Mythos 3

Wind­kraft und Pho­to­vol­taik kön­nen kurz- bis mit­tel­fris­tig Atom und Kohle erset­zen. Ihr mög­lichst schnel­ler Aus­bau muss daher oberste Prio­ri­tät haben.

 

Fakt > Pho­to­vol­taik und Wind­in­dus­trie sind, abge­se­hen von weni­gen beson­ders bevor­zug­ten Lagen, in Deutsch­land ein rei­nes poli­ti­sches Pla­cebo – aller­dings ohne nen­nens­wer­ten Effekt, dafür mit star­ken nega­ti­ven Neben­wir­kun­gen.

Warum?


(1) Beitrag von Photovoltaik- und Windenergienutzung zur Energieversorgung in Deutschland

In Deutsch­land sind bereits enorme Kapa­zi­tä­ten zur Erzeu­gung von Strom aus Wind­kraft und Pho­to­vol­taik instal­liert. Was die instal­lie­ren Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten die­ser bei­den For­men der Ener­gie­er­zeu­gung betrifft ist, Deutsch­land in Europa ein­sa­mer Spit­zen­rei­ter. Daher würde man erwar­ten, dass Wind­kraft und Pho­to­vol­taik auch ent­spre­chend zur Ener­gie­ver­sor­gung Deutsch­lands bei­tra­gen.

Inso­fern mag es ver­wun­dern, dass der Bei­trag die­ser bei­den erneu­er­ba­ren Ener­gien zur Ener­gie­ver­sor­gung unse­res Lan­des zusam­men gerade mal 2 Pro­zent beträgt. Im Jahr 2013 trug die Wind­kraft mit 1,3 und die Pho­to­vol­taik mit 0,7 % zur Deckung unse­res Ener­gie­be­darfs bei.

primärenergie2013

Anteile ein­zel­ner Ener­gie­trä­ger am Pri­mär­ener­gie­be­darf 2013. Quelle: Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Ener­gie.

Betrach­tet man nur die Kom­po­nente des Strom­be­darfs – was unter dem Gesichts­punkt Umwelt­freund­lich­keit der Ener­gie­ver­sor­gung eine extrem ver­engte Per­spek­tive bedingt, denn die­ser macht nur ein gutes Fünf­tel unse­res Ener­gie­ver­brauchs aus – so lag der Bei­trag von Wind­kraft und Pho­to­vol­taik in 2013 zusam­men bei rund 11 % .

Bruttostromerzeugung

Anteile ein­zel­ner Ener­gie­trä­ger an der Brut­to­strom­erzeu­gung 2013. Quelle: Bun­des­ver­band der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft.

Diese Dis­kre­panz zwi­schen instal­lier­ter Leis­tung und tat­säch­li­chem Bei­trag zur Ver­sor­gung ist einem fun­da­men­ta­len Pro­blem der Pho­to­vol­taik und Wind­kraft geschul­det: Diese bei­den rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie­quel­len sind „dar­ge­bots­ab­hän­gig.“

Wind und Sonne wehen und schei­nen eben nicht bestän­dig.

Kon­se­quen­zen:

  1. Deut­sche Wind­kraft­an­la­gen errei­chen weni­ger als 1.600 Voll­la­stun­den im Jahr.
  2. Deut­sche Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen kom­men auf rund 900 Voll­last­stun­den.
  3. Das deut­sche Jahr hat 8.760 Stun­den.
  4. Die 1600 und 900 Stun­den kön­nen nicht addiert wer­den, da der Wind nicht aus­schließ­lich nachts weht, sich die ent­spre­chen­den Stun­den also über­lap­pen.

Diese Umstände sind nicht durch poli­ti­sche Pla­nung zu ändern, son­dern natur­ge­setz­lich deter­mi­niert.

Für die deut­schen Kraft­werke ins­ge­samt ergibt sich die­ses Bild:

Aus­nut­zungs­dauer deut­scher Kraft­werke in Stun­den

Die Abbil­dung stammt vom BDEW und ent­hält die aktu­ells­ten ver­füg­ba­ren Zah­len (aus 2007). Es gibt sie hier zum Down­load.

Beim Ver­gleich der Zah­len muss man beden­ken, dass Wind­kraft und Pho­to­vol­taik seit 1991 gesetz­li­chen Ein­spei­se­vor­rang genie­ßen.

