EEG 2016

Die grund­sätz­liche Proble­matik des Erneu­er­bare Energien Gesetzes zeigt dieser im Juni 2013 produ­zierte Erklär­film auf:

Seit dem hat sich an den grund­sätz­li­chen  Zusam­men­hängen nichts geändert – es ist alles nur noch schlimmer geworden: 

  • Die effizi­en­teste Kraft­werk der Welt wurde mittler­weile außer Betrieb genommen
  • Nach wie vor sind wir auf Import­strom aus Kohle oder Kernenergie zwingend angewiesen. 
  • Die ökolo­gi­schen Kolla­te­ral­schäden sind nicht mehr zu übersehen. Neu ist die Erkenntnis, dass der durch das EEG forcierte Windkraft­ausbau ganze Arten zu vernichten droht.

Zur grund­sätz­li­chen Fragwür­dig­keit der politisch getrof­fenen Auswahl vermeint­li­cher Zukunfts­tech­no­lo­gien siehe diese Vorträge von Professor Sinn und Dr. Ahlborn.

Zu den akut zu behebenden Mängeln des aktuellen EEG-Entwurfs siehe unsere Stellung­nahme inklu­sive der dort verlinkten wissen­schaft­li­chen Quellen:

Stellungnahme

Mit einem Klick öffnet sich das PDF.

Die Essenz daraus:

Gewinnen werden im globalen Wettbe­werb dieje­nigen Techno­lo­gien, die sich – weltweit! – als wirtschaft­lich erweisen, nicht dieje­nigen, die den Minis­te­rialen in deutschen Amtsstuben oder den Delegierten auf deutschen Partei­tagen am besten gefallen“ 

Professor Marc Oliver Bettzüge, 2015

Wir brauchen keinen Welpen­schutz mehr für die Erneu­er­baren. Wir müssen jetzt konse­quent sein und die markt­wirt­schaft­liche Ausrich­tung fortführen, da langfristig eine staat­liche Lenkung bei den erneu­er­baren Energien nur negative Auswir­kungen hat.

Sigmar Gabriel, Januar 2016

Dem Energie­ex­perten und dem Wirtschafts­mi­nister stimmen wir vollum­fäng­lich zu.

Der „Welpen­schutz“ und die Fixie­rung auf die politisch stark prote­gierte Windkraft haben erheb­liche ökono­mi­sche und techni­sche, vor allem aber auch ökolo­gi­sche und soziale Probleme geschaffen. Probleme, mit denen sich Menschen in bundes­weit über 600 Bürger­initia­tiven konfron­tiert sehen. Der Referen­ten­ent­wurf (RefEntw.) wird jene Probleme zwingend verschärfen und dem zitierten Anspruch des Minis­ters nicht gerecht. Der Entwurf entspricht einer Attrappe von Wettbe­werb und einer Karikatur von „markt­wirt­schaft­li­cher Ausrich­tung“.

Um tatsäch­lich einen Schritt Richtung Markt­wirt­schaft zu errei­chen, wie es u.a. der Koali­ti­ons­ver­trag vorsieht, empfehlen wir folgende Änderungen:

  • Vor Ziffer 6 RefEntw. ist eine neue Ziffer (die dann Ziffer 6 wird) mit folgendem Text einzu­fügen: 

In Abschnitt 2 „Kapazi­täts­er­wei­te­rung und Einspei­se­ma­nage­ment“ wird § 15 „Härte­fall­re­ge­lung“ gestri­chen. Alle Bezüge zur gestri­chenen Vorschrift werden ebenfalls gestri­chen.

Begrün­dung: Die „Härte­fall­re­ge­lung“ bedingt die Vergü­tung von nicht-produ­ziertem Strom, beför­dert so die Vollkasko-Menta­lität bei Projek­tieren und bringt damit echte Härten für Mensch und Natur.

  • Sämtliche im Entwurf mit xxx gekenn­zeich­neten Platz­halter sind mit negativen  Zahlen zu füllen.

