nachweis­ba­ren Stress­si­tua­tion von Infra­schall-Geschä­dig­ten und erklä­ren u.a. die bekann­ten Befunde. Damit wurden Erkennt­nisse aus der Behand­lung von Infra­schall-Patien­ten und Experi­men­ten mit Versuchs­tie­ren bestä­tigt.

Schutz­vor­schrif­ten gehen ins Leere, Behör­den versa­gen

Alle bislang gülti­gen Schutz­nor­men wie die Techni­sche Anlei­tung (TA) Lärm und die DIN 45680 gehen davon aus, dass nur solcher Schall schaden kann, der vom Gehör­sinn wahrge­nom­men wird. Andere Formen der Wahrneh­mung von Schall bleiben außen vor. Auch die Messvor­schrif­ten sind nicht hilfreich, da nur Schall oberhalb von 8 Hz gemes­sen wird, obwohl moderne Messge­räte auch Frequen­zen von < 1 Hz erfas­sen können und der Infra­schall­be­reich im Bereich 1 – 8 Hz beson­ders starke gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gun­gen bewirkt. Die Anwen­dung dieser Vorschrif­ten schützt also ähnlich gut vor den Risiken des Infra­schalls wie das Auftra­gen von Sonnen­creme vor Röntgen­strah­lung.

Kein wirksa­mer Schutz vor Röntgen­strah­len.

Das Einzige, was schützt, ist Abstand.

Das Abklin­gen gesund­heit­li­cher Schäden mit steigen­der Entfer­nung von WEA ist gut dokumen­tiert. Die in Bayern gültige 10H-Regelung stellt – da, wo sie tatsäch­lich einge­hal­ten wird – im Sinne der Gesund­heits­prä­ven­tion eine erste Annähe­rung an das Notwen­dige dar.

Von den meisten Landes­re­gie­run­gen und der Windkraft­in­dus­trie werden die Gesund­heits­ri­si­ken des Infra­schalls verharm­lost. So wird z.B. die TA Lärm weiter­hin angewandt, obwohl ihre Unzuläng­lich­keit bekannt ist und eine Vielzahl von Änderungs­an­trä­gen vorliegt. Ein Beispiel für behörd­li­ches Versa­gen ist die Publi­ka­tion des Landes­am­tes für Umwelt, Messun­gen und Natur­schutz Baden-Württem­berg (LUBW) vom Februar 2016. Diese kommt – wie ähnli­che “Fakten­pa­piere” – zu dem Schluss, dass in 300 m Abstand der Infra­schall aus einer WEA deutlich unter der Wahrneh­mungs­schwelle liegt und deshalb keine gesund­heit­li­chen Wirkun­gen zu erwar­ten sind. Ausschlag­ge­bend ist aber nicht eine Hör- oder Wahrneh­mungs­schwelle, sondern eine viel niedri­gere Wirkschwelle in Verbin­dung mit einer langen Einwirk­zeit, wenn der Körper seinen erhol­sa­men Schlaf erwar­tet.

Die LUBW-Studie benutzt sachlich unzurei­chende Messun­gen zur Beruhi­gung der Bürger.  So wird z.B.

  • der gepulste Infra­schall der WEA nicht klar vom Infra­schall der Umgebung getrennt,
  • in den meisten Messun­gen der kriti­sche Bereich unter 8 Hz ganz ausge­fil­tert,
  • keine Messung in Gebäu­den durch­ge­führt (dort ist Infra­schall oft sogar stärker wirksam als im Freien) und
  • die Ausbrei­tung des Infra­schalls über den Unter­grund nicht sachge­recht gemes­sen.

Trotz dieser eklatan­ten Fehlleis­tun­gen dient die LUBW-Studie Gerich­ten, Politi­kern und Windin­dus­trie bundes­weit als offizi­elle „Fakten­ba­sis“. Mit Ausnahme von Bayern behar­ren bisher Behör­den und Politi­ker auf völlig unzurei­chen­den Mindest­ab­stän­den (700‑1000 m, mitun­ter noch weniger). Zur Recht­fer­ti­gung wird angeführt, dass mit dem medizi­nisch begrün­de­ten Mindest­ab­stand der zehnfa­chen Anlagen­höhe die ehrgei­zi­gen Ausbau­ziele nicht erreich­bar seien (!).

