Wälder statt Windrä­der

Am 3. Septem­ber 2020 wurde in Berlin per Presse­kon­fe­renz ein inter­es­san­tes Konzept in die Klima­schutz-Diskus­sion einge­bracht. Ausge­hend von der gemein­sa­men Prämisse, dass die Zerstö­rung von Wäldern zwecks Aufstel­len von Windkraft­an­la­gen die so ziemlich schlech­teste Idee ist, um Klima­pro­bleme zu adres­sie­ren, ist VERNUNFTKRAFT. der Einla­dung gefolgt:

Dr.-Ing. Detlef Ahlborn erläu­terte die energie­wirt­schaft­li­chen Aspekte der Windkraft­nut­zung und legte dar, warum diese dem Klima nicht nützt und die Versor­gungs­si­cher­heit zuneh­mend in Gefahr bringt. Im Folgen­den stell­ten Profes­sor Fritz Vahren­holt, Dr. Horst Rehber­ger, Dr. Uwe Schra­der und Dipl.-Ing. Frank Hennig ihr Alter­na­tiv­kon­zept vor. Die gemein­same Präsen­ta­tion finden Sie hier:

Präsen­ta­tion EVM Presse­kon­fe­renz 030920

 

Frank Hennig berich­tete bei Tichys Einblick. Hier ein Auszug:

 

     
 

von Frank Hennig

Lieber Wälder als Windrä­der“ beschreibt, wie man kosten­güns­ti­ger und ohne Sinkflug der Indus­trie die Pariser Ziele errei­chen und sogar überbie­ten kann. Kern der Idee ist der Ansatz, deutli­che CO2-Minde­run­gen durch globale Auffors­tun­gen zu errei­chen, was nach dem Pariser Klima­schutz­ab­kom­men möglich und am Ende billi­ger und siche­rer ist, als jetzige Energie­in­fra­struk­tur zu zerstö­ren und durch den exzes­si­ven Ausbau insta­bi­ler „Erneu­er­ba­rer“ erset­zen zu wollen.

Grüner Freund und Helfer

Ein Baum nimmt durch­schnitt­lich 10 Kilogramm CO2 im Jahr auf. Ein Hektar Wald speichert durch­schnitt­lich etwa 10 Tonnen CO2 im Jahr. Die anthro­po­ge­nen CO2-Emissio­nen Deutsch­lands haben ein Volumen von zirka 750 Millio­nen Tonnen jährlich (was ungefähr zwei Prozent der weltwei­ten Emissio­nen entspricht). Global stehen etwa 900 Millio­nen Hektar Flächen für Auffors­tun­gen zur Verfü­gung. Nicht einmal 10 Prozent dieser Flächen würden ausrei­chen, um die gesam­ten CO2 Emissio­nen Deutsch­lands zu kompen­sie­ren.

Die Pflan­zung eines Baumes kostet etwa fünf Euro. Beim derzei­ti­gen Zerti­fi­kats­preis von 25 Euro pro Tonne CO2 könnten also 5 Bäume gepflanzt werden, die über ihre Lebens­zeit von etwa 50 Jahren 2,5 Tonnen CO2 binden. Es würden somit 10 Euro pro Tonne als Abgabe ausrei­chen, um über Baumpflan­zun­gen eine Tonne CO2 zu kompen­sie­ren.

Windkraft­an­la­gen tragen nicht zur CO2-Reduk­tion bei, da sie tempo­rär nicht nur Kohle­strom, sondern auch die dafür notwen­di­gen Zerti­fi­kate verdrän­gen. Mit weniger Windkraft würde die Strom­ver­sor­gung wieder kosten­güns­ti­ger und siche­rer.

Über ein Wälder-Kompen­sa­ti­ons­sys­tem, gemanagt durch die Deutsche Emissi­ons­han­dels­stelle (DEHSt), ließen sich die Gelder für die Treib­haus­gas­kom­pen­sa­tion durch Wälder organi­sie­ren. Emitten­ten, aber auch andere könnten teilneh­men. Es bestünde die Möglich­keit, den strafen­den Staat zum motivie­ren­den Staat zu wandeln.

