Musizieren gegen den Unter­gang

Am 5. Juni 2020 berei­chert Georg Etscheit den deutsch­spra­chigen Bücher­markt mit der Biogra­phie unseres Unter­stüt­zers der ersten Stunde – Enoch zu Gutten­berg.  Zwei Jahre nach dessen plötz­li­chem Tod bietet dieses Werk die Möglich­keit, einen ebenso groß- wie einzig­ar­tigen Menschen posthum (noch näher und) aus unter­schied­lichsten Blick­win­keln kennen zu lernen. 

Mit Klick auf das Buchcover gelangen Sie zur Bestell­mög­lich­keit.

Mit Klick auf den Titel gelangen Sie zur Verlags­seite, wo Sie das Buch direkt erweben können. Eine Rezen­sion aus der FAZ finden Sie hier.

 

 

Zum zweiten Todestag Enoch zu Gutten­bergs:

Musizieren gegen den Unter­gang“ – Der Dirigent und Umwelt­schützer Enoch zu Guttten­berg, ein biogra­fi­sches Porträt

Er war ein Mensch, der viele Leben und viele Geschichten gelebt hatte“. Dies schreibt Kent Nagano in seinem Vorwort zu Georg Etscheits Biografie über den Dirigenten und Umwelt­schützer Enoch zu Gutten­berg, die zum zweiten Toddestag Gutten­bergs (15. Juni 2020) im Mainzer Verlag Schott Music erschienen ist. Der Spross eines alten, fränki­schen Adels­hauses, Vater des früheren Bundes­mi­nis­ters und CSU-Hoffnungs­trä­gers Karl-Theodor zu Gutten­berg, war in der Tat eine äußerst facet­ten­reiche Persön­lich­keit. Er war nicht nur ein bedeu­tender Musiker, sondern auch ein einfluss­rei­cher Umwelt­po­li­tiker mit Kontakten bis in die höchsten Ebenen der deutschen Politik, er war ein erfolg­rei­cher Unter­nehmer, der den Famili­en­be­sitz vor dem Unter­gang rettete, zugleich begeis­terter Jäger und ehrgei­ziger Reiter, ambitio­nierter Fotograf, geschmacks­si­cherer Sammler von Alter­tü­mern, brillanter Redner und Schreiber und origi­neller Geschich­ten­er­zähler. Er konnte feiern und bechern bis zum Umfallen und neigte zugleich zu Schwermut  und apoka­lyp­ti­schen Vorstel­lungen, die auch in seinem musika­li­schen Schaffen tiefe Spuren hinter­ließen. Lebens­lang haderte er mit den Resten seines katho­li­schen Glaubens und rang damit vor allem den Passionen Johann Sebas­tian Bachs tief verstö­rende Sicht­weisen ab.

Wie er gegen härteste familiäre Wider­stände zielstrebig seine Karriere zunächst als Chorleiter, später als Orches­ter­di­ri­gent verfolgte, wie er eine schlichte oberbaye­ri­sche Lieder­tafel zu einem Chor von Weltrang formte und es mit seiner „Chorver­ei­ni­gung Neubeuern“ bis in die New Yorker Carnegie Hall und den Wiener Musik­verein schaffte, dürfte in der Musik­ge­schichte ohne Beispiel sein. Dem „Wunder von Neubeuern“  ist ein ausführ­li­ches Kapitel gewidmet, das sich strecken­weise wie ein Märchen liest. Ebenso ausführ­lich beschrieben werden die von ihm mit geradezu aberwit­ziger Liebe zum Detail gestal­teten Herren­chiemsee Festspiele, die als Juwel in der deutschen und europäi­schen Festi­val­szene galten. Nicht zu vergessen das Orchester mit dem merkwür­digen Namen „Klang­Ver­wal­tung“, mit dem zusammen er seine größten inter­na­tio­nalen Erfolge feierte.

Enoch zu Gutten­berg konnte nur Werke dirigieren, deren Botschaft ihm etwas bedeu­tete. Nur unter­halten („Schön ist scheiße!“) wollte er (fast) nie. Auch wenn er insbe­son­dere mit der musika­li­schen Moderne wenig anfangen konnte, war sein Reper­toire mit Schwer­punkten auf Barock (Bach, Haydn) über Klassik (Haydn, Mozart, Beethoven) bis zur Spätro­mantik (Bruckner, Verdi) entgegen anders­lau­tenden Urteilen nicht klein. In seinen späteren Jahren wagte er sich sogar an Schosta­ko­witschs Holocaust-Sinfonie „Babi Yar“ und begeis­terte Publikum und Presse einmal mehr mit seiner bedin­gungs­losen Hingabe an die Kunst und das, was sie ins zu sagen hat. Es war diese Hingabe, derent­wegen ihm schon früh das Marken­zei­chen eines „Bekennt­nis­mu­si­kers“ an den Frack geheftet wurde.

