Jenseits von Küste und Reali­tät – Windlobby spinnt Seemanns­garn

Am 11. Dezem­ber 2017 wartete die deutsche Presse­agen­tur mit einer Meldung auf, die von mehre­ren Medien aufge­grif­fen wurde: 

 

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Ähnlich wie zu Beginn, wird zum Ende des Jahres eine vermeint­li­che Erfolgs­ge­schichte erzählt. Held der Story: Die Windener­gie auf hoher See (Offshore).

Konkret berich­tet die dpa über eine Studie der Leser(inn)en unserer Seite bereits bekann­ten Gesin­nungs­for­schungs­ein­rich­tung IWES in Kassel, die von der Stiftung Offshore Windener­gie in Auftrag gegeben wurde. Die Vorsit­zende dieser Stiftung zeigt sich von Freude und Stolz erfüllt:

     
   “Die Offshore-Windener­gie trägt erheb­lich zur Versor­gungs­si­cher­heit bei”, sagt Ursula Prall, Vorstands­vor­sit­zende der Stiftung Offshore-Windener­gie. Durch ein höheres Ausbau­vo­lu­men seien auch weitere Kosten­sen­kun­gen möglich. In der IWES-Studie wird für das Jahr 2050 sogar eine Leistung von 57 Gigawatt als energie­wirt­schaft­lich optimal empfoh­len.  
     

Alle uns zur Kennt­nis gelang­ten Medien­be­richte, die dieser “Studie” ungerecht­fer­tig­ter­weise Aufmerk­sam­keit schenk­ten, wiesen darauf hin, dass die Windener­gie auf hoher See bessere Erträge liefere, als bisher angenom­men worden sei. Die entspre­chende Passage der dpa-Meldung, die in fast allen Berich­ten weiter­ge­tra­gen wurde, lautet:

     
  Windkraft­werke auf dem Meer erzeu­gen nach einer Studie des Insti­tuts Fraun­ho­fer IWES mehr und zuver­läs­si­ger Strom als bislang angenom­men. Die Windkraft­an­la­gen in Nord- und Ostsee produ­zie­ren an 363 Tagen des Jahres Energie, teilte die Stiftung Offshore Windener­gie als Auftrag­ge­be­rin der Studie mit. Bei der Vorgän­ger­stu­die hatte dieser Wert noch bei 340 Tagen gelegen.   
     

Unisono wurde dabei überse­hen, dass die erstaun­li­chen Erkennt­nisse nicht etwa auf realen Ertrags­da­ten, sondern auf Simula­tio­nen und das Jahr 2050 betref­fen­den Annah­men beruhen.

Die vergan­gen­heits­be­zo­gene Schluss­fol­ge­rung, wonach “die Anlagen somit relativ konstant Strom liefer­ten”, zu welcher die Windkraft-Lobby die dpa verlockte, ist weder durch die Ergeb­nisse der Simulan­ten aus Kassel noch durch reale Leistungs­ver­läufe in irgend­ei­ner Weise gedeckt!

Mit Hilfe der wissen­schaft­li­chen “Methode des genauen Hinse­hens” (Prof. J. Weimann) offen­bart sich selbst dem unvor­ein­ge­nom­me­nen Laien der ebenso dreiste wie offen­sicht­li­che Betrug, den wir bedau­er­li­cher­weise von einschlä­gi­gen Lobby-Insti­tu­tio­nen und insbe­son­dere vom Kasse­ler Fraun­ho­fer IWES inzwi­schen gewohnt sind.

Wir haben uns daher die Mühe gemacht, die tatsäch­li­che Strom­pro­duk­tion auf See zu recher­chie­ren und entspre­chen­den Aussa­gen der selbst­er­nann­ten Fraun­ho­fer- Wissen­schaft­ler gegen­über zu stellen:

Abbil­dung 1: Offshore-Windstrom an Nord- und Ostsee.

Zu der tatsäch­li­chen Windstrom­erzeu­gung entlang der Nord- und Ostsee­küste kann man in der IWES Studie lesen:

Die verhält­nis­mä­ßig hohe Gleich­mä­ßig­keit der Offshore-Windener­gie­ein­spei­sung bewirkt auch, dass sich die Strom­er­träge aus Offshore-Windener­gie gut vorher­sa­gen lassen.