Die 1.550 bzw. 910 Stun­den ent­spre­chen also prak­tisch dem maxi­mal Mög­li­chen. Die geringe Aus­nut­zung deut­scher Wind­kraft- und PV-Anla­gen ist kei­nes­wegs bösem Wil­len, son­dern schlicht der Natur der Sache geschul­det.

Die ent­spre­chen­den Zah­len der ande­ren Kraft­wer­ken lie­gen dage­gen unter­halb des Mög­li­chen, da sie Wind- und PV-Strom Vor­fahrt gewäh­ren müs­sen. Wobei die am teu­ers­ten her­un­ter- und her­auf­zu­fah­ren­den Kraft­werke (Kern­kraft und Braun­kohle) die geringste Anpas­sungs­leis­tung erbrin­gen – also auf die höchs­ten Stun­den­zah­len und dem maxi­mal Mög­li­chen am nächs­ten kom­men.

Diese Umstände machen Wind­kraft und Pho­to­vol­taik – nach jet­zi­gem Stand der Tech­nik – als Alter­na­ti­ven zu kon­ven­tio­nel­len Kraft­wer­ken aus zwei Grün­den untaug­lich:

(2) Missverhältnis zwischen installierter Kapazität und tatsächlicher Erzeugung

Betrei­ber von Wind­kraft- und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen argu­men­tie­ren in aller Regel mit dem Nenn­wert von Anla­gen, also der instal­lier­ten Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät.

So rech­nen sie bei­spiels­weise vor, dass ein „Wind­park“ meh­rere hun­dert oder gar tau­send Haus­halte ver­sorge. Bei die­sen Rech­nun­gen wird der fun­da­men­tale Unter­schied zwi­schen elek­tri­scher Leis­tung (der rech­ne­ri­schen Kapa­zi­tät) und elek­tri­scher Arbeit (der tat­säch­li­chen Strom­erzeu­gung) gern über­se­hen oder bewusst ver­schlei­ert.

Die instal­lierte Leis­tung beschreibt das Poten­zial oder die Kapa­zi­tät einer Anlage. Dage­gen beschreibt die Strom­erzeu­gung den Out­put der Anlage, der für die Strom­ver­sor­gung zur Ver­fü­gung steht.

In Ana­lo­gie zum PKW gibt die Kapa­zi­tät Aus­kunft über die PS-Zahl. Die tat­säch­li­che Strom­erzeu­gung ent­spricht dage­gen den gefah­re­nen Kilo­me­tern.

Eine hohe instal­lierte Leis­tung bedeu­tet nicht zwangs­läu­fig eine hohe Strom­erzeu­gung. Eine kleine Anlage, die dau­er­haft nahe ihrer maxi­ma­len Leis­tung – unter Voll­last – betrie­ben wird, kann inner­halb eines Jah­res mehr Strom erzeu­gen, als eine große Anlage, die nur pha­sen­weise ihre maxi­male Leis­tung erreicht oder vor­über­ge­hend still steht.

Pho­to­vol­taik-Anla­gen erzeu­gen bei Dun­kel­heit kei­nen Strom und errei­chen nur bei inten­si­ver Son­nen­ein­strah­lung ihre maxi­male Leis­tung. Auch Wind­kraft­an­la­gen lau­fen nur rund ein Vier­tel des Jah­res unter Voll­last.

Der instal­lier­ten Kapa­zi­tät steht daher eine geringe tat­säch­li­che Pro­duk­tion gegen­über. Bei den dar­ge­bots­un­ab­hän­gi­gen erneu­er­ba­ren Ener­gien Was­ser­kraft und Bio­masse ist das anders. Ent­spre­chend wei­sen sie zwar einen rela­tiv klei­nen Anteil an der instal­lier­ten Leis­tung auf, erzeu­gen jedoch dank ihrer hohen Ver­füg­bar­keit und Aus­las­tung knapp die Hälfte des Stroms aus erneu­er­ba­ren Ener­gien.

Bei der Wind­kraft ist das Ver­hält­nis umge­kehrt. Ihr Anteil an der instal­lier­ten Leis­tung ist grö­ßer als ihr Anteil an der Strom­erzeu­gung. Noch deut­li­cher ist das Miss­ver­hält­nis zwi­schen Kapa­zi­tät und Pro­duk­tion bei der Pho­to­vol­taik wie aus der Abbil­dung ersicht­lich:

Anteile an instal­lier­ter Leis­tung Strom­erzeu­gung inner­halb der erneu­er­ba­ren Ener­gien. Quelle: Bun­des­ver­band der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft (2012)

Die Aus­beute in Form des im Jah­res­ver­lauf tat­säch­lich erzeug­ten Stroms im Ver­hält­nis zum Ein­satz, also der instal­lier­ten Leis­tung, ist bei Wind­kraft an Land also ziem­lich schlecht. Bei der Pho­to­vol­taik ist diese Aus­beute noch schlech­ter. Der durch das EEG for­cierte Zubau von Wind­kraft- und PV-Anla­gen hat also einen sehr gerin­gen ener­ge­ti­schen Nut­zen.

