Im Nachgang zum Windkraft-Gipfel in Warne­münde wurden den VERNUNFTKRAFT.-Referen­ten seitens kriti­scher Zuhörer einige schrift­li­che Fragen gestellt. Die entspre­chen­den Antwor­ten von Nikolai Ziegler und Detlef Ahlborn finden Sie hier.

 

1. “Wenn aus Ihrer Sicht die Energie­wende geschei­tert ist, wie sollen wir aus Ihrer Sicht ausrei­chend Strom ohne AKW produ­zie­ren?”

 
 

Solar- und Windkraft­werke sind nicht in der Lage, in jedem Augen­blick ausrei­chend elektri­sche Leistung bzw. Strom zur Verfü­gung zu stellen. Weil es windstille Nächte in ganz Deutsch­land gibt, liegt die sicher zur Verfü­gung stehende Leistung dieser beiden sog. Erneu­er­ba­ren Energien bei Null. An dieser Tatsa­che werden noch so viele Windkraft­an­la­gen in Deutsch­land nichts ändern. Die physi­ka­li­schen und mathe­ma­ti­schen Zusam­men­hänge werden unter den folgen­den Links ausführ­lich und detail­liert disku­tiert:

https://www.vernunftkraft.de/statistik/

https://www.vernunftkraft.de/windkraft-versus-wuerfeln/

Es ist daher keine Frage von Sicht­wei­sen, sondern elemen­tare Physik und funda­men­tale Sätze der mathe­ma­ti­schen Statis­tik, die erzwin­gen, für die demnächst abgeschal­te­ten Atomkraft­werke konven­tio­nelle Kraft­werke zum Ersatz der AKW’s zu bauen, schließ­lich sind Speicher­tech­no­lo­gien vom großtech­ni­schen Einsatz weit entfernt.

 
  2. “Wie soll der Energie­hun­ger aufge­löst werden? Und beach­ten Sie dabei das  Energie­ein­spar­po­ten­tial (Sowohl bei Strom, Wärme, Verkehr und Wasser) bei recht­lich gesicher­ten nach den Krite­rien des REPV.”  
 

Unser Energie­be­darf ergibt sich aus den großen Positio­nen Strom, Wärme und Verkehr. Dieser Bedarf kann nicht aufge­löst werden, wenn wir nicht auf den techno­lo­gi­schen Stand eines Entwick­lungs­lan­des zurück­fal­len wollen. Natür­lich gibt es zahllose Möglich­kei­ten zur Reduzie­rung des ‚Energie­hun­gers’, etwa durch verbes­serte Haushei­zun­gen, effizi­en­tere Kraft­werke, sparsame Fahrzeuge. Letzte­res bedeu­tet übrigens vor allem kleinere und leich­tere Autos. Technisch sind solche Fahrzeuge längst umgesetzt, wie folgen­der Link zeigen möge: http://de.wikipedia.org/wiki/VW_XL1

Hierbei möge man beden­ken, dass die physi­ka­li­schen Gesetze zur Verbes­se­rung der energe­ti­schen Effizi­enz von Kraft­wer­ken, Heizun­gen und Fahrzeu­gen zur Allge­mein­bil­dung eines jedes Ingenieurs zählen. Am Ende bleibt nur die Frage, welche Lösun­gen zur Effizi­enz­ver­bes­se­rung markt­fä­hig sind. 

 
  3. “Hätten Sie sich Mitte des 19 Jhd. Auch gegen die Ablösung der Dampf­lo­ko­mo­ti­ven engagiert, dass es volks­wirt­schaft­lich Wahnsinn wäre, das Schie­nen­netz zu verstromen?”  
 

Kein Ingenieur und kein Unter­neh­men kann und wird sich einer Verbes­se­rung der ökono­mi­schen und techni­schen Effizi­enz seiner Produkte verschlie­ßen. Die Elektro­lo­ko­mo­tive ist geradezu ein Parade­bei­spiel dafür, wie sich die energe­ti­sche Effizi­enz durch Zentra­li­sie­rung der Strom­erzeu­gung verbes­sern lässt, weil die thermi­schen Wirkungs­grade eines Großkraft­werks nun mal wesent­lich besser sind als die Wirkungs­grade einer Dampf­lo­ko­mo­tive. Darüber hinaus sind Elektro­lo­ko­mo­ti­ven bei gegebe­nem Gewicht wesent­lich leistungs­fä­hi­ger als Dampf­lo­ko­mo­ti­ven. Welcher Ingenieur wollte sich dem verschlie­ßen? Deshalb war es auch volks­wirt­schaft­lich richtig, Bahnli­nien zu elektri­fi­zie­ren. Im Übrigen haben sich Dampf­lo­ko­mo­ti­ven in Deutsch­land erst nach 1950 vom Markt verab­schie­det.