Mit dieser Aussage bewegen sich die Fraun­ho­fer-Beschäf­tig­ten knapp unter Jugend-forscht-Niveau: Bezeich­nete ein Student im Anfangs­se­mes­ter den Leistungs­ver­lauf in Abb. 1 als „gleich­mä­ßig“, so würde ihm mit Fug und Recht die Studier­fä­hig­keit abgespro­chen. 

Eine genauere Analyse bringt zu Tage, dass die Schwan­kun­gen der Offshore-Strom­erzeu­gung größer sind als die Schwan­kun­gen der Augen­zah­len beim Würfeln. Wenn Fachleute hier obendrein noch von „guter Vorher­sag­bar­keit“ sprechen, ist das ein vorsätz­li­cher und dreis­ter Betrug. Weiter liest man in besag­ter Studie:

Offshore-Windener­gie­an­la­gen haben schon heute sehr hohe Volllast­stun­den, die zukünf­tig im Mittel auf über 4660 h anstei­gen.

Per heute liegt die Volllast­stun­den­zahl erwie­se­ner­ma­ßen deutlich unter 3750h.

Abbil­dung 2: Volllast­stun­den Offshore.

Als reine Rechen­größe für den erziel­ba­ren Jahres­er­trag hängt die Vollast­stun­den­zahl vor allem vom Verhält­nis der Rotor­flä­che zur instal­lier­ten Genera­tor­leis­tung ab. Wie diese Zahl angesichts der tatsäch­li­chen Daten um 30% gestei­gert werde soll, bleibt das Geheim­nis der IWES-Simulan­ten. Diese schrei­ben ferner:

Weiter­hin verrin­gern die gerin­gen Gradi­en­ten den Bedarf an Regel­leis­tung und die Anfor­de­run­gen an Ausgleichs­kraft­werke (z. B. Speicher).

Wie in Abb. 1 erkenn­bar, kann die Offshore Windleis­tung binnen einiger Stunden auf den Maximal­wert anstei­gen, wobei unmit­tel­bar klar ist, dass dieser zeitli­che Anstieg durch die Marsch­ge­schwin­dig­keit der Tiefdruck­ge­biete bestimmt ist. Jeder Zubau an Produk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten erhöht diese sogenann­ten Gradi­en­ten und verschärft die Anfor­de­run­gen an die verblei­ben­den Ausgleichs­kraft­werke, die diese Schwan­kun­gen ausglei­chen müssen.

Aufgrund der vorlie­gen­den Ist-Daten sind bei dem vom IWES genann­ten Ausbau­ziel von 54 GW zeitli­che Schwan­kun­gen (Gradi­en­ten) von bis zu 14000 MW pro Stunde zu erwar­ten. Diese Schwan­kun­gen sind so groß wie die größten heute vorkom­men­den Schwan­kun­gen im Strom­netz. Die IWES-Einlas­sun­gen entpup­pen sich als glatte Täuschung.

Wir betrach­ten nun die Windstrom­pro­duk­tion auf der Ostsee im Jahr 2016.

Abbil­dung 3: Verlauf der Offshore-Windleis­tung Ostsee in 80 Tagen des Jahres 2016.

Die Studie befin­det:

Offshore- Windener­gie­an­la­gen (…) kommen damit auf über 8700 Betriebs­stun­den jährlich; das entspricht einer Strom­pro­duk­tion an rund 363 Tagen im Jahr. Zugleich schwankt ihre Produk­tion eher gering­fü­gig.

Angesichts eines Zeitver­laufs wie in Abb. 3 von einer gering­fü­gi­gen Schwan­kung zu reden, erweist sich als dreiste und mutwil­lige Täuschung, schließ­lich sind die zeitli­chen Verläufe bei einschlä­gi­gen univer­si­tä­ren Einrich­tun­gen bekannt.

