Mythos 7

Erneu­er­bare Energien sind zukunfts­wei­send, ihre Förde­rung nutzt der deutschen Volks­wirt­schaft. Die heutigen Subven­tionen sind die Grund­lage zukünf­tiger Wettbe­werbs­vor­teile.

 

Fakt > Die für unseren Wohlstand relevanten Unter­nehmen und Wirtschafts­zweige kommen sämtlich ohne Förde­rung aus. Der These von zukünf­tigen Wettbe­werbs­vor­teilen durch Subven­tio­nie­rung liegt die Unter­stel­lung zugrunde, dass andere Länder unserem vermeint­lich guten Beispiel folgen. Dabei ist die Grund­idee, dass am deutschen Wesen die Welt genesen möge, mehr als überholt.

Warum?


(1) Die Ausschal­tung des Wettbe­werbs durch Subven­tionen

Langfristig tragfä­hige Wettbe­werbs­vor­teile kann man sich nur im Wettbe­werb erarbeiten. Dieser wird im Bereich der Erneu­er­baren Energien aber nahezu vollständig ausge­schaltet. Mit Markt­wirt­schaft hat die gegen­wär­tige Förde­rung nichts gemein, sie ist der direkte Weg in die Planwirt­schaft.

Auf Basis heute verfüg­barer Techniken werden Preise und Mengen­ziele in einem im politi­schen Prozess unter maßgeb­li­chem Einfluss der Produ­zenten dieser techni­schen Lösungen festge­legt.

  • Auswir­kungen der Planwirt­schaft: Beispiel Automo­bil­in­dus­trie

Übertragen auf die Automo­bil­in­dus­trie wäre dies so, als hätte man im Jahr 1945 die Losung ausge­geben, dass bis zum Jahr 2000 jeder Deutsche einen PKW haben müsse. Den damals technisch zur Avant­garde gehörenden Volks­wagen Käfer hätte man zum Standard erklärt und im Rahmen eines zweijähr­li­chen Konsul­ta­ti­ons­pro­zesses unter Betei­li­gung des Verbandes der Automo­bil­in­dus­trie die Höhe der zur Zieler­rei­chung notwen­digen Kaufprä­mien festge­setzt.

Im Ergebnis führen wir vielleicht immer noch Fahrzeuge auf dem techni­schem Standard des VW Käfer. Mit Sicher­heit hätten die Unter­nehmen die eine oder andere Innova­tion verpasst und mit ihren Fahrzeugen niemals Weltruhm erlangt. Ein Wirtschafts­wunder und die spätere Rolle als Export­na­tion wäre uns wahrschein­lich erspart geblieben.

Glück­li­cher­weise ist man damals nicht so verfahren, sondern hat sich für die Wirtschafts­form der sozialen Markt­wirt­schaft entschieden, die den Ideen- und Impuls­geber “Wettbe­werb” erfolg­reich nutzt. Zum Vorteil der Unter­nehmen, die sich in diesem Wettbe­werb behaup­teten und der Konsu­menten, die aus einer Vielzahl guter, günstiger, innova­tiver und auch unter Umwelt­as­pekten immer besser werdender Produkte auswählen können.

Planwirt­schaft hingegen vermag keine innova­tiven und dauer­haft tragfä­higen techno­lo­gi­schen Lösungen hervor­zu­bringen. Eines der besten Erzeug­nisse deutscher Planwirt­schaft ist der PKW „Trabant“. Sein Erfolg auf den Weltmärkten blieb bescheiden.

Denn der inter­na­tio­nale Handel folgt nicht den Wünschen zentraler Planungs­stellen. Er folgt der Logik des kompa­ra­tiven Vorteils. Im Ergebnis spezia­li­sieren sich Länder auf die Produk­tion derje­nigen Güter, für die sie relativ zu anderen am besten gerüstet sind.

Dieses Prinzip lässt sich mit Subven­tionen nicht langfristig außer Kraft setzen – und der zum Schei­tern verur­teilte Versuch ist teuer.

  • Forschung und Entwick­lung als Wettbe­werbs­vor­teil

Welche Produkte zukünftig nachge­fragt und welche Wirtschafts­zweige zukünftig florieren werden, kann nicht per Förder­ge­setz entschieden werden – schon gar nicht, wenn das Gesetz von dessen Profi­teuren stark beein­flusst wird.

Den Handels­sta­tis­tiken und dem gesunden Menschen­ver­stand zufolge, hat Deutsch­land einen kompa­ra­tiven Vorteil bei der kapital- und wissens­in­ten­siven Produk­tion.

Einen Dynamo an einen Mast zu schrauben, fällt nur bedingt darunter. Irgend­wann wird man dies andern­orts ebensogut und billiger können.

Die Misere der deutschen Photo­vol­taik-Indus­trie, die rapide inter­na­tio­nale Markt­an­teile verliert und mehrere Insol­venzen zu verkraften hat, ist mittler­weile offen­kundig. Die hiesige Subven­ti­ons­praxis ist der Haupt­grund für den Verlust an Wettbe­werbs­fä­hig­keit dieser Branche. Die sich hier abzeich­nende Sonnen­fins­ternis ist Vorbote dessen, was irgend­wann auch in den anderen nur durch Subven­tion künst­lich hochge­päp­pelten Sparten der Erneu­er­baren Energien zu erwarten ist.