Um die­ses offen­kun­dige Manko zu mil­dern, und den Wir­kungs­grad – das Ver­hält­nis von instal­lier­ter Kapa­zi­tät zu tat­säch­li­cher Erzeu­gung – zu erhö­hen,

müsste man im Bereich Wind­kraft die Anla­gen an den guten Stand­or­ten tech­nisch auf­rüs­ten (Re-Power­ing) und vor allem die Pro­duk­tion auf hoher See (wo der Wind regel­mä­ßig weht, die Aus­las­tung also hoch ist) aus­bauen

schluss­fol­gert dar­aus der Bun­des­ver­band der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft (2012, S.13).

Das klingt zunächst ein­mal nahe­lie­gend.

(3) Fehlplanungen trotz eindeutiger Zahlen

Was jedoch nun in Mit­tel­ge­birgs­re­gio­nen geplant wird, geht genau in die fal­sche Rich­tung. In immer win­där­me­ren Gegen­den sol­len nun immer grö­ßere und leis­tungs­fä­hi­gere Anla­gen instal­liert wer­den. Man betreibt Kapa­zi­täts­auf­bau auf Teu­fel komm’ raus. 

In der PKW-Ano­lo­gie bedeu­tet das:

Die Kom­mu­nen in den deut­schen Mit­tel­ge­bir­gen schaf­fen sich in Form von “Bür­ger­wind­parks” auf Kos­ten der deut­schen Strom­kun­den eine ganze Flotte PS-star­ker Por­sches und Fer­ra­ris an, die aber nur im ver­kehrs­be­ru­hig­ten Bereich fah­ren dür­fen. Die nahe­lie­gende Alter­na­tive, auf schma­len Sträß­chen auf das Fahr­rad zu set­zen (bspw. sich auf die hier ver­gleichs­weise reich­lich vor­han­dene Bio­masse zu beschrän­ken) oder ein­fach zu Fuß zu gehen wird nicht ergrif­fen. Die zweit­beste Mög­lich­keit wäre, mit den Por­sches wenigs­ten Fahr­ge­mein­schaf­ten zu bil­den.

Dies wird in vie­len Kom­mu­nen aber rigo­ros abge­lehnt – dazu ist man zu stolz. Anstatt sich mit umlie­gen­den Krei­sen zusam­men­zu­schlie­ßen, will man par­tout einen eige­nen PS-Bul­li­den anschaf­fen. Die All­ge­mein­heit bezahlt es schließ­lich…

Eine sol­che Irra­tio­na­li­tät wird ein­zig durch die EEG-För­de­rung mög­lich, wel­che die wah­ren Kos­ten ver­schlei­ert und volks­wirt­schaft­lich unsin­nige Pro­jekte ein­zel­wirt­schaft­lich ren­ta­bel macht.

Auf­grund des gerin­gen Wir­kungs­gra­des der dar­ge­bots­ab­hän­gi­gen Quel­len Wind und Sonne ist die Bilanz der Erneu­er­ba­ren-Ener­gien-Poli­tik gera­dezu erschre­cken dürf­tig: Im euro­päi­schen Ver­gleich belegt Deutsch­land trotz der bei­spiel­lo­sen För­de­rung und enor­mer Kapa­zi­tä­ten nur einen mage­ren Mit­tel­feld­platz, wenn man das wirk­lich rele­vante Kri­te­rium – den Anteil der erneu­er­ba­ren Ener­gien am gesam­ten Ener­gie­ver­brauch – betrach­tet:

Quelle: Sach­ver­stän­di­gen­rat, Jah­res­gut­ach­ten 2011/12 , S.47

Schwe­den, Finn­land, Öster­reich, Por­tu­gal und selbst Rumä­nien und Bul­ga­rien schnei­den dabei deut­lich bes­ser ab als wir, die ver­meint­li­chen Mus­ter­kna­ben. Dies liegt zum einen daran, dass diese Län­der mehr auf Was­ser­kraft und Bio­masse (also nicht vola­tile Ener­gie­trä­ger) set­zen und/oder die Natur dort in der Bereit­stel­lung von Sonne und Wind spen­da­bler und weni­ger lau­nisch ist. Außer­dem ver­brau­chen diese Län­der ins­ge­samt weni­ger Strom als Deutsch­land, was es ein­fa­cher macht, einen hohen Anteil aus rege­ne­ra­ti­ven Quel­len zu decken.