 
  4. “Was Herr Ziegler sagen Sie den Menschen, die in der EE Branche arbei­ten? Das sie überflüs­sig sind?”  
 

Was ich Menschen sage, hängt davon ab, was sie mich fragen. Als überflüs­sig betrachte ich Menschen grund­sätz­lich nicht – wohl aber Fragen, die einzig auf Provo­ka­tion gerich­tet sind.

Unter­stellt, die Beschäf­tig­ten in allein durch die EEG-Zahlun­gen etablier­ten und lebens­fä­hi­gen Unter­neh­men und Branchen fragten mich nach dem volks­wirt­schaft­li­chen Nutzen ihrer Tätig­keit…

…so würde ich den Damen und Herren antwor­ten, dass dieser leider negativ ist.

Damit ist keine Aussage über den Fleiß, die Arbeits­qua­li­tät oder gar die charak­ter­li­che Eignung der Damen und Herren getrof­fen.

Es ist ledig­lich die Tatsa­che umschrie­ben, dass alles, was die Damen und Herren produ­zie­ren, (größen­ord­nungs­mä­ßig) Kosten in Höhe von rund 20 Milli­ar­den Euro pro Jahr verur­sacht, aber nur rund 2 Milli­ar­den wert ist.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/eeg-umlage-oekostrom-kostet-jeden-deutschen-240-euro-im-jahr-12743150.html

Die „Wertschöp­fung“ ist eindeu­tig negativ, es handelt sich um Wertvernich­tung.

Überflüs­sig sind nicht die Menschen, überflüs­sig ist das Subven­ti­ons­sys­tem, welches eine solche gigan­ti­sche Ressour­cen­ver­schwen­dung ermög­licht.

Diese Ressour­cen­ver­schwen­dung ist übrigens noch viel größer, als es in stati­scher Betrach­tung – durch den Vergleich von Kosten und Nutzen des EEG-Stroms –  offen­bar wird.

Mindes­tens so gravie­rend ist die durch über 20 Jahre garan­tierte Abnah­me­preise hervor­ge­ru­fene Fehlal­lo­ka­tion produk­ti­ver Ressour­cen: Die vielen gut ausge­bil­de­ten und intel­li­gen­ten Leute, die sich jetzt auf das Einheim­sen von Subven­tio­nen und das Verteidigen/den Ausbau von subven­ti­ons­be­grün­den­den Geset­zes­wer­ken spezia­li­siert haben, fehlen unserer Volks­wirt­schaft an anderer Stelle.

Beispiels­weise in der Forschung oder in anderen selbst­tra­gen­den und Werte generie­ren­den Wirtschafts­zwei­gen. Geld und Talente werden in unpro­duk­tive Verwen­dun­gen gelockt.

Das Subven­ti­ons­sys­tem setzt falsche Anreize und macht träge. Diesen, seitens des Sachver­stän­di­gen­ra­tes zur Begut­ach­tung der gesamt­wirt­schaft­li­chen Lage wieder­holt vorher­ge­sag­ten, Effekt hat die Exper­ten­kom­mis­sion des Bundes­ta­ges für Forschung und Innova­tion empirisch bestä­tigt gefun­den. Siehe auch:

https://www.vernunftkraft.de/mythos‑7/

https://www.vernunftkraft.de/gutachten-gebietet-gutes-absurdes-abzuschaffen-alternativlos/

 
  5. “Warum Herr Ziegler beunru­higt Sie der Betrieb von Windener­gie­an­la­gen in Hinblick auf die Umwelt­ver­träg­lich­keit mehr, als der Betrieb von AKWs und mit welchem Mittel soll man das Strah­len­ri­siko senken?”  
 

Offen­bar wurde ich hier (bewusst?) falsch verstan­den.

In meinem Vortrag habe ich darge­legt, dass die sogenannte „Energie­wende“ das Strah­len­ri­siko faktisch nicht reduziert und dass der gegen­wär­tige Ausbau von Windkraft­an­la­gen Schäden an der Natur hervor­ruft. Die Argumen­ta­tion kann hier (ab Min. 15) nachvoll­zo­gen werden.

Die mir mit dieser Frage unter­stellte Aussage „Windkraft­an­la­gen sind gefährlicher/schlimmer als Kernkraft­werke“ habe ich nicht getrof­fen.