Aufs Innigste verknüpft mit seiner Musik war sein lebens­langes ökolo­gi­sches Engage­ment. Gutten­berg gehörte zu den Mitgrün­dern des Bundes für Umwelt- und Natur­schutz in Deutsch­land (BUND) und zu den Inspi­ra­toren einer grünen Partei. Immer wieder inter­pre­tierte er für ihn emble­ma­ti­sche Werke wie Haydns Orato­rien „Die Schöp­fung“ und „Die Jahres­zeiten“, um mithilfe der Musik auf die ökolo­gi­sche Gefähr­dung unseres Planeten aufmerksam zu machen. Im Streit um die Energie­wende und den Ausbau der Windkraft im Kampf gegen den Klima­wandel zerstritt er sich mit seinen einstigen Bundes­ge­nossen und ging wieder einmal seinen eigenen Weg, indem er neue Umwelt­or­ga­ni­sa­tionen mit ins Leben rief, die sich wieder dem klassi­schen Natur- und Landschafts­schutz verpflichtet fühlten.

Enoch zu Gutten­berg frönte einer durchaus barocken Lebens­weise, auch wenn er sich seiner eigenen ökolo­gi­schen und sozialen Verant­wor­tung immer bewusst war. Natür­lich spielt Gutten­bergs Privat­leben in der vorlie­genden Biografie eine wichtige Rolle. Begin­nend mit seiner verschlun­genen Schul­lauf­bahn und seiner Do-it-yourself-Dirigen­ten­kar­riere abseits jeder Norm über seine proble­ma­ti­sche Ehe mit der Tochter eines italie­ni­schen Kommu­nisten bis zum späten Glück mit der Sopra­nistin Susanne Bernhard wird versucht, dem Menschen Enoch zu Gutten­berg so nahe wie möglich zu kommen, ohne indis­kret zu sein. Viele Details und Anekdoten aus seinem bewegten Leben dürften der Öffent­lich­keit noch nicht bekannt sein. Wie etwa die skurrile Geschichte vom „Herrn Nutten­di­ri­gent“, die beinahe zu Verwer­fungen in den deutsch-polni­schen Bezie­hungen geführt hätte.

Das Buch ist bebil­dert mit Fotos aus dem Gutten­berg­schen Privat­ar­chiv und des Fotografen Markus C. Hurek und beinhaltet eine vollstän­dige Disko­grafie. Die Biografie wurde noch von Enoch zu Gutten­berg selbst beauf­tragt und nach seinem Tod in enger Zusam­men­ar­beit mit der Familie zu Gutten­berg, seiner Verlobten Susanne Bernhard sowie den Mitar­bei­te­rinnen des früheren Musik­büros Gutten­berg reali­siert, allen voran seiner langjäh­rigen Vertrauten Hilde­gard Euter­moser.

 

Zum Autor:

Georg Etscheit, Jahrgang 1962, studierte Journa­lismus, Politi­sche Wissen­schaft und Geschichte Osteu­ropas in München, Frank­furt am Main und Moskau. Er volon­tierte bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und arbeitet für das Unter­nehmen als Redak­teur und Korre­spon­dent in Hamburg und Dresden, bevor er sich im Jahre 2000 in München selbständig machte. Seither belie­fert er Redak­tionen überre­gio­naler Zeitungen und Zeitschriften sowie weiterhin die dpa mit Artikeln insbe­son­dere zu ökolo­gi­schen und kultu­rellen Themen. Seit fast zwei Jahrzehnten berichtet er für dpa exklusiv über die Salzburger Festspiele. 2016 brachte er zusammen mit anderen Autoren wie Enoch zu Gutten­berg das Energie­wende kriti­sche Buch „Geopferte Landschaften“ heraus. 

 

Georg Etscheit, Musizieren gegen den Unter­gang. Der Dirigent und Umwelt­schützer Enoch zu Gutten­berg – ein biogra­fi­sches Porträt, Verlag Schott Music, Mainz, 264 Seiten, zum Teil bebil­dert. Preis 22,90 (Paper­back), 29,90 (Hardcover)

 

Info – Beitritt – Spende

    Videos

Mitschnitte

Flyer-fuer_die_Vernunft_160 Flyer – Plakate – Rat

vk-app

Buch