Langfristig müssen sich Unter­nehmen im inter­na­tio­nalen Wettbe­werb behaupten. Dazu müssen deutsche Unter­nehmen, deren Vorteil nunmal in der Innova­ti­ons­fä­hig­keit und nicht bei den Arbeits­kosten liegt, an der Spitze der techno­lo­gi­schen Entwick­lung sein. Gerade dazu nehmen ihnen die Subven­tionen den Anreiz. Die deutschen Photo­vol­ta­ik­un­ter­nehmen inves­tierten nur 2–3 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwick­lung, in der wettbe­werbs­in­ten­siven Automo­bil­in­dus­trie betragen diese Ausgaben durch­schnitt­lich 6 % und in der pharma­zeu­ti­schen Indus­trie rund 9 % vom Umsatz. Die Subven­tionen machen träge. Doch schlimmer noch – sie locken die Unter­nehmen auf die falsche Fährte:

  • Auswir­kungen der Subven­ti­ons­po­litik auf die Entwick­lung erfolgs­ver­spre­chender Techno­lo­gien

Der Markt für Solar­thermie (die Warmwas­ser­ge­win­nung aus Sonnen­strahlen), für die in Deutsch­land ein viel größeres ökono­mi­sches und physi­ka­li­sches Poten­tial besteht, ist durch die massive Subven­tio­nie­rung der Photo­vol­taik am Wachstum gehin­dert worden.

Die Subven­tionen des EEG haben den Wettbe­werb um die knappe Ressource „Dachfläche“ zugunsten der in ökolo­gi­scher und ökono­mi­scher Hinsicht schlech­teren techno­lo­gi­schen Lösung verzerrt. Der Platz an der Sonne gehört nicht der unter den hiesigen Bedin­gungen besten, sondern der politisch am besten vertre­tenen Techno­logie.

Oftmals wird vorge­bracht, dass Erneu­er­bare Energien eine Anschub­fi­nan­zie­rung benötigen, um effizient(er) zu werden, damit sie später am Markt bestehen können. Solche Lernkur­ven­ef­fekte sind aber auch in vielen anderen Indus­trien zu beobachten und für sich genommen kein Subven­ti­ons­grund.

Eventu­elle Lernkur­ven­ef­fekte können jeden­falls nicht recht­fer­tigen, unser ganzes Land gewis­ser­maßen als Versuchs­labor zu benutzen und mit großen Mengen von zunächst ineffi­zi­enten Techno­lo­gien zu überziehen.

Der Effekt wäre, dass man in anderen Ländern von den hier auf Kosten des Steurzahlers/Konsumenten gemachten Erfah­rungen profi­tiert und sich teure Irrwege – und die Verschan­de­lung des eigenen Landes – erspart.

Zwischen­fazit: Um auch mit erneu­er­baren Energien künftigen Wohlstand zu sichern, braucht man ein System, das die Kräfte des Wettbe­werbs nutzt und dazu beiträgt, die besten und kosten­güns­tigen Techno­lo­gien zu finden und an der richtigen Stelle einzu­setzen. Das heutige Förder­system läuft dem vollständig zuwider.

Forschungs- und Produk­ti­ons­ent­schei­dungen der Indus­trie werden zugunsten unter­le­gener Techno­lo­gien verzerrt. Nicht der Wettbe­werb um die beste Idee, sondern das von Lobbies und Bürokraten ausge­kun­gelte Gesetz bestimmt, welche techno­lo­gi­sche Lösung zum Einsatz kommt und welcher vielleicht geniale Plan in der Schub­lade verbleibt

Die Förde­rung von spezi­fi­schen Techno­lo­gien birgt stets die Gefahr, dass die Forschungs- und Produk­ti­ons­ent­schei­dungen der Indus­trie zugunsten unter­le­gener Techno­lo­gien verzerrt werden. Nicht die Konkur­renz der Erfinder und Unter­nehmer, sondern die Entschei­dung des Gesetz­ge­bers bestimmt, welches Verfahren zur regene­ra­tiven Energie­ge­win­nung Vorrang haben soll. Das ist riskant, denn der gegen­wärtig rasche Fortschritt der Technik in vielen Berei­chen der Gewin­nung erneu­er­barer Energien lässt es als ratsam erscheinen, nicht voreilig auf einige bestimmte Techno­lo­gien zu Lasten Anderer zu setzen.

wissen­schaft­li­cher Beirat am Bundes­wirt­schafts­mi­nis­te­rium (2011)

  • Das Negativ­bei­spiel Kernkraft: Überschät­zung des Poten­tials

Gerade die Erfah­rung mit der Kernenergie verdeut­licht die Gefahren des Versuchs einer staat­li­chen Steue­rung der techno­lo­gi­schen Entwick­lung. Im Wettbe­werb hätte sich diese Techno­logie mangels Versi­cher­bar­keit ihrer Risiken vermut­lich nie durch­ge­setzt.