Für die Beant­wor­tung der Frage, mit welchen Mitteln das Strah­len­ri­siko zu senken ist, bin ich nicht kompe­tent. Als Laie erscheint es mir aller­dings unter Sicher­heits­aspek­ten keine gute Idee, vergleichs­weise sichere und störungs­arme deutsche Anlagen Hals über Kopf auszu­schal­ten, um sich dadurch von unsiche­ren auslän­di­schen Anlagen abhän­gig zu machen und deren Still­le­gung zu verhin­dern.

Am Rande bemerkt, würde ich mich generell siche­rer und als Bürger ernst genom­me­ner fühlen, wenn derart wichtige Fragen und Aufga­ben, wie die Erhöhung der Sicher­heit von Kernkraft­wer­ken und die Taxie­rung und Minimie­rung entspre­chen­der Risiken, von ausge­wie­se­nen Fachleu­ten bearbei­tet würden. Tatsäch­lich schei­nen mir politi­sche  Oppor­tu­ni­tä­ten und Bauch­ge­fühle auf diesem Feld die relevan­te­ren Fakto­ren zu sein – im Sinne der Sicher­heit ist dies m.E. nicht.

 
 

6. “Unter welchen Umstän­den sehen Sie eine Chance für alter­na­tive Energien?”

 
 

Sogenannte erneu­er­bare Energien werden Chancen haben, wenn sie am Markt wettbe­werbs­fä­hig sind. Davon sind sie heute weit entfernt, sonst müssten sie nicht mit 20 Milli­ar­den Euro jährlich subven­tio­niert werden. Per heute werden Biomasse, Solar- und Windkraft­werke beson­ders durch gesetz­lich geregelte Einspei­se­ver­gü­tun­gen bevor­zugt. Diese Energie­for­men haben allesamt eine geringe Energie­dichte, d. h. der Energie­er­trag pro Flächen­ein­heit (Rotor­flä­che, Anbau­flä­che, Solar­flä­che) ist sehr klein. Daraus resul­tiert ein gigan­ti­scher Flächen­be­darf bzw. riesige Zahlen für die erfor­der­li­chen Windkraft­an­la­gen. Beim derzei­ti­gen Stand der Techno­lo­gie werden diese alter­na­ti­ven Energien keine Chance haben, weil sie am Wider­stand der Bürger schei­tern werden.

Besser als in der Strom­erzeu­gung sehen die Chancen für alter­na­tive Energien aller­dings im Bereich der Wärme­er­zeu­gung aus. Der Markt für Solar­ther­mie (die Warmwas­ser­ge­win­nung aus Sonnen­strah­len), für die in Deutsch­land ein viel größe­res Poten­tial besteht, ist durch die massive Subven­tio­nie­rung der Photo­vol­taik am Wachs­tum gehin­dert worden.

Die Subven­tio­nen des EEG haben den Wettbe­werb um die knappe Ressource „Dachflä­che“ zuguns­ten der in ökolo­gi­scher und ökono­mi­scher Hinsicht schlech­te­ren techno­lo­gi­schen Lösung verzerrt. Der Platz an der Sonne gehört nicht der unter den hiesi­gen Bedin­gun­gen besten, sondern der politisch am besten vertre­te­nen Techno­lo­gie.

 
 

7. “Lohnt sich das Speichern dieses Stroms auch bei gerin­gem Faktor (<70% Effizi­enz)?”

 
 

Es gibt keine großtech­nisch umsetz­bare Speicher­tech­nik. Pumpspei­cher­kraft­werke sind in großem Umfang nicht umsetz­bar, weil uns in Deutsch­land die Flächen fehlen. Bei dem immer wieder ins Feld geführ­ten Power To Gas Verfah­ren stehen die Abwär­me­ver­luste schon heute aufgrund von unumstöß­li­chen Natur­ge­set­zen fest. Die Speicher­ver­luste liegen über 70%. Es ist daher technisch und ökono­misch falsch, noch von Speiche­rung zu sprechen.  Im Mittel geht in einem Strom­netz, das mit einem solchen Speicher­sys­tem betrie­ben wird, die Hälfte der einmal geern­te­ten elektri­schen Energie verlo­ren.

https://www.vernunftkraft.de/power-to-gas/

Um diese Verluste zu decken, müssen die Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten verdop­pelt werden. Hinzu kommen die Kosten für den gedop­pel­ten Kraft­werks­park und die Kosten für die Methan­gas- Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten. Damit ist die Antwort gegeben, ob sich das Speichern „lohnt“.

 
 

8. “Was für eine Firma betreibt Herr Ahlborn selbst?”

