Der August markiert den Höhepunkt des Hochsommers. Von Amrum bis Zypern ist eitler Sonnenschein nahezu garantiert, für die meisten Europäer steht die Lebensqualität im Zenit. Allen Lesern unserer Seite wünschen wir, dass es ihnen dieser Tage ähnlich ergehe. Hinsichtlich der Umweltwirkungen der Energieerzeugungsart, die ganz auf den Sonnenschein setzt, wurden am 13. August 2026 allerdings neue Erkenntnisse veröffentlicht, die ökologische Schatten auf die Paneele werfen.
Wohlgemerkt, auf Freiflächen-PV-Anlagen. Bereits in unserer Stellungnahme zum EEG-Entwurf hatten wir auf deren – im Vergleich zur erzeugten Energie – unverhältnismäßigen Landverbrauch hingewiesen. Durch den Beitrag in der Zeitschrift Ambio* sehen wir uns in der Kritik solcher PV-Großprojekte (in hiesigen Breiten) tendenziell bestätigt:
*Ambio veröffentlicht Forschungsergebnisse für ein globales Publikum zu den Wechselbeziehungen zwischen Umwelt und Gesellschaft, wobei der Schwerpunkt sowohl auf der naturwissenschaftlichen als auch auf der sozialwissenschaftlichen Dimension von Nachhaltigkeitsherausforderungen liegt.
Auf Grundlage einer Metaanalyse von gepaarten Feldbeobachtungen an 55 Standorten weltweit zeigen die Autoren, dass Solaranlagen unterschiedliche Auswirkungen auf die oberirdische Biomasse in den Bereichen unter den Modulen im Vergleich zu den Lückenbereichen haben – je nachdem ob Verschattungseffekt oder veränderte Wasserverhältnisse überwiegen. Demnach beträgt die Fläche, auf der die Biomasseproduktion durch Infrastruktur zur Solarstromerzeugung nicht verringert wird, 11,67 Millionen km2 – im Umkehrschluss würde die Biomasseproduktion also auf 92% der weltweiten Landfläche bei Installation von PV-Freiflächenanlagen zurückgehen. Vulgärokologisch ausgedrückt: der “Grünstrom” würde die Welt weniger grün machen. Aber nicht nur die bloße Menge, auch die Qualität “des Grünen” würde wahrscheinlich beeinträchtigt:
In der Folgewoche, am 20. August 2026, erschien in der Zeitschrift Science ein Beitrag, der für China einen Zusammenhang zwischen Photovoltaik-Ausbau und dem Verlust biologischer Vielfalt nachweist.
Die Autoren stellten fest, dass in Bezirken mit den photovoltaikfreundlichsten Richtlinien ein Rückgang der Vogelvielfalt zu verzeichnen ist, der in erster Linie auf die Umwidmung von Flächen zurückgeführt wird.
Am selben Tag berichtete das PV Magazine von der Inbetriebnahme eines neuen Photovoltaikkraftwerks – den Begriff “Park” vermeiden wir bewusst – in Brandenburg:
Den Angaben der Finanzierer, der Deutsche Anlagen-Leasing GmbH & Co. KG (DAL), zufolge wurden Biodiversitätsaspekte bei der Planung und Errichtung intensiv mitbedacht. Dass diese im Vergleich zur Praxis in China eine höhere Gewichtung erfuhren, scheint plausibel. Weniger plausibel erscheint uns die seinen Werbeseiten aufgestellte Behauptung, wonach das Kraftwerk die Artenvielfalt gar steigern würde. Irreführend erscheint uns jedenfalls die Angabe, wonach diese Anlage subventionsfreien Sonnenstrom erzeugen würde:
Tatschlich sind 3/4 der Produktion des Kraftwerks für den geplanten Elektrolyseur REFHYNE 2 gedacht, der die Raffinerie Wesseling künftig mit grünem Wasserstoff versorgen soll. Dafür müssen eigene Wind- und Solaranlagen gebaut werden. Denn bedingt u. a. durch den Kernkraftausstieg ist der deutsche Strommix so CO2-intensiv, dass Elektrolyseure (anders als bspw. in Frankreich) keine Grundlast aus dem Netz ziehen dürfen, sondern strikt durch eigene EE-Erzeuger beliefert werden müssen. Das heißt, die Elektrolyseure dürfen nur dann laufen, wenn die Windkraft- und/oder PV-Anlagen tatsächlich gerade den dafür nötigen Strom erzeugen. Das Resultat ist ein extrem ineffizienter, diskontinuierlicher Betrieb, der die Gestehungskosten des Wasserstoffs in die Höhe treibt. Windkraft und Photovoltaik präsentieren hier ihre enormen Systemkosten.
Da diese so hoch sind, wie sind, ist der geplant Elektrolyseur nicht wirtschaftlich: REFHYNE 2 wird mit 32 Mio. € aus EU-Steuermitteln bezuschusst. Die Subventionen erreichen das Photovoltaikkraftwerk Halenbeck II also mittelbar. Zudem gibt es noch einen regulatorischen Hebel: Mineralölkonzerne müssen gesetzliche Treibhausgaseinsparungen (THG-Quoten) erfüllen. Der teure grüne Wasserstoff hilft, Strafzahlungen zu vermeiden. Das Projekt wird also aus rein regulatorischen Opportunitätskosten künstlich profitabel gerechnet.
Aufmerksame Beobachter mögen sich fragen, wie und von wem die Mehrkosten für diesen ineffizient produzierten Wasserstoff getragen werden…und beim Tanken auf die Antwort kommen: Die Kosten werden auf mineralische Kraftstoffe umgelegt. Derartige Konstrukte treiben am Ende des Tages schlicht die Treibstoffkosten weiter nach oben.
Die Landschaftsästhetik wird auf den Werbeseiten des Kraftwerks gar nicht thematisiert, die dort einsehbaren Bilder sprechen aber für sich.
Es bleibt dabei: Gegen Photovoltaik auf Gebäuden, Parkplätzen und anderweitig versiegelten Flächen ist aus ökologischer Sicht wenig einzuwenden. Auf Freiflächen und im großen Stil auf fruchtbaren Böden verbaut, steht sie zwangsläufig in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und verschärft den Druck auf ökologisch sensible Lebensräume. Nein, danke.