Wie oft welche Leistung vorkommt wird üblicher­weise in einem Säulen­dia­gramm darge­stellt:

Abbil­dung 4: Histo­gramm der Windstrom­erzeu­gung Ostsee

Offen­sicht­lich kommen kleine Leistun­gen sehr häufig vor: Für eine Dauer von 14% eines Jahres, also für 1226h (entspre­chend 51 Tagen) liegt die Leistung unter 10 MW (entspre­chend 3% der instal­lier­ten Leistung). Knappe zwei Monate im Jahr stehen die Anlagen also still oder trudeln gemüt­lich, ohne nennens­werte Strom­pro­duk­tion, vor sich hin. Es mag sein, dass die Anlagen dennoch an 363 Tagen Strom produ­zie­ren, bedau­er­li­cher­weise ist die Strom­pro­duk­tion aber für 49 Tage davon nicht nennens­wert und damit eine technisch vernach­läs­sig­bare Größe.

Weiter schreibt man am IWES:

Die aktua­li­sierte Studie geht auf die neues­ten Erkennt­nisse und die Entwick­lun­gen der letzten Jahre hinsicht­lich der Offshore-Techno­lo­gie und ihrer Rolle im Energie­sys­tem ein.

Offen­sicht­lich fügt sich die Arbeit von Linne­mann und Vallanda  aus 2017 nicht in das IWES- Weltbild, denn allein die Zeitver­läufe zeigen eindeu­tig, dass Leistungs­lü­cken und ‑spitzen sowohl in Deutsch­land als auch über Nord- und Ostsee (Abb. 1) gleich­zei­tig auftre­ten.

Abbil­dung 5: Windpro­duk­ton Onshore und Offshore (Linnemann/Vallanda, 2017).

Am IWES wertet man das so:

Ein Nordsee- Offshore-Netz erleich­tert die Integra­tion großer Offshore-Windener­gie-Kapazi­tä­ten, denn es lassen sich großräu­mige Ausgleichs­ef­fekte nutzen, was insbe­son­dere der Offshore-Windener­gie­er­zeu­gung zu Gute kommt.

Immer­hin scheint man die Arbeit von VERNUNFTKRAFT. inzwi­schen auch am IWES zu bemer­ken. So kann man in der Studie lesen:

Da die Flächen­po­ten­ziale von Photo­vol­taik und Onshore-Windener­gie begrenzt sind, kommt es beim Ausbau der Windener­gie an Land zuneh­mend zu Ausein­an­der­set­zun­gen aufgrund von Nutzungs­kon­kur­ren­zen oder durch Beden­ken hinsicht­lich des Natur­schut­zes. Akzep­tanz­pro­bleme sind eine Folge davon.

Viel schwer­wie­gen­der sind nicht die Akzep­tanz­pro­bleme, sondern die Dreis­tig­keit, mit der staat­lich finan­zierte Forschungs­ein­rich­tun­gen die Öffent­lich­keit täuschen. Immer­hin hat man IWES wohl doch begrif­fen, dass die vor einigen Jahren noch propa­gier­ten Konzepte zur hundert­pro­zen­ti­gen Energie­ver­sor­gung nicht aufge­hen:

Die vorlie­gende Studie zeigt, dass die Poten­ziale inner­halb Deutsch­lands zur vollstän­di­gen Deckung des Strom‑, Wärme- und Mobili­täts­be­darfs nicht ausrei­chen. Es wird daher ein zweites Energie­sys­tem­sze­na­rio für 2050 betrach­tet, in dem die flüssi­gen Kraft­stoffe für Deutsch­land an besser geeig­ne­ten Stand­or­ten im Ausland erzeugt werden.

Glaubt man am IWES tatsäch­lich daran, dass unsere auslän­di­schen Nachbarn ihre Landschaf­ten zur Genesung am deutschen Wesen herge­ben?

Auf welchem Niveau inzwi­schen bei der Fraun­ho­fer-Gesell­schaft gearbei­tet wird, mögen die folgen­den Zitate aus den Offshore Studien des Jahres 2013 und 2017 verdeut­li­chen. So heißt es in der Studie aus 2013:

Offshore-Windener­gie­an­la­gen haben schon heute sehr hohe Volllast­stun­den, die zukünf­tig auf über 4.800 anstei­gen. Sie kommen damit auf deutlich über 8.000 Betriebs­stun­den jährlich; das entspricht einer Strom­pro­duk­tion an rund 340 Tagen im Jahr. Zugleich schwankt ihre Produk­tion eher gering­fü­gig. In 70 Prozent aller Jahres­stun­den variiert ihre Leistung von einer Stunde auf die nächste um höchs­tens 10 Prozent der instal­lier­ten Kapazi­tät. Entspre­chend lässt sich der Strom­ertrag eines Offshore-Windparks besser vorher­sa­gen als der eines Onshore-Windparks. Progno­se­feh­ler sind selte­ner und die Abwei­chun­gen deutlich kleiner. Die gerin­gen Gradi­en­ten verrin­gern weiter den Bedarf an Regel­leis­tung und die Anfor­de­run­gen an Ausgleichs­kraft­werke (z. B. Speicher).