 
 

http://www.karl-ahlborn.de

 
 

9. “Herr Dr. Ziegler, die SPD in Mecklen­burg-Vorpom­mern hat eine umfang­rei­che Studie zu Arbeits­plät­zen und Wertschöp­fung im Bereich der erneu­er­ba­ren  Energien erstel­len lassen, die eindrucks­voll das Arbeits­markt- und Wertschöp­fungs­po­ten­zial der erneu­er­ba­ren Energien für Mecklen­burg Vorpom­mern belegt. Gehen Sie damit konform und würden Sie in den erneu­er­ba­ren Energien das gleiche Poten­tial einer Wertschöp­fungs­kette erken­nen?”

 
 

Wie ich an dieser Stelle in meinem Vortrag darlegte, gehe ich mit dieser Studie nicht „konform“ und halte die dort getätig­ten Aussa­gen zu Wertschöp­fung und Arbeits­plät­zen weder für „belegt“ noch für „eindrucks­voll“.

Was die „Wertschöp­fung“ betrifft, ist bereits die Begriff­lich­keit falsch – siehe Antwort zu Frage 6. Es handelt sich um Einnah­men aus einem Subven­ti­ons­topf, nicht um durch Produk­ti­ons­tä­tig­keit generierte Werte.

Was die Arbeits­plätze betrifft, so betrach­tet die „Studie“ ledig­lich Brutto­ef­fekte. Ökono­misch sinnvolle Aussa­gen zur Beschäf­ti­gungs­wir­kung lassen sich jedoch nur anhand einer allge­mei­nen Gleich­ge­wichts­be­trach­tung ablei­ten. Dass der Netto­ef­fekt positiv ist, ist mehr als unwahr­schein­lich.

Den durch EEG-Subven­tio­nen geschaf­fe­nen Arbeits­plät­zen müssen die Entzugs­ef­fekte auf andere – selbst­tra­gende – Wirtschafts­be­rei­che gegen­ge­rech­net werden.

Zum Einen bewirkt der Windkraft­aus­bau steigende Strom­preise (EEG-Zahlun­gen, Netzent­gelte). Dies entzieht der Bevöl­ke­rung Kaufkraft und verschlech­tert die Produk­ti­ons­be­din­gun­gen für Unter­neh­men, senkt also Konsum- und Inves­ti­ti­ons­nei­gung. Auch die Entwer­tung von Immobi­lien im Wirkungs­be­reich von Windkraft­an­la­gen ist zu berück­sich­ti­gen: Wer seine Alters­ver­sor­gung gefähr­det sieht, wird ebenfalls mit Konsum­zu­rück­hal­tung reagie­ren.

Zum Anderen – und dies ist für das Land Mecklen­burg-Vorpom­mern („MV tut gut“) beson­ders relevant – wird durch den Windkraft­aus­bau der vitale Sektor des Touris­mus direkt gefähr­det bzw. geschä­digt. Mehr dazu hier

https://www.vernunftkraft.de/die-meisten-menschen-moegens-natuerlich/

und in dieser Broschüre des Bundes­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums:

Dr. Jeckyll

Auszug aus “Touris­mus­per­spek­ti­ven in ländli­chen Räumen”, BMWi (Okt. 2014).

Alle diese Effekte werden in der genann­ten SPD-Broschüre nicht einmal erwähnt, geschweige denn seriös geschätzt. In der Studie selbst wird zutref­fend auf die „hohe Politik-Abhän­gig­keit“ der Windener­gie verwie­sen. Die Branchen­lobby selbst bezeich­net das EEG als „Grund­ge­setz der Windkraft“. Wenn dieses absurde Subven­ti­ons­sys­tem abgeschafft wird, werden die in der „Studie“ aufge­führ­ten Arbeits­plätze größten­teils schlag­ar­tig verschwun­den sein.

 
 

10. “Hr. Dr. Ahlborn, aus Ihrem Vortrag könnte man folgern, Wind weht in den  nördli­chen Bundes­län­dern, gerade im Offshore – Bereich mehr und bestän­di­ger als in den südli­chen Bundes­län­dern. Jetzt könnte man ja sagen, dass gerade deshalb Länder wie Schles­wig – Holstein und Mecklen­burg-Vorpom­mern geradezu präde­sti­niert sind als Stand­orte für Windkraft­an­la­gen. Stimmt das?”

