Erneu­er­bare als Lockdown-Vögel

Ende Juni 2020 verbrei­ten verschie­dene Medien die Meldung, dass die “Erneu­er­ba­ren” in der ersten Hälfte des Jahres neue Rekord­bei­träge gelie­fert hätten.

Ein beson­ders großer Anteil des Erfolgs wird erneut der Windkraft zugeschrie­ben. Deren Branchen­ver­tre­ter besaßen inmit­ten der Corona-Krise gar die Chuzpe, ihre Faultiere als aufop­fe­rungs­volle Krisen­hel­fer darzu­stel­len. Einge­denk der großen Schwie­rig­kei­ten, welche die “Lockdown”-Maßnahmen für den subven­ti­ons­freien, wettbe­werb­lich organi­sier­ten Teil der Wirtschaft mit sich brach­ten und angesichts der handfes­ten Existenz­sor­gen, die unzäh­lige der in ebendie­sem Teil der Wirtschaft beschäf­tig­ten Menschen plagen, ist die Lesart, die mit jener Kampa­gne verbrei­tet werden soll, arg verwe­gen. Eine Branche, die den Luxus einer Preis- und Abnah­me­ga­ran­tie genießt und von allen Widrig­kei­ten des Unter­neh­mer­tums abgeschirmt ist, als “Stabi­li­täts­an­ker” zu preisen, ist – je nach Humor und Nerven­kos­tüm – irgendwo zwischen zynisch und origi­nell einzu­ord­nen. Denn wer auf Windkraft als “Energie für den Neustart” vertraut, ist ebenso gut beraten wie jemand, der dem lallen­den Kneipen­gast folgt, welcher mit “tragt mich zum Auto, ich fahr’ Euch alle heim” für seine Dienste wirbt. Mit viel gutem Willen möchten wird die Urheber dieser Kampa­gne als Spaßvö­gel bezeich­nen.

Doch dies ist ein anderes Thema.

Zunächst sei ein Versäum­nis der meisten Meldun­gen aufge­ar­bei­tet:

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Nämlich jenes, nach den Ursachen des Rekor­des zu fragen.

VERNUNFTKRAFT. – Empiri­ker Rolf Schus­ter hat sich dieser Frage angenom­men und die relevan­ten Zahlen zusam­men­ge­tra­gen.  Anhand der Daten der Strom­börse Entso‑e überprüfte er zunächst die Angaben des Handels­blatts bezüg­lich der Quellen der im ersten Halbjahr in Deutsch­land produ­zier­ten Strom­menge.

Die Daten stimmen mit denen des Handels­blatts weitge­hend überein, Schus­ter kommt aller­dings auf einen “Erneu­er­ba­ren-Anteil” von 56,5 Prozent.

Zur vom Handels­blatt vernach­läs­sig­ten Frage, warum dieser Anteil so stark gestie­gen ist, verweist Schus­ter auf den “Elefan­ten im Raum”: den Nachfra­ge­ein­bruch im Zusam­men­hang mit den politi­schen Maßnah­men zur Eindäm­mung des Corona-Virus.

Die Aufgabe, sich dieser gesun­ken Nachfrage anzupas­sen, fiel vollstän­dig den konven­tio­nel­len Kraft­wer­ken – Kernener­gie, Kohle und Gas – zu. Die EEG-Anlagen mussten sich nicht anpas­sen, sondern durften nach Lust, Laune und Wetter weiter­pro­du­zie­ren. Bedingt durch die Abschal­tung konven­tio­nel­ler Kraft­werke sank überdies der Export von Deutsch­land in die angeschlos­se­nen Nachbar­län­der deutlich:

Inter­es­sant ist dabei, den Mix des über die Grenzen ausge­tausch­ten Stroms zu betrach­ten. Hierzu nutzte Schus­ter das “Kupfer­plat­ten-Modell”:

Es unter­stellt – eine gute Annähe­rung an die Reali­tät -, die Erzeu­ger und Verbrau­cher der europäi­schen Nachbar­län­der sind ohne Übertra­gungs­ver­luste mitein­an­der verbun­den. So wurde der Energie­mix jedes Nachbar­lan­des ermit­telt und anteils­mä­ßig auf den Export­strom verteilt.  (Export des Nachbar­lan­des = Import durch Deutsch­land). Die folgende Grafik zeigt die Anteile der Energie­trä­ger am Import und Export von und nach Deutsch­land:

Man sieht: Deutsch­land impor­tiert fast so viel Kernkraft, wie es Windstrom expor­tiert. 

Dies kommt nicht von ungefähr sondern ist Ergeb­nis des politisch herbei­ge­führ­ten Verlus­tes an Residu­al­last (=Last – (Sonne+Wind)). Diese Residu­al­last ist zum ersten Mal in einen negati­ven Wert abgeglit­ten – die deutsche Energie­ver­sor­gung beginnt, aus den Fugen zu geraten.

Ein Indiz, dass die „Erneu­er­ba­ren“ begin­nen, sich zu kanni­ba­li­sie­ren.

Ein weite­res Warnsi­gnal ist die Entwick­lung der negati­ven Börsen­preise. Am Wochen­ende 4./5. Juli kamen weitere 17 Stunden mit Negativ­prei­sen hinzu: Der Strom war geschenkt noch zu teuer.

Auch die deutschen Kosten des Engpass­ma­nage­ments sind zweifels­ohne „Weltspitze“.

Mit dieser Hinter­grund­be­leuch­tung wirkt die “Rekord­mel­dung” etwas bizarr.

Schus­ter resümiert:

Mir erschei­nen die deutschen Energie­po­li­ti­ker wie Geister­fah­rer, die, da Sie keine Rücklich­ter sehen, sich in der weltwei­ten Spitzen­po­si­tion wähnen.

Es wird deutlich, dass insbe­son­dere die Windkraft-Indus­trie ein erheb­li­cher “Krisen­ge­winn­ler” war und ist. Beson­ders gut steht ihr die Rolle des Lockvo­gels:

Aus Frank­reich, Belgien und Tsche­chien lockt sie mittel­bar den Atomstrom in unser Netz. Dem parla­men­ta­ri­schen Raum entlockt sie seit über 20 Jahren wohlwol­lende Sonder­be­hand­lun­gen. Und uns entlockt sie unwei­ger­lich Claims, die unsere geschätz­ten Leser (m/w/d) gerne selbst auf der Origi­nell-Bis-Zynisch-Skala einord­nen mögen.

DIE WINDENER­GIE – Brems­kraft für den Neustart

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