Begrün­dung: Ausbaupfade dürfen sich nicht nach den Wünschen von Anlagen­her­stel­lern und Profi­teuren des Windkraft­aus­baus, sondern müssen sich nach dem volks­wirt­schaft­li­chen Bedarf richten. Die Möglich­keit eines Null-Zubaus oder Rückbaus darf jeden­falls nicht ausge­schlossen sein.

  • Alle Erwäh­nungen des „Korrek­tur­fak­tors“ sind zu strei­chen. Alter­nativ kann der „Korrek­tur­faktor“ auf 1 normiert werden.

Begrün­dung: Der in schwer durch­schau­bares Formel­werk gepresste Grund­satz „je schlechter der Standort, desto höher die Subven­tion“ stellt den Wettbe­werb auf den Kopf. Die dieser absurden Idee zugrun­de­lie­gende Begrün­dung („Glättung der Netzein­spei­sung“) ist als unhaltbar bewiesen, siehe hier.

  • Die auf „20 Jahre“ lautenden Textstellen sind durch „5 Jahre“ zu ersetzen. 

Begrün­dung:  Die auf zwanzig Jahre garan­tierten Einspei­se­ver­gü­tungen des bishe­rigen EEG sind in keinem anderen Land und in keiner anderen Branche bekannt. Sie hemmen die techno­lo­gi­sche Entwick­lung und sind deswegen zentraler Kritik­punkt der Experten-kommiss­sion Forschung und Innova­tion des Bundes­tages. Hier werden unver­ant­wort­liche Pfadab­hän­gig­keiten und Zahlungs­ver­pflich­tungen geschaffen. Die von Minister Gabriel erwähnten „langfris­tigen negativen Auswir­kungen staat­li­cher Planung“ würden zemen­tiert, die Idee von Markt­wirt­schaft karikiert. In der Sowjet­union begnügte man sich mit 5-Jahres-Plänen. Soviel Planwirt­schaft sollte ausrei­chen – zumal die Branche sich selbst als innovativ und stetig sinkende Windstrom­kosten und explo­die­rende Kosten bzw. baldige Erschöp­fung von Kohle, Gas und Erdöl als quasi-natur­ge­setz­lich darstellt. Wenn die Erzeu­gungs­kosten des Windstroms tatsäch­lich immer weiter sinken und Windstrom tatsäch­lich konkur­renzlos günstig wird, ist nicht einzu­sehen, warum heute definierte Preise so lange garan­tiert werden sollen.


Neben diesen offen­sicht­li­chen, politisch offen­sicht­lich beson­ders schwer zu behebenden, Fehlan­reizen enthält der EEG-Entwurf auch im Klein­ge­druckten Vorschläge, welche die dem Koali­ti­ons­ver­trag zwischen CDU/CSU und SPD zuwider laufen. Mitte Juni 2016 machte VERNUNFTKRAFT. alle Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion darauf aufmerksam:

 

Stand­ort­qua­lität

Bezüg­lich der Stand­ort­qua­lität ist in der neuen EEG-Novelle 2016 (fortge­schrie­benes Eckpunk­te­pa­pier zur EEG-Novelle vom 15.02.2016, S. 6) für den 100 % Referenz­standort ein Höchst­wert des Gebots von 7,0 ct pro kWh festge­legt. Gleich­zeitig kann die Bundes­netz­agentur diesen Wert um bis zu 10 % höher ansetzen. Damit ergäbe sich für einen Standort mit einer Qualität von 70 % des Referenz­stand­ortes und einem Korrek­tur­faktor von 1,29 ein maximaler Höchst­wert des Gebotes von

1,29 x 7,7 ct =  9,93 ct     .

Dies ist deutlich höher als die Förde­rung durch die Anfangs­ver­gü­tung aus § 49 des EEG 2014 von 8,9 ct.

Gleich­zeitig wird verfügt, dass der Vergü­tungs­satz jährlich ab 2017 um 1 % sinkt, so dass erst ab 2027 mit einer maximalen Förde­rung zu rechnen ist, die derje­nigen nach dem heute gültigen EEG 2014 entspricht.