Zwi­schen­fa­zit : Wollte man wirk­lich Kohle- und Atom­strom (die gegen­wär­tig 61% zur Strom­ver­sor­gung bei­tra­gen) durch in Deutsch­land instal­lierte Wind­kraft und Pho­to­vol­taik erset­zen, müsste man die Kapa­zi­tä­ten gegen­über heute ver­sechs­fa­chen. Wollte man sich der fos­si­len Ener­gie­trä­gern kom­plett ent­le­di­gen, also auch Erd­gas erset­zen, ver­sie­ben­fa­chen.

Statt 22.000 bräuchte man dann – über­schlags­mä­ßig gerech­net und nur zur Ver­an­schau­li­chung der Dimen­sion – 154.000 Wind­kraft­an­la­gen. Dass eine Ver­sie­ben­fa­chung der Kapa­zi­tät nicht mög­lich ist, ohne das Land öko­lo­gisch und öko­no­misch völ­lig zugrunde zu rich­ten, liegt auf der Hand.

Allein auf­grund des Miss­ver­hält­nis­ses zwi­schen Kapa­zi­tät und Leis­tung sind Pho­to­vol­taik und Wind­kraft somit keine Alter­na­ti­ven zu kon­ven­tio­nel­len Ener­gie­trä­gern. Aber die Rea­li­tät ist noch etwas kom­ple­xer:

(4) Mangelnde Grundlastfähigkeit erfordert neue konventionelle Reservekapazitäten 

Für die Ver­sor­gungs­si­cher­heit und die Sta­bi­li­tät der Strom­netze ist es zwin­gend erfor­der­lich, eine kon­stante Span­nung auf­recht­zu­er­hal­ten. Diese soge­nannte Grund­last muss rund um die Uhr gedeckt sein. Wind­kraft und Sonne als dar­ge­bots­ab­hän­gige Quel­len kön­nen dies nicht gewähr­leis­ten – sie sind nicht „grund­last­fä­hig.“

Bio­masse und Was­ser­kraft sind im Prin­zip grund­last­fä­hig, sie ste­hen in Deutsch­land aber nicht in aus­rei­chen­dem Maße zur Ver­fü­gung. Die Grund­last muss daher von den kon­ven­tio­nel­len Ener­gie­trä­gern Kohle, Gas und (noch) Kern­kraft abge­deckt wer­den. Auf­grund des Ein­spei­se­vor­rangs der Erneu­er­ba­ren Ener­gien müs­sen die kon­ven­tio­nel­len Kraft­werke jeweils die Schwan­kun­gen aus­glei­chen. Das bedeu­tet, dass diese Kraft­werke nicht unter ener­ge­tisch und betriebs­wirt­schaft­lich opti­ma­len Bedin­gun­gen betrie­ben wer­den kön­nen.

Statt gleich­mä­ßig unter Voll­last und damit effi­zi­ent, müs­sen die kon­ven­tio­nel­len Kraft­werke in einem sub­op­ti­ma­len Modus betrie­ben wer­den. Ihr Wir­kungs­grad wird somit künst­lich her­ab­ge­setzt. Dies macht ihrer Ener­gie­pro­duk­tion teu­rer und umwelt­schäd­li­cher als sie sein müsste. Je wei­ter die Kapa­zi­tä­ten der nicht-grund­last­fä­hi­gen Quel­len Wind­kraft und PV aus­ge­wei­tet wer­den, desto gra­vie­ren­der wird die­ses Pro­blem.

Grund­sätz­lich eig­nen sich Kohle- und Kern­kraft­werke ohne­hin nur sehr bedingt zum Aus­gleich kurz­fris­ti­ger Schwan­kun­gen – ihr Hoch- und Her­un­ter­fah­ren ist sehr kost­spie­lig. Meh­rere Male kam es daher bereits zu der bemer­kens­wer­ten Situa­tion, dass Deutsch­land zu nega­ti­ven Prei­sen Strom ins Aus­land expor­tie­ren musste.

