Anfänge abgewehrt

Am 25. April 2019 erhält Dr. Fried­rich Buer frohe Kunde aus der Schweiz: 

 
Betreff: WG: Hurra! Die Vernunft hat gesiegt / demnächst folgt Einla­dung zur Feier / Medien­spiegel
 
Lieber Dr. Buer
 
Ich hoffe, es geht Ihnen gut! Gestern haben wir den Kampf gewonnen – das Glarner Kantons­par­la­ment stimmte gegen die Windzonen im Richt­plan, und damit ist der Windpark Geschichte. Wir sind überglück­lich!
 
Ich möchte mich persön­lich und im Namen von Linth­Ge­gen­wind ganz herzlich bei Ihnen bedanken, Ihr Vortrag war eine grosse Unter­stüt­zung für uns und hat zu unserem Erfolg beige­tragen. Nachste­hend finden Sie unsere heutige Aussen­dung an unsere Mitglieder.
 
Beste Grüsse aus der Schweiz,
Siegfried Hettegger
   
 
Fast genau ein Jahr nachdem unser Fachbe­reichs­leiter Ökologie und Natur­schutz in der Linther Hochebene vernunft­kräf­tige Argumente vortrug, sind die Windin­dus­trie-Pläne dort ad acta gelegt. Mögen sie dort ewig ruhen. Unsere schweizer Mitstreiter haben dazu diesen Bericht verfasst: 
 
   

Leucht­turm­pro­jekt in der Ostschweiz verhin­dert

Von Reto Romanelli, Schweiz

Im kleinen Schweizer Kanton Glarus entschied das Parla­ment am 24. April 2019 in einer mit Spannung erwar­teten Abstim­mung mit 30:24 Stimmen endgültig gegen die Windener­gie­zonen in Glarus Nord. Damit wurde ein Windkraft­pro­jekt gestoppt, das von den Betrei­bern als „Leucht­turm­pro­jekt“ für die Ostschweiz gehan­delt worden war. In der Linthe­bene bei Bilten sollten mitten in dicht besie­deltem Gebiet fünf 200 Meter hohe Windräder aufge­stellt werden. Entgegen aller wirtschaft­li­chen und ökolo­gi­schen Logik versuchte man, das Projekt aus politi­schen Gründen durch­zu­boxen. Die Entschei­dung hat Ausstrah­lung auf die ganze Schweiz.

3D-Visua­li­sie­rung des geplanten Windkraft­pro­jektes „LinthWind“ bei Bilten in Glarus Nord © Verband Freie Landschaft Schweiz/LinthGegenwind

Das endgül­tige Aus für das Windkraft­pro­jekt „LinthWind“ ist ein trium­phaler Erfolg für die Bevöl­ke­rung und für den Verein Linth­Ge­gen­wind, der das Projekt mit einer engagierten Kampagne bekämpft hatte. Es wurden zahlreiche Infor­ma­tions- und Diskus­si­ons­ver­an­stal­tungen organi­siert, Flyer an alle Haushalte verteilt, unzäh­lige Medien­mit­tei­lungen verschickt, Webseite und Facebook-Auftritt gepflegt und ein umfang­rei­ches Dossier zusam­men­ge­stellt. Ein Antrag auf Festle­gung eines 700 Meter-Mindest­ab­standes wurde bei der Gemeinde einge­reicht und Unter­schriften dafür gesam­melt. Entschei­dungs­träger und Kantons­par­la­men­ta­rier wurden mit Infor­ma­ti­ons­ma­te­rial versorgt. Bekannte Persön­lich­keiten nahmen in „Bekennt­nissen“ gegen das Windkraft­pro­jekt Stellung. Dadurch konnte ein starkes Gegen­ge­wicht zur Propa­ganda der Betreiber, Windin­dus­trie und der Medien aufge­baut werden. Der Wider­stand aus der Bevöl­ke­rung schwoll in den Wochen und Tagen vor der Abstim­mung zu einem regel­rechten Sturm an. Tagelang waren die Leser­brief­seiten gefüllt mit Stellung­nahmen von Bürgern gegen das Projekt, und bei Veran­stal­tungen meldeten sich betrof­fene Bürger entschieden zu Wort. Die lokale Monopol­presse, die zeitweise eine feind­se­lige Kampagne gegen die Windkraft­gegner führte, mußte bekennen: „Ein regel­rechter Sturm von Leser­briefen braust durch den Blätter­wald“, und der Redak­ti­ons­leiter kommen­tierte nach der Entschei­dung: „Ein Projekt gegen so heftigen Wider­stand durch­zu­setzen, ist fast unmög­lich.“ Die ermuti­gende Lehre daraus ist: Organi­sierter Wider­stand kann sich lohnen!

Das Ende für „LinthWind“ setzt die Nieder­lagen des vom Bund massiv forcierten Windkraft­aus­baus in der Ostschweiz fort (vgl. „Ostschweiz gegen Windenergie“, EIKE-News 26. November 2018). Der Kanton St. Gallen hat kürzlich ein geplantes Windkraft­pro­jekt im Rheintal gestri­chen. Im Thurgau verstärkt sich der Wider­stand gegen die geplante Windzone bei Salen-Reutenen in Nähe der deutschen Grenze und in Sicht­weite des UNESCO-Weltkul­tur­erbes Mainau. Dort hat sich der Verein Pro Salen-Reutenen gegründet und auch von deutscher Seite her gibt es Proteste. 1500 Einwen­dungen fluteten die Büros des Kantons. Die Gemeinde Sirnach kämpft gegen die geplante Windzone in der Nähe einer psych­ia­tri­schen Klinik und befürchtet Angst­zu­stände bei den Patienten.

