Dreisprung rückwärts – Luchse ausrotten bringt Image­ge­winn

Die Energie­wende-Politik treibt seltsame Blüten.

Anders als die Blüten der meisten Blumen sind die Blüten dieser von Grund auf verfehlten Politik aller­dings sehr unästhe­tisch. Eine davon erblühte am 3. September 2014 in voller Hässlich­keit.

An jenem Mittwoch­abend stellten die Projek­tierer der Firma HSE ihre lange gehegten Pläne zur Ansied­lung von Windkraft­an­lagen im Kaufunger Wald offiziell der Öffent­lich­keit vor. 

Der Kaufunger Wald liegt im Norden Hessens und ist eines der größten zusam­men­hän­genden Buchen­misch­wald-Gebiete. Das Bundesamt für Natur­schutz charak­te­ri­siert ihn so:

Das Gebiet des Kaufunger Waldes ist eine weitge­spannte, wellige Buntsand­stein­hoch­fäche, die vom Kasseler Becken her sanft auf über 600 m ü. NN ansteigt, aber nach Osten zum Unter­wer­ra­land steil zerrie­delt abbricht. Im Norden reicht der Kaufunger Wald bis in den Winkel zwischen Werra und Fulda, im Süden und Südosten endet er an der Helsa-Großal­meröder Graben­zone und im tiefen Gelstertal. Im Osten fällt er schroff in den ausge­höhlten Kern des Unter­wer­ra­sat­tels ab. Das Gebiet wird überwie­gend von Wald bedeckt, nur an den Randbe­rei­chen befinden sich verein­zelt Acker­flä­chen, Grünland und Siedlungen.
Die dominie­rende Nutzungs­form ist die Forst­wirt­schaft. Der südliche Kaufunger Wald ist ein Erholungs­ge­biet mit herraus­ra­gender Bedeu­tung. Der Kaufunger Wald weist eine mittlere bis hohe Struk­tur­viel­falt auf. Etwa ein Drittel der Landschaft liegt im FFH–Gebiet “Werra- und Wehretal”. Nördlich von Hessisch Lichtenau sind große Bereiche mit einer sehr hohen Struk­tur­viel­falt gekenn­zeichnet. Der südliche Teil des Kaufunger Waldes ist ein großes regio­nales Brutge­biet. Im Norden und im Süden befinden sich je ein NSG. Im südli­chen Bereich ist der Kaufunger Wald als Natur­park ausge­wiesen und gilt dort als regional unzer­schnit­tener Raum. Außer­halb der Schutz­ge­biete gehören weitere Bereiche zu den Kernzonen des bundes­weiten Biotop­ver­bundes.

Der Wald befindet sich in einem “Hotspot” der biolo­gi­schen Vielfalt.  Zu den Hotspots erklärte ein ehema­liger Bundes­um­welt­mi­nister: 

hotspots

Auszug aus der Förder­richt­linie des Hotspot-Programm.

Neben Schwarz­stör­chen ist auch der Luchs im Kaufunger Wald (wieder) heimisch. Dieser Wildtierart widmete die Frank­furter Rundschau kürzlich zwei sehr inter­es­sante Artikel:

Luchs1

Mit einem Klick gelangen Sie zum Artikel vom 1.9.14

 

luchs2

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Darin heißt es u.a.:

Fotofallen lassen keinen Zweifel zu: Die Luchse in Nordhessen haben im vergan­genen Jahr erneut Nachwuchs bekommen. Bilder zeigen Luchs­fa­mi­lien im Stifts­wald von Kaufungen und bei Nieste. Dennoch ist der Bestand der einein­halb Jahrhun­dert lang ausge­rot­teten Wildkatze im Bundes­land noch lange nicht stabil, wie Umwelt­mi­nis­terin Priska Hinz (Grüne) in Wiesbaden sagte. Sie stellte am Mittwoch den Luchs­be­richt 2014 vor. (…)

Thomas Norgall vom Arbeits­kreis Hessen­luchs geht von einer einstel­ligen Zahl aus. Tiere mit Nachwuchs sind nur aus den Wäldern südöst­lich von Kassel im Grenz­ge­biet zu Nieder­sachsen bekannt. Dort sind die etwa schäfer­hund­großen Luchse mit einer Schul­ter­höhe von 50 bis 70 Zenti­me­tern aus dem Harz einge­wan­dert. Im Jahr 2000 sind im Natio­nal­park 20 Luchse ausge­setzt und mit Sendern ausge­rüstet worden. (…)

Norgall ist jedoch überzeugt, dass die scheuen Luchse auch andere Waldre­gionen Hessens durch­wan­dern. Fotogra­fisch dokumen­tiert sind Luchse auch aus dem Kreis Hersfeld-Roten­burg. Auch aus dem Taunus gibt es glaub­wür­dige Indizien. Der Luchs ist auf große zusam­men­hän­gende Waldge­biete angewiesen. In Hessen sind jetzt zum vierten Mal Jungtiere nachge­wiesen worden.

An jenem 3. September 2014 luden die Subven­ti­ons­ritter nun zur Infover­an­stal­tung nach Großal­merode, das am Fuße des Bilsteins und damit unmit­telbar in der Nähe dieses “Schatz­käst­chens der Natur” (BM a.D. Dr. Röttgen) bezie­hungs­weise des prospek­tiven Indus­trie­ge­biets gelegen Städt­chen.