 
 

Weil der Strom im Augen­blick des Verbrauchs erzeugt werden muss, sind Windkraft­an­la­gen prinzi­pi­ell, gleich­gül­tig an welchem Stand­ort sie gebaut werden, nicht grund­last­fä­hig. Diese Aussage folgt aus der (kubischen) Leistungs­kenn­li­nie der Propel­lers (Rotors) und der Tatsa­che, dass niedrige und hohe Windge­schwin­dig­kei­ten selten, mittlere Windge­schwin­dig­kei­ten dagegen häufi­ger vorkom­men. In der Konse­quenz stehen Windkraft­an­la­gen häufig still und laufen überwie­gend im unteren Teillast­be­reich. Diese Aussa­gen gelten unein­ge­schränkt für jeden Stand­ort, ob nun im Binnen­land oder an der Küste. Die näheren Zusam­men­hänge, die sich aus einer wissen­schaft­li­chen Veröf­fent­li­chung aus dem Jahr 1977 ergeben, findet man hier ausführ­lich erläu­tert.

Für eine unter­bre­chungs­freie und sichere Strom­ver­sor­gung sind sie prinzi­pi­ell nicht geeig­net. Den eigent­li­chen Unter­schied zwischen Binnen­land- und Küsten­stand­or­ten macht der Bereich der mittle­ren Windge­schwin­dig­kei­ten, die häufi­ger auftre­ten. Es ist völlig unstrit­tig, dass höhere mittlere Windge­schwin­dig­kei­ten zu höheren mittle­ren Leistun­gen und über das Jahr gesehen zu höheren summa­ri­schen Erträ­gen führen. Stand­orte an der Küste sind deshalb insbe­son­dere präde­sti­niert für Inves­to­ren, weil hier die Subven­tio­nen zu höheren Einnah­men führen. Das Problem, eine sichere Leistung bereit­zu­stel­len, wird dadurch nicht gelöst.

 
 

11. “Welchen Energie­mix sehen Sie in den Jahren 2030 und 2050 und welche Rolle spielen dabei die erneu­er­ba­ren Energien?”

 
 

Aufgrund von funda­men­ta­len physi­ka­li­schen und mathe­ma­ti­schen Gesetz­mä­ßig­kei­ten wird die Energie­wende – so, wie sie zurzeit (rücksichts­los!) voran­ge­trie­ben wird – schei­tern. Wir werden den Zubau an Wind- und Solar­kraft­wer­ken sehr bald stark drosseln. Solar‑, Biomasse- und Windkraft­werke haben die Blüte hinter sich. Weder in 2030 noch in 2050 werden diese Energie­for­men eine wesent­lich größere Rolle spielen als heute.

 
 

12. “Ist das Ziel des “Freien Horizont” und der “Vernunft­kraft” die Rückkehr zu einem ausschließ­lich konven­tio­nel­len Kraft­werksport­fo­lios?”

 
 

Wir maßen uns nicht an, bei der zukünf­ti­gen  Zusam­men­set­zung des Kraft­werks­parks bestimmte Ziele zu verfol­gen. Als Fachleute und Staats­bür­ger sehen wir uns dennoch in der Pflicht, darüber aufzu­klä­ren, dass es physi­ka­lisch unmög­lich ist, in abseh­ba­rer Zeit aus der konven­tio­nel­len Energie­ver­sor­gung auszu­stei­gen. Diese Aussage ist keines­wegs ein Ziel, das seitens „Vernunft­kraft“ oder „Freier Horizont“ verfolgt wird – sie ergibt sich mit der schlich­ten Strin­genz physi­ka­li­scher Gesetze aus folgen­den unstrit­ti­gen Sachver­hal­ten:

  • Es gibt keine großtech­nisch nutzbare Speicher­tech­no­lo­gie.
  • Die sicher zur Verfü­gung stehende Leistung aus Solar- und Windener­gie liegt bei Null.
  • Die Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten der Atomkraft­werke müssen bis 2022 ersetzt werden.

Unser Petitum lautet, diese Tatsa­chen anzuer­ken­nen.

Ansons­ten spricht sich VERNUNFTKRAFT. selbst­ver­ständ­lich weder für Braun- oder Stein­kohle, noch für Kernkraft aus. In unserem Positi­ons­pa­pier finden Sie dies klar darge­legt.

Wir sprechen uns überhaupt nicht für irgend­wel­che spezi­el­len Energie­trä­ger und Techno­lo­gien aus, sondern propa­gie­ren gesetz­li­che Rahmen­be­din­gun­gen, die das Wohl von Mensch und Natur in den Vorder­grund stellen – sprich: eine Rückbe­sin­nung auf das energie­po­li­ti­sche Zieldrei­eck aus Bezahl­bar­keit, Versor­gungs­si­cher­heit und Umwelt­ver­träg­lich­keit.