Exkurs – nega­tive Strom­preise

Unter nicht unrea­lis­ti­schen Vor­raus­set­zun­gen, die bereits meh­rere Male ein­ge­tre­ten sind, kann es pas­sie­ren, dass deut­scher Strom zu nega­ti­ven Prei­sen ins Aus­land ver­kauft wird – wir also Geld dafür bezah­len, dass andere Län­der (i.W. Öster­reich und Polen) uns Strom abneh­men. Dies pas­siert wenn Zei­ten star­ken Winds und star­ker Son­nen­ein­strah­lung, also hoher Pro­duk­tion von Wind­kraft und PV, in Kom­bi­na­tion mit gerin­ger Nach­frage (bspw. am Wochen­ende). Die Anla­gen­be­trei­ber erhal­ten ihre fes­ten Ver­gü­tun­gen in jedem Fall und haben keine Ver­an­las­sung, sich der Markt­lage anzu­pas­sen. So sind die Betrei­ber kon­ven­tio­nel­ler Kraft­werke gezwun­gen ihre Pro­duk­tion her­un­ter­zu­fah­ren und die Netz­sta­bi­li­tät zu gewähr­leis­ten. Da kurz­fris­ti­ges Dros­seln und Aus­wei­ten der Pro­duk­tion jedoch sehr teuer ist, kann es betriebs­wirt­schaft­lich vor­teil­haft sein, die Pro­duk­tion auf­recht­zu­er­hal­ten und den nicht gewoll­ten Strom zu expor­tie­ren. Im Zwei­fel bezahlt man sogar Geld dafür, dies tun zu dür­fen – nega­tive Strom­preise ent­ste­hen. Der Gip­fel öko­no­mi­scher und öko­lo­gi­scher Absur­di­tät. Siehe auch hier…

Unab­hän­gig vom Aus­stieg aus der Kern­kraft erfor­dert der Aus­bau von Kapa­zi­tä­ten zur Ener­gie­er­zeu­gung aus vola­ti­len Quel­len die zusätz­li­che Bereit­stel­lung soge­nann­ter „Regel­ener­gie“ oder Back-up-Kapa­zi­tät, die im Bedarfs­fall die Ver­sor­gungs­lü­cken schlie­ßen kann.

Viel­fach wird dem ent­ge­gen­ge­hal­ten, dass man den Strom aus Wind­kraft und Pho­to­vol­taik spei­chern könne, sich das Grund­last­pro­blem dem­nach gar nicht stelle. “Gibt’s ‘nen Akku für grü­nen Strom?” fragt Frau Weiß in der Anzeige eines Ener­gie­ver­sor­gers. Unsere Ant­wort: Es gibt weder grü­nen Strom noch Akkus dafür.

Durch den Zubau von Wind­kraft- und PV-Kapa­zi­tä­ten wer­den kon­ven­tio­nelle Kraft­werke also kei­nes­wegs ent­behr­lich. Im Gegen­teil, in dem Maße wie der Aus­bau der vola­ti­len Erneu­er­ba­ren Ener­gie zusätz­li­che Regel­ener­gie erfor­der­lich macht, müs­sen nun sogar neue Kraft­werke gebaut wer­den.

Diese nun von der Poli­tik vehe­ment gefor­der­ten neuen Gas­kraft­werke (siehe BMWi-Kam­pa­gne Kraft­werke – ja, bitte!) wer­den aller­dings von Beginn an zum Lücken­bü­ßer­da­sein ver­dammt und las­sen sich des­halb nicht ren­ta­bel betrei­ben. Es wer­den neue Sub­ven­tio­nen nötig, um Inves­to­ren zu gewin­nen.

Im Ergeb­nis führt der for­cierte Aus­bau von Wind­kraft und Pho­to­vol­taik – unab­hän­gig vom Aus­stieg aus der Kern­kraft – dazu, dass bestehende kon­ven­tio­nelle Koh­le­kraft­werke unren­ta­bel wer­den (für den Stop&Go-Betrieb sind sie schlecht geeig­net) und des­halb durch neue, von vorn­her­ein unren­ta­ble und des­halb sub­ven­ti­ons­be­dürf­tige Gas­kraft­werke ersetzt wer­den.