Die Corona-Pande­mie zeigte die Proble­ma­tik errati­scher Ökostrom­ein­spei­sung überdeut­lich, mithin einer Strom­erzeu­gung, die am Markt vorbei­geht. Bereits heute sind wir zur Ausre­ge­lung des norma­len Lastgan­ges sowohl auf Ex- als auch auf Import angewie­sen. Während sonni­ger Tages­stun­den wird expor­tiert, mit Sonnen­un­ter­gang geht die Kurve gleitend in den Import über, wobei es sich dann überwie­gend um Atomstrom aus Frank­reich handelt. Das Ganze wird von schwan­ken­dem Windstrom überla­gert, der maßgeb­lich zu negati­ven Börsen­prei­sen beiträgt. Bis August 2020 gab es 251 Stunden mit negati­ven Preisen (mehr als 10 Tage), im Gesamt­jahr 2019 waren es „nur“ 232. Hinzu kommen entspre­chend hohe Kosten des Engpass­ma­nage­ments im Netz, um die Schwan­kun­gen zu beherr­schen – etwa 170 Millio­nen Euro pro Monat. Damit könnte sich die Bahn jeweils sechs neue ICE-Züge kaufen.

Gewin­ner sind die Empfän­ger der EEG-Umlage, die nach Prognose des Bundes­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums in diesem Jahr 24,6 Milli­ar­den Euro erhal­ten werden. Dafür könnte man den Schwei­zern zwei neue Gotthard-Basis­tun­nel schen­ken. Oder unserer verfal­len­den Infra­struk­tur auf die Beine helfen.

Weder emissi­ons­frei noch umwelt­freund­lich

Auch der Mythos der Emissi­ons­frei­heit der Windkraft­an­la­gen wurde wider­legt. Sie sind nur Abgas-emissi­ons­frei während des Betrie­bes, bei Produk­tion und Entsor­gung fallen erheb­li­che CO2-Mengen an. Zuneh­mende Anlagen­grö­ßen steigern die Emissio­nen an hörba­rem und unhör­ba­rem, dem gesund­heit­lich belas­ten­den Infra­schall. Hinzu kommen Emissio­nen von Mikro­plas­tik, die quanti­ta­tiv schwer zu erfas­sen sind, aber bei der Vielzahl der Anlagen im Land durch­aus im Bereich einiger –zig Tonnen liegen dürften.

Zudem tragen Windkraft­an­la­gen zur Austrock­nung der Böden bei. Die Rotation der Flügel führt zum verti­ka­len Lufttrans­port. Feuchte, boden­nahe Luft wird in die Höhe beför­dert, wo sie zeitweise auskon­den­siert und zur Wolken­bil­dung beiträgt. Wasser­dampf ist das Treib­haus­gas Nummer 1. Die trockens­ten Böden im Land befin­den sich in der norddeut­schen Tiefebene, Mecklen­burg-Vorpom­mern und Branden­burg, mithin den Gebie­ten, in denen auch die meisten Windkraft­an­le­gen stehen.

Die durch­schnitt­li­che Windge­schwin­dig­keit nahm in den vergan­ge­nen Jahren ab, der durch­schnitt­li­che Luftdruck stieg – mit der Folge trocke­ne­ren Hochdruck­wet­ters. Die Tempe­ra­tu­ren im Bereich großer Windparks können um ein halbes Grad steigen, wie
Studien ergaben.

Diese Erkennt­nisse zu den Folgen des massen­haf­ten Windkraft­aus­baus rufen nach tiefgrei­fen­der Forschungs­tä­tig­keit, an der aber weder die richtung­ge­bende Politik noch die sie beglei­ten­den Medien ein Inter­esse haben.

Umwelt­mi­nis­te­rin Schulze antwor­tete auf eine entspre­chende Anfrage aus der FDP-Fraktion bezüg­lich der Insek­ten­ver­luste an den Rotor­blät­tern, dass sie keinen Handlungs­be­darf sehe. Das Thema wäre auch unbedeu­tend, wenn es nur einige hundert Anlagen in Deutsch­land gäbe. Es sind aber fast 30.000 und nach dem Willen der Regie­rung soll sich diese Anzahl mindes­tens verdrei­fa­chen. Naiv ist, wer glaubt, dies hätte keine nachtei­li­gen und irrepa­ra­blen Auswir­kun­gen auf Natur, Wetter und Klima.