Nur inner­halb eines strin­gen­ten, Techno­lo­gie­of­fen­heit und Wettbe­werb sicher­stel­len­den Ordnungs­rah­mens kann sich eine Energie­ver­sor­gungs­struk­tur entwi­ckeln, die diesen drei Zielen bestmög­lich gerecht wird. Wir plädie­ren für Ratio­na­li­tät, Objek­ti­vi­tät und Unvor­ein­ge­nom­men­heit.

 
 

13. “Wie hoch sehen sie Subven­tio­nen bei Atom und Kohle­strom sowie die wahren und zukünf­ti­gen Kosten bei dieser Energie­form aus?”

 
 

Die Strom­erzeu­gung aus Braun- und Stein­kohle ist wettbe­werbs­fä­hig, die Produk­tion erfolgt vollstän­dig kosten­de­ckend und für die Unter­neh­men gewinn­brin­gend. Das heißt, die Kohle­ver­stro­mung kommt in Deutsch­land vollstän­dig ohne Subven­tio­nen aus und erfolgt auf rein privat­wirt­schaft­li­cher Basis.

Für die Braun­kohle gilt dies unein­ge­schränkt – sie wird in Deutsch­land überhaupt nicht subven­tio­niert. Siehe hierzu die Antwort des parla­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tärs Beckmann (SPD) an eine Abgeord­nete der Grünen vom 11.4.2014:

http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/P‑R/Parlamentarische-Anfragen/4–32,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf

Der Stein­koh­le­ab­bau hinge­gen wurde in Deutsch­land über Jahrzehnte subven­tio­niert. Diese Praxis soll 2019 enden. Die aktuelle Geset­zes­lage dazu finden Sie hier:

http://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Konventionelle-Energietraeger/kohle,did=190808.html

Wichtig zu wissen ist dabei, dass diese Subven­tio­nie­rung aus rein sozial­po­li­ti­schen Motiven erfolgt. Es geht darum, den heimi­schen Stein­koh­le­berg­bau zu erhal­ten – dieser ist gegen­über dem inter­na­tio­na­len Wettbe­werb nicht konkur­renz­fä­hig. Nicht Kohle als solche, sondern der Stein­koh­le­ab­bau in Deutsch­land wurde subven­tio­niert.

Mehr dazu hier:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/deutsche-steinkohle-eu-laesst-subventionen-bis-2018-zu-11079022.html

Die heimi­sche, subven­tio­nierte Stein­kohle verdrängt also die wesent­lich günsti­gere Import­kohle. Die Strom­erzeu­gung durch Stein­kohle wird nicht subven­tio­niert.

Anders verhält es sich mit der Strom­erzeu­gung aus Kernkraft.

Hier sind in der Tat in Deutsch­land und auch weltweit beträcht­li­che Subven­tio­nen geflos­sen. Es ist stark zu vermu­ten, dass sich Kernener­gie unter markt­wirt­schaft­li­chen Bedin­gun­gen nicht etabliert hätte. Dieser Wikipe­dia-Artikel stellt diese m.E. im Wesent­li­chen korrekt dar:

 
 

Addiert man diese Kosten und bezieht sie auf die bis Ende 2006 mittels Kernener­gie erzeugte Strom­menge von rund 4100 TWh,[108] ergibt sich eine durch­schnitt­li­che Unter­stüt­zung von 1,5 Cent pro Kilowatt­stunde (ct/kWh). Betrach­tet man nur die im Jahr 2006 wirksame Summe aller quanti­fi­zier­ten Effekte (soweit Angaben vorlie­gen, einschließ­lich verei­ni­gungs­be­ding­ter Lasten und inter­na­tio­na­ler Projekte) zur Förde­rung der Kernener­gie, beträgt die Geldmenge 3,7 Mrd. Euro (Währungs­wert von 2006).[90] Dies entspricht einer Unter­stüt­zung (167,4 TWh[110] Strom aus Kernener­gie im Jahr 2006 in Deutsch­land) von 2,2 ct/kWh (Währungs­wert von 2006). Die Werte sind dabei als untere Grenze zu verste­hen, da sich viele Kosten der Kernener­gie kaum oder gar nicht konkret bezif­fern lassen und die Zahlen „längst noch nicht alle öffent­li­chen Ausga­ben zuguns­ten der Atomener­gie“[108] enthal­ten. Beispiels­weise sind Schäden durch Kernener­gie in keiner priva­ten Hausrat­ver­si­che­rung abgedeckt,[111] die Kosten weder für den Salzstock Gorle­ben noch für die Still­le­gung der Schacht­an­lage Asse II bezif­fer­bar.[112]

http://de.wikipedia.org/wiki/Kernenergie

 
 

Für Strom aus Windkraft beträgt die gesetz­lich festge­legte Vergü­tung aktuell 8,9 Cent pro kWh (Anfangs­ver­gü­tung) und 4,9 ct/kWh (Grund­ver­gü­tung). Bei einem markt­wirt­schaft­lich erziel­ba­ren Strom­preis von rund 3 ct/kWh bewegt sich die Subven­tio­nie­rung pro kWh hier also zwischen 2 und 6 Cent.