Angesichts der seit Jahren bekann­ten, jüngst bestä­tig­ten Gesund­heits­ge­fahr ist das zynisch. Alle Fachleute befin­den, dass es weite­rer Forschung zur Wirkung von Infra­schall bedarf. Das Umwelt­bun­des­amt stellte dies bereits 2014 und erneut im März 2017 fest. Auch die Bundes­ärz­te­kam­mer wies 2015 auf das Forschungs­de­fi­zit hin.  Im selben Jahr gelangte die Physi­ka­lisch-Techni­sche Bundes­an­stalt zur Erkennt­nis, dass das Wissen über das mensch­li­che Hörspek­trum und damit über die medizi­ni­schen Wirkun­gen von WEA revidiert werden muss: „Im Grunde stehen wir erst am Anfang. Weitere Forschung ist dringend notwen­dig“, ließ sich der Leiter des Projek­tes zitie­ren.

Von Okt. 2017 bis Feb. 2018 wurde nun eine Labor­stu­die durch­ge­führt (veröf­fent­licht im Juni 2020), bei der Versuchs­per­so­nen 30 Minuten lang verschie­de­nen Geräusch­sze­na­rien im Frequenz­be­reich von 3 bis 18 Hz und Schall­druck­pe­geln von 85 bis 105 dB ausge­setzt wurden.

Laut Studie stehen die „Ergeb­nisse der physio­lo­gi­schen Labor­un­ter­su­chun­gen nicht im Einklang mit den von Betrof­fe­nen geäußer­ten Beein­träch­ti­gun­gen durch Infra­schall.“ Aller­dings zeigen die Daten der Versuchs­per­so­nen eindeu­tig, dass die Geräusch­sze­na­rien von den Proban­din­nen und Proban­den wahrge­nom­men werden, auch wenn der Schall nicht gehört werden kann. Versuchs­be­dingt waren die Pegel relativ hoch, dafür aber die Einwirk­zeit von 30 Minuten sehr gering. Es zeigte sich auch, dass bereits bei dieser kurzen Einwirk­dauer die Szena­rien Unwohl­sein und Druck im Kopfbe­reich auslös­ten. Weiter heißt es in der Studie: „Aufgrund der Ergeb­nisse der Labor­un­ter­su­chung kann folglich nicht ausge­schlos­sen werden, dass es bei einer langfris­ti­gen oder andau­ern­den Exposi­tion nicht doch zu physio­lo­gi­schen Verän­de­run­gen kommen kann.“

Allein dies ist ein Grund, die Ausbau­pra­xis und ‑planung zu überden­ken. Das Vorsor­ge­prin­zip gebie­tet es, größere Abstände, mindes­tens nach der 10H-Regel, zu jegli­cher Wohnbe­bau­ung vorzu­schrei­ben.

Die Nöte der Betrof­fe­nen müssen mehr Gehör finden.

Deshalb unter­stüt­zen wir das Anlie­gen der deutschen Schutz­ge­mein­schaft Schall (DSGS e.V.) und verwei­sen auf deren Inter­view-Serie.

Im Novem­ber 2018 sendete das ZDF eine sehens­werte Repor­tage zum “Unerhör­tem Lärm”.

Fazit

Menschen erfah­ren durch Windkraft­an­la­gen massive Einbu­ßen an Lebens­qua­li­tät bis hin zu Gesund­heits­schä­den. Die gängige Praxis, auf Ausbau­zie­len zu behar­ren, ohne die Gesund­heits­wir­kun­gen zu verste­hen, entspricht einem großan­ge­leg­ten Feldver­such und ist damit verant­wor­tungs­los.


Bearbei­tungs­stand: Septem­ber 2020 

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