In einer der heutigen Begeis­te­rung für Windkraft und Photo­vol­taik & Co. vergleich­baren Euphorie glaubten die Politiker der fünfziger und sechziger Jahre einhellig, dass die Zukunft der Kernkraft gehöre. Man müsse sie nur anfangs genug fördern. Atommi­nister Strauß träumte von Atomautos und Atomflug­zeugen und plante, dass zukünftig 80 Prozent des Stroms aus Kernenergie kommen sollten. In den 1980er Jahren erreichte der Anteil der Atomkraft an der Strom­ver­sor­gung mit 32 Prozent ihren Spitzen­wert.

Zentrale staat­liche Planungs­stellen können nicht vorher­sehen, welche Ideen risiko­freu­dige Unter­nehmer und findige Wissen­schaftler in der Zukunft haben werden. Genau wie die Atompo­litik der 1950er Jahre stellt die gegen­wär­tige Erneu­er­baren-Politik eine “Anmaßung von Wissen” (F. A. v. Hayek) dar.

Ende des 19. Jahrhun­derts glaubte man, die europäi­schen Metro­polen würden angesichts des zuneh­menden Kutschen­auf­kom­mens bald im Pferde­mist versinken – mit Entde­ckung der Elektri­zität und Einfüh­rung der Straßen­bahn kam es dann anders.

Der rasche Fortschritt der Technik in unserer modernen Zeit macht diese Anmaßung von Wissen beson­ders gefähr­lich. Es besteht die Gefahr, dass unsere Volks­wirt­schaft ins Abseits gerät und den techno­lo­gi­schen Anschluss verpasst.

  • Das Negativ­bei­spiel Photo­vol­taik: Die heutige Dominanz Chinas

Auch hierfür gibt es bereits erste Anzei­chen im Bereich der Solar­in­dus­trie. Die chine­si­schen Wettbe­werber haben den deutschen Herstellen nicht nur bei den Kosten klar den Rang abgelaufen, sondern auch techno­lo­gisch mittler­weile die Nase vorn: den neuesten Wirkungs­grad­re­kord hält die Firma Suntech. Anstatt sich um techno­lo­gi­schen Anschluss zu bemühen, konzen­trieren die deutschen Unter­nehmen ihre Anstren­gungen auf die Beein­flus­sung von Politik und Öffent­lich­keit zwecks Vertei­di­gung ihrer Vergü­tungs­sätze. Der Sonnen­un­ter­gang beim deutschen Vorzei­ge­un­ter­nehmen Solar­world ist Ergebnis der Subven­ti­ons­po­litik.

  • Das Positiv­bei­spiel Computer: Innova­tion durch Forschung und Entwick­lung 

Wie Fortschritt verläuft, lässt sich hervor­ra­gend am Beispiel der Entwick­lung des Compu­ters seit den 1950er-Jahren veran­schau­li­chen. Wir haben Computer nicht entwi­ckelt, indem wir damals Vakuum­röhren staat­lich geför­dert und in Massen produ­ziert haben. Wir haben keine Subven­ti­ons­pro­gramme angeschoben, damit bis 1960 alle Bewohner der westli­chen Welt riesige Computer in ihren Kellern stehen haben. Wir haben auch keine Steuern auf Alter­na­tiven wie zum Beispiel Schreib­ma­schinen einge­führt. Die Entwick­lung kam einzig und allein durch enorme Inves­ti­tionen in Forschung und Entwick­lung, angetrieben durch den Wettlauf im Weltall, welcher zu Transis­toren, integrierten Schalt­kreisen, Festplatten und anderen großen Innova­tionen führte. Diese ermög­lichten es Unter­nehmen wie IBM und Apple, Computer herzu­stellen, die der Verbrau­cher tatsäch­lich kaufen wollte.”

Auszug dem Artikel“Der klügere Weg zur Energie­ge­win­nung”, von Björn Lomborg, erschienen am 21.12.2014.  

Fazit

Die heutigen Subven­tionen sind in keiner Weise geeignet, künftigen Wohlstand zu sichern. Im Gegen­teil – sie hemmen die Innova­ti­ons­kraft und leiten die techno­lo­gi­sche Entwick­lung auf falsche Fährten. Im Februar 2014 wurde diese Einschät­zung von der vom Bundestag einge­setzen Exper­ten­kom­mis­sion für Forschung und Innova­tion (EFI) bestä­tigt. Die Empfeh­lung dieses unabhän­gigen Exper­ten­gre­miums wurde leider in den Wind geschlagen. In anderen Teilen der Welt ist man weniger reali­täts­blind. Es ist höchste Zeit, auch hierzu­lande die Beratungs- und Fakten­re­sis­tenz zu überwinden. 

Die Kraft der Vernunft legt nahe,

  • Förde­rungen techno­lo­gie­neu­tral anzulegen,
  • die Förder­wir­kungen regel­mäßig zu überprüfen,
  • bei dieser Überprü­fung die Böcke nicht zu Gärtnern zu machen.

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