Ein solcher Vergleich hinkt jedoch beträcht­lich, da der in Windkraft­an­la­gen produ­zierte Strom eine völlig andere, d.h. mindere Quali­tät hat. Siehe dazu die Antwort auf Frage 1.

Grund­sätz­lich gilt:

Vorher­sa­gen bezüg­lich künfti­ger techno­lo­gi­scher Entwick­lun­gen und Preise sind mit größter Vorsicht zu genie­ßen. Die Atom-Eupho­rie der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhun­derts sollte hier als warnen­des Beispiel dienen. Wie wir heute wissen, erwie­sen sich die damali­gen Hoffnun­gen von Politik und Gesell­schaft als übertrie­ben. Wie wir ebenso wissen, wurden Risiken unter­schätzt.

In einer der heuti­gen Begeis­te­rung für Windkraft und Photo­vol­taik & Co. vergleich­ba­ren Eupho­rie glaub­ten die Politi­ker der fünfzi­ger und sechzi­ger Jahre einhel­lig, dass die Zukunft der Kernkraft gehöre. Man müsse sie nur anfangs genug fördern. Atommi­nis­ter Strauß träumte von Atomau­tos und Atomflug­zeu­gen und plante, dass zukünf­tig 80 Prozent des Stroms aus Kernener­gie kommen sollten. In den 1980er Jahren erreichte der Anteil der Atomkraft an der Strom­ver­sor­gung mit 32 Prozent ihren Spitzen­wert.

Gerade die Erfah­rung mit der Kernener­gie verdeut­licht die Gefah­ren des Versuchs einer staat­li­chen Steue­rung der techno­lo­gi­schen Entwick­lung. Im Wettbe­werb hätte sich diese Techno­lo­gie mangels Versi­cher­bar­keit ihrer Risiken vermut­lich nicht durch­ge­setzt.

Zentrale staat­li­che Planungs­stel­len können nicht vorher­se­hen, welche Ideen risiko­freu­dige Unter­neh­mer und findige Wissen­schaft­ler in der Zukunft haben werden. Genau wie die Atompo­li­tik der 1950er Jahre stellt die gegen­wär­tige Erneu­er­ba­ren-Politik eine “Anmaßung von Wissen” (F. A. v. Hayek) dar.

Anders als die heutige blinde Eupho­rie für die gegen­wär­tig bekann­ten „Erneu­er­bare Energien“-Technologien, konnte die damalige Eupho­rie jedoch eine natur­wis­sen­schaft­li­che Plausi­bi­li­tät für sich beanspru­chen.

Dass die Vorstel­lung, auf Basis der jetzt bekann­ten Windkraft‑, PV‑, und Biomas­se­an­la­gen eine wettbe­werbs­fä­hige Energie­ver­sor­gung aufzu­bauen, illuso­risch ist, haben auch hochka­rä­tige ameri­ka­ni­sche Ingenieure nach sieben­jäh­ri­ger inten­si­ver Forschungs­ar­beit resigniert feststel­len müssen.

Das entschei­dende und unüber­wind­bare Defizit, das den heute bekann­ten EEG-Techno­lo­gien anhaf­tet, liegt in ihrer gerin­gen Energie­dichte. Hieraus leiten sich die ökono­mi­schen, ökolo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Probleme ab.

Die künfti­gen Kosten der Strom­erzeu­gung genau abschät­zen zu wollen, ist aus den geschil­der­ten Gründen unseriös. Klar ist nur, dass die oft genährte und in dieser Frage mitschwin­gende Befürch­tung, dass die fossi­len Energie­quel­len kurz bis mittel­fris­tig versie­gen und deswe­gen die Preise rapide steigen werden, unbegrün­det ist. Ebenso wenig wie die Stein­zeit aus Mangel an Steinen beendet werden musste, wird das aktuelle Kohle­zeit­al­ter wegen eines Mangels an Kohle enden. 

Die Kernkraft-Enthu­si­as­ten hatten seiner­zeit die Physik auf ihrer Seite. Aber die Ökono­mie und die Gesell­schaft wandten sich bzw. waren von Anfang an dagegen. Die Windkraft-Enthu­si­as­ten haben die Physik und die Ökono­mie gegen sich. Die Gesell­schaft wird folgen.