Der gleiche Absatz lautet vier Jahre später:

Offshore-Windener­gie­an­la­gen haben schon heute sehr hohe Volllast­stun­den, die zukünf­tig im Mittel auf über 4660 h anstei­gen. Sie kommen damit auf über 8700 Betriebs­stun­den jährlich; das entspricht einer Strom­pro­duk­tion an rund 363 Tagen im Jahr. Zugleich schwankt ihre Produk­tion eher gering­fü­gig. In über 90 Prozent aller Jahres­stun­den variiert ihre Leistung von einer Stunde auf die nächste um höchs­tens 10 Prozent der instal­lier­ten Kapazi­tät. Entspre­chend lässt sich der Strom­ertrag eines Offshore-Windparks besser vorher­sa­gen als der eines Onshore-Windparks. Progno­se­feh­ler sind selte­ner und die Abwei­chun­gen deutlich kleiner. Weiter­hin verrin­gern die gerin­gen Gradi­en­ten den Bedarf an Regel­leis­tung und die Anfor­de­run­gen an Ausgleichs­kraft­werke (z. B. Speicher).

Neueste Erkennt­nisse schei­nen hier durch Abschrei­ben zu entste­hen!

Die Autoren der IWES-Studie, die Herren

  • Dr. Kaspar Knorr
  • Daniel Horst
  • Dr. Stefan Bofin­ger 
  • Dr. Patrick Hochloff

reihen sich ein in die unrühm­li­che und inzwi­schen lange Reihe der Flugha­fen- und Bahnhofs­bauer, der Tunnel­boh­rer und ICE-Radrei­fen­kon­struk­teure, der Diesel-Software-Schrei­ber und anderer Betrü­ger und Fälscher. Der Initia­tor der neuen deutschen Physik, der Nobel­preis­trä­ger Philipp Lenard, hätte an seinen ergrün­ten Schülern des 21. Jahrhun­derts seine helle Freude gehabt.

Genau diese Art von Ideolo­gie, als „Wissen­schaft“ verklei­det, ist für die ganze Serie an spezi­fisch deutschen Debakeln verant­wort­lich.

Gewis­ser­ma­ßen zur Ehren­ret­tung der Wissen­schaft hat unser Fachbe­reich Techno­lo­gie ein Papier in Arbeit, welches das medial gut aufge­grif­fene Simulan­ten­tum aus Kassel, die Zeitungs– Enten­jagd auf hoher See,

Ente auf hoher See – im Dezem­ber 2017 dutzend­fach in den Zeitun­gen.

um eine wasser- und winddichte Analyse ergän­zen wird. Dieser Abhand­lung möchten wir an dieser Stelle nicht zu stark vorgrei­fen. Daher nur so viel:  Unsere statis­ti­schen Betrach­tun­gen unter­strei­chen, dass die auf hoher See gebau­ten Windkraft­an­la­gen ihren Artge­nos­sen an Land energie­wirt­schaft­lich kaum überle­gen sind. Die Aussage der Frau Prall, dass Offshore-Windener­gie erheb­lich zur Versor­gungs­si­cher­heit beitrage, bewegt sich seemei­len­weit von der Wirklich­keit: im Off Reality – Bereich. 

Mit gleicher Fakten­de­ckung ließe sich saiso­nal inspi­riert behaup­ten, dass echte Weihnachts­ker­zen an den Bäumen erheb­lich zur Reduzie­rung der häusli­chen Brand­ge­fahr beitra­gen. Die duften­den Wachs­ge­bilde schaf­fen aller­dings eine gemüt­li­che, stimmungs­volle Wohlfühl­at­mo­sphäre. Den Stahl­ko­los­sen auf hoher See kann dies nicht attes­tiert werden – bedrohte Meeres­säu­ger, (Zug-)Vögel und Fische würden zurecht protes­tie­ren.

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