Etwas holz­schnitt­ar­tig, aber tref­fend stellt diese Abbil­dung die Zusam­men­hänge dar:

Quelle: www.science-skeptical.de/

Fazit

Wind­kraft und Pho­to­vol­taik lie­fern bis­lang kei­nen nen­nens­wer­ten Bei­trag zur Ener­gie­ver­sor­gung in Deutsch­land. Sie sind dazu nach jet­zi­gem Stand der Tech­nik auch – bis auf ein­zelne bevor­zugte Lagen – nicht geeig­net. Der krampf­hafte Ver­such, sich mit­tels Sub­ven­tio­nen gegen phy­si­ka­li­sche Gesetze und öko­no­mi­sche Zusam­men­hänge zu behaup­ten, ist teuer und öko­lo­gisch nutz­los.

Den­noch wird die Poli­tik nicht müde, sich mit immer ehr­gei­zi­ge­ren Zie­len und Ver­kün­di­gun­gen zum Aus­bau von Wind­kraft und PV zu über­bie­ten.

Wie kommt das?

Aus öko­lo­gi­scher und öko­no­mi­scher Sicht bie­tet die der­zei­tige Erneu­er­ba­ren För­de­rung keine Lösung, son­dern ver­schärft nur das Pro­blem. Sie ist ein Pla­cebo ohne nen­nens­wer­ten Effekt.

In poli­ti­scher Hin­sicht ist sie hin­ge­gen sehr ratio­nal. Jeder Wind­park der eröff­net, jede Solar­an­lage, die in Betrieb genom­men wird, gibt Kom­mu­nal­po­li­ti­kern Gele­gen­heit, sich als Weg­be­rei­ter des grü­nen Fort­schritts dar­zu­stel­len.

Und den Ver­tre­tern der Bun­des- und Lan­des­po­li­tik die­nen die Aus­bau­zah­len als Tätig­keits­nach­weis gegen­über ihrer Wäh­ler­schaft. Sie sug­ge­rie­ren, die „Ener­gie­wende“ sei auf einem guten Weg. Unterm Strich erfüllt der rasante Aus­bau nicht nach­hal­ti­ger tech­no­lo­gi­scher Ansätze nur einen ein­zi­gen Zweck – den der poli­ti­schen Kom­mu­ni­ka­tion.

Die Befürch­tung des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats

Es ist zu befürch­ten, dass diese Unsi­cher­heit bei gleich­zei­ti­gem hohen öffent­li­chen Druck, Erfolge vor­zu­wei­sen, die wirt­schafts­po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger erneut dazu ver­an­lasst, nach Metho­den der Mikro­steue­rung zu grei­fen. Fast unaus­weich­lich sind die Maß­nah­men sol­cher Poli­tik oft unko­or­di­niert und damit zum Teil auch in sich inkon­sis­tent.

Neben den Sub­ven­tio­nen für erneu­er­bare Ener­gien und den Kapa­zi­täts­sub­ven­tio­nen für den Kraft­werks­bau wer­den zugleich Sub­ven­tio­nen für Spei­cher, Netze, Gebäu­de­däm­mung, Haus­halts­ge­räte, Elek­tro­au­tos und vie­les mehr dis­ku­tiert, geplant und beschlos­sen. Der Strom­sek­tor ist so von einem Wust an nicht abge­stimm­ten Zie­len, Ein­zel­maß­nah­men und Not­fall­ver­ord­nun­gen über­zo­gen wor­den. Seine Fort­ent­wick­lung droht – irgendwo zwi­schen Libe­ra­li­sie­rung und Regu­lie­rung – ste­cken zu blei­ben.

scheint höchst berech­tigt.

Die Kraft der Ver­nunft legt nahe,

  • sich von Mach­bar­keitsil­lu­sio­nen und ideo­lo­gi­schen Scheu­klap­pen zu ver­ab­schie­den und die Augen für die phy­si­ka­li­schen und öko­no­mi­schen Rea­li­tä­ten zu öff­nen;
  • also anzu­er­ken­nen, dass Wind­kraft und PV auf Basis der ver­füg­ba­ren Tech­no­lo­gien sehr wenig zur Errei­chung des ener­gie­po­li­ti­schen Ziel­ka­nons Ver­sor­gungs­si­cher­heit, Wirt­schaft­lich­keit und Umwelt­freund­lich­keit bei­tra­gen kön­nen, son­dern dabei eher hin­der­lich sind,
  • die För­de­rung rege­ne­ra­ti­ver Ener­gien nicht nach Maß­gabe der poli­ti­schen Sicht­bar­keit der Anla­gen, son­dern nach dem erwart­ba­ren Bei­trag zur Errei­chung die­ses Ziel­ka­nons aus­zu­rich­ten.

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