An jenem Abend präsen­tierten die Projek­tierer die bei solchen Veran­stal­tungen üblichen Desin­for­ma­tionen, lockten die Gemein­de­ver­treter mit Pacht­ein­nahmen und bemühten praktisch alle untaug­li­chen Argumente von  Klima­schutz bis Wertschöp­fung. So weit, so schlecht. So weit, so bekannt.

Ein beson­deres Schman­kerl für Liebhaber des tiefschwarzen Humors bot jedoch ein Vertreter des Bundes­ver­bandes Windenergie, den die örtli­chen Projek­tierer zur ideolo­gi­schen Unter­stüt­zung einbe­stellt hatten. Allen Ernstes versprach Herr Matthias Heim dem Kaufunger Wald durch die geplanten 10 Anlagen, denen bis zu 30 weitere folgen sollen, einen

Image­ge­winn.

Image” bezeichnet das innere Gesamt- und Stimmungs­bild bzw. den Gesamt­ein­druck, den eine Mehrzahl von Menschen von einem Meinungs­ge­gen­stand hat. 

Wer

  • ein Schatz­käst­chen der Natur plündert,
  • dem Luchs den Lebens­raum,
  • den Menschen die Heimat und
  • der Region das touris­ti­sche Poten­tial raubt,

fördert damit einen positiven Gesamt­ein­druck bei einer Mehrzahl von Menschen, behaup­tete Herr Matthias Heim also sinngemäß.

Welchem Fetisch Herr Heim anhängt und welche Vorstel­lungen er von der geistigen und seeli­schen Verfasst­heit seiner Mitbürger hat, ist für uns unergründ­lich. Die Vernunft­bürger der Region sahen dies jeden­falls gänzlich anders.

hna1

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Delteft

Zur Realität hat der Bundes­ver­band Windenergie seit jeher ein gespal­tenes Verhältnis

Die Dreis­tig­keit, mit der die Bürger für dumm verkauft werden sollten, manifes­tierte sich auch darin, dass ein HSE- Vertreter die Zinsen, die die HSE für die Kredite an die heimi­schen Banken zahlen würden, als “lokale Wertschöp­fung” zu verkaufen suchte.

Der Sprecher der BI Pro Kaufunger Wald, Dr.-Ing. Detlef Ahlborn, erklärte dazu mit der ihm eigenen Deutlich­keit:

Wir Großal­meröder schlagen der HSE vor, auf den Bau der Anlagen zu verzichten und die EEG-Umlage der Almeröder Hartz-IV-Empfänger direkt an die heimi­schen Banken überweisen zu lassen. Das ist unbüro­kra­tisch, schont unsere Landschaft, mehrt die Bank-Gewinne unmit­telbar und völlig risiko­frei und hat überdies den Vorteil, dass das Geld in der Region bleibt.


Für die bundes­deut­sche Realität des Jahres 2014 ist dieser Vorgang und diese Gemenge­lage leider sympto­ma­tisch. 

Dank der Energie­wende-Politik und insbe­son­dere der Nicht-Reform des EEG nimmt unser Land Anlauf zu einem großen Sprung rückwärts. Bei diesem großen Sprung handelt es sich um einen Dreisprung:

In ökolo­gi­scher, sozialer und wirtschaft­li­cher Hinsicht katapul­tiert uns diese Politik weit zurück. Ursäch­lich sind Desin­for­ma­tion und Verblen­dung.

Insofern weist dieser Dreisprung rückwärts sehr starke Paral­lelen zu einem andern­orts versuchten “großen Sprung nach vorn” auf. Herr Peter Schmidt hat diese Paral­lelen exzel­lent heraus­ge­ar­beitet:


Peter Schmidt, Präsi­dent DAV
Histo­ri­sche Katastro­phen – Original und Kopie Der “Große Sprung nach vorn” und die Energie­wende

…„Von Fried­rich Engels ist der Satz überlie­fert, dass alle großen weltge­schicht­li­chen Tatsa­chen sich wieder­holen, das eine Mal als Tragödie und das andere Mal als Farce.

Mit diesem Stich­wort sind wir bei der deutschen Energie­wende. Die Mecha­nismen funktio­nieren, ungeachtet des fehlenden dikta­to­ri­schen Hinter­grundes, exakt gleich. Es muss sich nur der geringst­mög­liche Kennt­nis­stand mit dem größt­mög­li­chen Fanatismus paaren. Das war bei den Protago­nisten der Energie­wende von Beginn an gegeben. Schon eine der bekann­testen – weil dümmsten – Parolen der Bewegung – “Die Sonne stellt keine Rechnung” – zeigt, auf welch naiv-religiösem Boden sich die Anhänger gemeinsam in Ekstase gebracht haben um dann in kollek­tiver Besin­nungs­lo­sig­keit über alle Grund­lagen der Physik und der Betriebs­wirt­schaft der Realität zu entschweben.” Mehr…


Die Pläne zur Zerstö­rung des Kaufunger Waldes erfahren übrigens die ausdrück­liche Billi­gung des hessi­schen Windkraft­mi­nis­ters Tarek Al-Wazir. Den Wald um den Bilstein hatte er bereits im Rahmen des Landtags­wahl­kampfes mit einem Besuch entehrt und sich stets für dieses ökolo­gi­sche Himmel­fahrt­s­pro­jekt stark gemacht.

So, wie er es in ganz Hessen tut.

Am Blauen Eck sagen wir ihm “Hallo”.

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