Auch im Westen der Schweiz, wo der Ausbau der Windenergie viel weiter fortge­schritten ist, gab es zuletzt eine richtungs­wei­sende Abstim­mung: Die Bürger von Court (Kanton Bern) entschieden mit 222:93 Stimmen überaus deutlich gegen ein geplantes Windkraft­pro­jekt mit sieben Turbinen auf den Jurah­öhen. Die Bevöl­ke­rung war nicht bereit, ihre letzten Erholungs­räume zu opfern, schreibt dazu der „Verband Freie Landschaft Schweiz“.

Die Bevöl­ke­rung setzt sich immer mehr gegen die Beein­träch­ti­gungen durch die Windkraft­pro­jekte zur Wehr und der vom Bund gewünschte Bau von 800‑1000 Windkraft­an­lagen gemäß „Energie­stra­tegie 2050“ erweist sich als völlig illuso­risch. Heute bestehen 37 Anlagen, die gerade einmal 0.2% (kein Druck­fehler, in Worten: null Komma zwei Prozent) zur Strom­pro­duk­tion beitragen. Die Schweiz ist zu klein­räumig, zu dicht besie­delt und hat zuwenig Windpo­ten­tial. Nach realis­ti­schen Schät­zungen hat Windenergie nur ein Nischen­po­ten­tial von maximal 2% an der Strom­pro­duk­tion (vgl. „Neue Energie für die Schweiz“, UBS Chief Invest­ment Office, 2016). Jetzt hat sich noch dazu heraus­ge­stellt, dass das Windpo­ten­tial noch geringer ist als bisher angenommen. Das Bundesamt für Energie (BFE) mußte in der neuen Ausgabe des offizi­ellen Windatlas 2019 die bishe­rigen Werte deutlich reduzieren. Die Ausgabe 2016 war politisch motiviert, entbehrte jeder wissen­schaft­li­chen Grund­lage und stellt den geplanten Ausbau der Windenergie in Frage, schreibt die „Freie Landschaft Schweiz“.

Doch der Bund setzt weiter auf Druck und „will den Wider­stand gegen Windräder mit juris­ti­schen Drohungen brechen“, kommen­tierte „Die Weltwoche“ ein Rechts­gut­achten des BFE, das nicht zufällig kurz vor der Abstim­mung in Glarus publi­zierte worden war. Die Gemeinden und Kantone müßten die Windenergie fördern und es wäre ihnen nicht erlaubt, eigene Mindest­ab­stände zu Windkraft­an­lagen festzu­legen, heißt es darin. Dieses Gutachten ist politisch motiviert und will die verfas­sungs­recht­liche Autonomie der Kantone und Gemeinden einschränken. Linth­Ge­gen­wind hatte für seinen Antrag auf 700 Meter Mindest­ab­stand selbst ein Rechts­gut­achten in Auftrag gegeben, dass zum genau gegen­tei­ligen Ergebnis kommt und die Recht­mä­ßig­keit von kanto­nalen und kommu­nalen Mindest­ab­stands­vor­schriften bestätig. Auch gibt es mit Basel-Landschaft bereits einen Kanton, der 2014 einen Mindest­ab­stand von 700 Metern im Richt­plan einge­führt hat, was vom Bund geprüft und bestä­tigt wurde. Auch zwei Gemeinden (Triengen LU und Tramelan BE) haben Mindest­ab­stände festge­legt.

Der Bund finan­ziert weiterhin mit Millionen von Franken Propa­ganda für die Windenergie. Letztes skanda­löses Beispiel einer solchen Manipu­la­tion ist ein Artikel in der „Sonntags­zei­tung“ („Wissen­schaftler erfor­schen Vorur­teile“, 27. Januar 2019), der von der BFE-Platt­form „Energie Schweiz“ zusammen mit dem Medien­kon­zern Tamedia (!) gesponsort wurde. Der Artikel gibt sich unver­dächtig natur­wis­sen­schaft­lich, beginnt mit „Vorur­teile helfen dem Gehirn, im Alltag mit der Infor­ma­ti­ons­flut umzugehen“ und endet bei „Fünf falschen Vorstel­lungen über die Energie­zu­kunft“. Das Werk trägt die Handschrift von Spin Doctors (profes­sio­nellen Werbe­psy­cho­logen) und verwendet bekannte Techniken der Meinungs­ma­ni­pu­la­tion (sog. „Framing“), um die Kritiker der Windenergie als eigent­liche Deppen hinzu­stellen. Siehe dazu den Beitrag „Fake News des BFE“ auf dem Blog des Carnot-Cournot-Netzwerkes.

Medien­be­richte zur Entschei­dung des Glarner Kantons­par­la­ments, 24. April 2019:

SRF, Schweiz aktuell:  Die Linthe­bene bleibt frei von Windenergie
SRF News: Aus für Windpark im Glarner­land
Tages­an­zeiger: Herber Dämpfer für die Windkraft

   
 
VERNUNFTKRAFT. gratu­liert.
 

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