Referenz­standort

Im EEG 2014 wurde am Referenz­standort in 30 m Höhe eine Windge­schwin­dig­keit von 5,5 m/s zugrunde gelegt. In der neuen EEG-Novelle 2016 wird der Referenz­standort neu definiert, so dass in Zukunft in 100 m Höhe eine Windge­schwin­dig­keit von 6,45 m/s voraus­ge­setzt wird (Fortge­schrie­benes Eckpunk­te­pa­pier zur EEG-Novelle vom 15.02.2016, S. 5).

Nimmt man nun ein logarith­mi­sches Windprofil mit einer Rauhig­keits­länge von 0,1 m an, so lässt sich von der neu gefor­derten Windge­schwin­dig­keit in 100 m Höhe die Anfor­de­rung an die in 30 m vorherr­schende Windge­schwin­dig­keit mit 5,33 m/s berechnen. Dies ist ca. 3 % weniger, als für den Referenz­standort im EEG 2014 gefor­dert.

Anders­herum ausge­drückt, nimmt man den Windge­schwin­dig­keits­wert in 30 m Höhe und  berechnet daraus – unter Annahme eines logarith­mi­schen Windpro­fils mit Rauhig­keits­länge 0,1 m – die Windge­schwin­dig­keit in 100 m Höhe, so ergibt sich daraus eine mittlere Windge­schwin­dig­keit von 6,66 m/s. Beide Rechnungen laufen auf dasselbe hinaus:

Durch die Neude­fi­ni­tion des Referenz­ertrages wird vermehrt der Bau von Windin­dus­trie­an­lagen geför­dert, die in weniger windhöf­figen Gebieten errichtet werden können, weil die Anfor­de­rung an die nötige Windge­schwin­dig­keit sinkt.

Noch drasti­scher wirkt sich dieser Effekt aus, wenn man berück­sich­tigt, dass gleich­zeitig aber in der EEG-Novelle 2016 für höhere Anlagen die Windgeschwindig­keit durch das Potenz­ge­setz nach Hellmann

v2 = v1  ⋅ ( h2 / h1 ) α

mit einem Höhen­w­ind­ex­po­nenten α von 0,25 definiert wird.

Nimmt man die Werte des im EEG 2014 definierten Referenz­stand­ortes (h1 = 30 m, v1 = 5,5 m/s ) und die neue Höhe h2 = 100 m, so berechnet sich die Windge­schwin­dig­keit zu

v2 = 7,4 m/s  .

Eine nun wie in der EEG-Novelle gefor­derte Windge­schwin­dig­keit von ledig­lich 6,45 m/s für den neuen Referenz­standort unter­schreitet den laut EEG 2014 gefor­derten Geschwindig­keitswert für den damaligen Referenz­standort bereits um 13 %.

Betrachtet man Ausar­bei­tungen der Deutsche WindGuard GmbH, die für eine Standort­qualität von 70 % des Referenz­stand­ortes Strom­ge­ste­hungs­kosten von 9,85 ct /kWh zu Grunde legt, so ist die in der EEG-Novelle 2016 getrof­fene Aussage

Der Referenz­standort wird neu definiert, um den Bau effizi­enter Anlagen stärker als bislang anzureizen“

(Fortge­schrie­benes Eckpunk­te­pa­pier zur EEG-Novelle vom 15.02.2016, S. 5)

nicht nachvoll­ziehbar.

Zusam­men­fas­sung

Hier erfolgt einer­seits eine den Inter­essen der Windin­dus­trie dienliche Neude­fi­ni­tion des Referenz­stand­ortes, anderer­seits eine höhere Förde­rung der Stand­orte mit schlechter Stand­ort­qua­lität.

Unter den Bedin­gungen des EEG 2016 können neu gebaute Anlagen ineffi­zi­enter sein als heute und trotzdem eine höhere Förde­rung als durch das EEG 2014 erhalten. 

Eine Überar­bei­tung dieser beider Punkte ist dringend anzuraten!


 

Wir danken unserer aufmerk­samen Mitstrei­terin und Dipl.-Physikerin Dr. Julia Uwira für das Aufspüren dieser versteckten Privi­le­gien.

Das Bezugs­do­ku­ment:

EckpAbb1

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