Die Konse­quenz:

Wer sowohl mit Kernkraft als auch mit Kohle und Gas Probleme hat, aber dennoch die jetzt liebge­won­ne­nen Errun­gen­schaf­ten der Zivili­sa­tion erhal­ten möchte, dem bleiben am Ende nur zwei (m.E. simul­tan zu ergrei­fende) Handlungs­stränge:

Effizi­enz steigern und ohne ideolo­gi­sche Scheu­klap­pen nach echten Alter­na­ti­ven suchen – sprich: die techno­lo­gie­of­fene (Grundlagen-)forschung weiter voran­trei­ben.

Was die Effizi­enz­stei­ge­rung betrifft, so sind wir in Deutsch­land auf einem sehr guten Weg. Unser Energie­ver­brauch hat sich nicht nur vom Wirtschafts­wachs­tum entkop­pelt, sondern ist sogar absolut zurück­ge­gan­gen.

Was die techno­lo­gie­of­fene Forschung betrifft, sind wir auf einem verhee­ren­den Weg. Die Forschungs­gel­der werden immer stärker in Richtung politisch wohlge­lit­te­ner techno­lo­gi­scher Sackgas­sen kanali­siert.

 
 

14. “Wie hoch sind die Subven­tio­nen für ein Windrad?”

 
 

Der Markt­preis für eine Megawatt­stunde Strom liegt bei ca. 35 € – ein Windrad­be­trei­ber erhält als gesetz­lich festge­legte Vergü­tung rund 90 €. Bei einer Jahres­pro­duk­tion von 6000 MWh wird ein Windrad also jährlich mit rund 330.000 € subven­tio­niert.

 
 

15. “Welche Alter­na­ti­ven zur Energie­ge­win­nung befür­wor­ten Sie?”

 
 

Zunächst gibt es zur „Energie­ge­win­nung“ aktuell keine Alter­na­tive, wollten wir unseren Wohlstand nicht gefähr­den. Das große Thema lautet „Verbes­se­rung der Energie­ef­fi­zi­enz“. Die physi­ka­li­schen Gesetze, mit denen die Energie­ef­fi­zi­enz verbes­sert werden kann, sind zum Teil seit fast 200 Jahren (!) bekannt. Weiter unten werden Beispiele gegeben.

 
 

16. “Wie kann der Atomaus­stieg und die Reduzie­rung des CO2 – Aussto­ßes auch ohne Windkraft erreicht werden?”

 
 

Zunächst werden die CO2- Emissio­nen durch den Atomaus­stieg anstei­gen, weil es nicht möglich ist, die Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten der Kernkraft­werke bis 2022 durch Windkraft­werke zu erset­zen. Eine mittel­fris­tige Reduk­tion von Treib­haus­ga­sen ist technisch kein Problem. Diese Reduk­tion ist u.a. möglich durch

  • Verbes­se­rung der thermi­schen Wirkungs­grade von Kraft­wer­ken
  • den Ausbau von moder­nen Gas- und Dampf­kraft­wer­ken
  • sparsa­mere, vor allem leich­tere Fahrzeuge
  • effek­ti­vere Haushei­zun­gen
  • Nutzung der Abwärme von Block­heiz­kraft­wer­ken.

Die grund­sätz­li­chen physi­ka­li­schen Zusam­men­hänge sind sämtlich bekannt – dazu müssen nicht einmal neue „Techno­lo­gien“ entwi­ckelt werden.

 
 

19. “Wie soll künftig in Deutsch­land Strom verläss­lich, preis­wert und umwelt­ver­träg­lich produ­ziert werden?”

 
 

Wie in Deutsch­land zukünf­tig verläss­lich, preis­wert und umwelt­ver­träg­lich Strom produ­ziert wird, werden die Märkte und die Techno­lo­gien der Zukunft entschei­den. Es ist geradezu verwe­gen, hier langfris­tige Progno­sen oder persön­li­che Präfe­ren­zen auszu­spre­chen. Jedem Besucher dieser Seite sei die Lektüre des Buchs „Die Welt in 100 Jahren“ (Hrsg.: Georg Ruppelt) empfoh­len. In diesem Buch haben Visio­näre des Jahres 1910 einen Blick in die Zukunft des Jahres 2010 gewagt. Deren Progno­sen entlo­cken uns heute über weite Strecken kaum mehr als ein mildes Lächeln, auch wenn sie in der Lage waren, Entwick­lun­gen wie Radio, Fernse­her und Mobil­te­le­fone punkt­ge­nau vorher­zu­sa­gen.

 

 

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