Der größte Feind des deutschen Waldes ist die Windin­dus­trie. Geradezu verhee­rend sind die durch Windkraft­an­la­gen verur­sach­ten Umwelt­schä­den. Mittler­weile wird jede fünfte Anlage in den Wald gesetzt. Im Referen­ten­ent­wurf zum EEG 2021 wird der Weg berei­tet, im windar­men Süddeutsch­land mit Hilfe des Infra­struk­tur­be­schleu­ni­gungs­ge­set­zes massen­haft Windkraft­an­la­gen zu errich­ten. Rechne­risch würde dies für ganz Deutsch­land bedeu­ten, alle zwei Kilome­ter eine Windkraft­an­lage aufzu­stel­len.

Die beson­dere Förde­rung der Windkraft an ertrags­ar­men Stand­or­ten senkt die Wirtschaft­lich­keit dieser Techno­lo­gie weiter ab. Die Erträge pro instal­lier­tem Megawatt werden weiter sinken. Bedingt durch die Topogra­fie in Süddeutsch­land kommen im Grunde nur Stand­orte auf Bergkup­pen in Frage, die meist bewal­det sind. Die großen Verlie­rer werden Vögel, Fleder­mäuse und Insek­ten sein.

Schon heute beträgt die überstri­chene Rotor­flä­che der bestehen­den Anlagen etwa 200 Millio­nen Quadrat­me­ter. Dies entspricht einer Wand von 200 Metern Höhe und 1.000 Kilome­tern Länge, also einer Distanz von Aachen bis Warschau. Durch diese schred­dernde Wand müssen Milli­ar­den von Flugle­be­we­sen hindurch und entspre­chend hoch sind die Verluste.

Natür­lich leiden auch schall­be­las­tete Menschen und Säuge­tiere wie auch der Touris­mus. Der Schaden ist groß, nur wenige profi­tie­ren.

Weder wirtschaft­lich noch CO2-vermei­dend

Die ausufern­den Kosten der Energie­wende führen zu einer schlei­chen­den Deindus­tria­li­sie­rung. In ehema­li­gen Boomre­gio­nen in NRW liegen heute trotz jahrzehn­te­lan­ger Förde­rung die Städte mit den höchs­ten Armuts­quo­ten. Das EEG-Umlage­konto ist bereits Mitte des Jahres 2020 erschöpft, so dass die Netzbe­trei­ber Kredite aufneh­men müssen, um die Ökostrom­ein­spei­ser für ihre oft am Markt vorbei erfolgte Produk­tion zu subven­tio­nie­ren. Über den gegen­läu­fi­gen Mecha­nis­mus von deutschem EEG und europäi­schem Emissi­ons­han­del kommt es auch zu keiner CO2-Einspa­rung durch die Windkraft. Emissio­nen werden ins Ausland verla­gert.

Der gestie­gene CO2-Gehalt der Atmosphäre führte in den vergan­ge­nen 40 Jahren zusam­men mit der leicht gestie­ge­nen Tempe­ra­tur zu einer Zunahme der Blatt­masse der Erde – sie wurde grüner. Spezi­ell die C3-Pflan­zen wie Weizen, Reis und Bäume wachsen bei weiter steigen­dem CO2-Gehalt in der Atmosphäre deutlich besser, sie bilden damit größere CO2-Senken.

Die Dekar­bo­ni­sie­rung Deutsch­lands ist im globa­len Rahmen unbedeu­tend. Abschal­ten kann man nur einmal, die Treib­haus­gas­emis­sio­nen durch Auffors­tung zu senken kann hinge­gen einen Beitrag leisten, der weit über den deutschen Teller­rand langfris­tig hinaus­reicht. Dass diese Bäume dann genutzt und nachge­pflanzt werden, kann man organi­sie­ren. Zu einem erheb­li­chen Teil kann im Wohnungs­bau CO2-inten­si­ver Zement durch Holz substi­tu­iert werden.

Die Initia­tive des Energie­ver­nunft Mittel­deutsch­land e.V. würde mit wenig Aufwand konkrete Ergeb­nisse bringen, wenn tatsäch­lich die CO2-Reduk­tion nicht nur das propa­gierte Oberziel wäre sondern inhalt­lich ernst genom­men würde. Verlie­rer wären die jetzi­gen Energie­wen­de­ge­win­ner, die von den steigen­den Kosten für alle anderen profi­tie­ren, ohne dass die Emissi­ons­ziele auf diese Weise realis­tisch erreich­bar wären.

Übrigens: Dieses Konzept von drei FDP-Mitglie­dern, einem SPD-Mitglied und einem Partei­lo­sen vorge­stellt. Keiner von ihnen leugnet den Klima­wan­del.

 
     

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