Nordstrom­ag­gre­gat fällt aus – Norwe­ger ziehen den Stecker

Die deutsche Energie­wende kann den Anschein des Funktio­nie­rens nur solange aufrecht­hal­ten, wie andere dem deutschen Beispiel nicht folgen: Ohne Rückgriff auf gesicherte Leistung aus unseren Nachbar­län­dern, mit deren Hilfe die Schwan­kun­gen der hiesi­gen Erzeu­gung aus Wind- und Solar­kraft­wer­ken gepuf­fert werden können, bräche unser Strom­netz zusam­men. Wer diese Zusam­men­hänge und insbe­son­dere die Abhän­gig­keit von franzö­si­schen, polni­schen und tsche­chi­schen Liefe­run­gen aus Kernener­gie und Kohle thema­ti­siert, wird regel­mä­ßig auf die großen Poten­tiale der Zusam­men­ar­beit mit Norwe­gen hinge­wie­sen. Wir haben diese Poten­tiale auf unseren Seiten mehrfach taxiert, u.a. hier, im Juni 2019.

Wie damals vermu­tet, scheint die norwe­gi­sche Bereit­schaft, eigene volks­wirt­schaft­li­che Inter­es­sen deutschen Ansprü­chen unter­zu­ord­nen, begrenzt.  Gut sieben Jahre später hat der norwe­gi­sche Energie­mi­nis­ter Terje Aasland der Vorstel­lung, Norwe­gen könne und müsse das europäi­sche Strom­netz alleine ausba­lan­cie­ren, eine deutli­che Absage erteilt. Die Idee, norwe­gi­sche Speicher­seen primär zur Abdeckung konti­nen­ta­ler Schwan­kun­gen zu nutzen, bezeich­nete er offen als fehler­haft. In den Augen der Regie­rung in Oslo darf die Integra­tion in den europäi­schen Binnen­markt nicht dazu führen, dass die eigenen Ressour­cen überge­bühr­lich beansprucht werden. Für Deutsch­land offen­bart die norwe­gi­sche Kehrt­wende eine gravie­rende Schwach­stelle in der eigenen Versor­gungs­ar­chi­tek­tur. Die Bundes­re­gie­rung hatte darauf gebaut, Phasen von Dunkel­flau­ten – also Zeiten, in denen weder Wind noch Sonne ausrei­chend Strom liefern – flexi­bel durch skandi­na­vi­sche Importe überbrü­cken zu können. Fällt dieser Stabi­li­täts­an­ker weg, wächst die Gefahr von Engpäs­sen im deutschen Netz deutlich. Der Ausfall der norwe­gi­schen Wasser­kraft­re­ser­ven als flexi­bler Puffer erhöht zudem den ökono­mi­schen Druck in Deutsch­land. Um die Netzsi­cher­heit aufrecht­zu­er­hal­ten, müssen nun im Inland in erheb­li­chem Umfang neue, teure Backup-Kraft­werke – etwa gastur­bi­nen­ba­sierte Reser­ve­an­la­gen – errich­tet und finan­ziert werden. Dies dürfte die ohnehin hohen Strom­preise und Netzent­gelte für deutsche Gewerbe- und Privat­kun­den weiter belasten.

Am 20. Septem­ber 2026 hat Dr. Chris­toph Canne den Sachver­halt für das Nachrich­ten­ma­ga­zin Apollo-News aufgearbeitet.

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Der von der zustän­di­gen deutschen Bundes­mi­nis­te­rin gefor­derte Reali­täts-Check bleibt dringend nötig. Vielleicht klappt’s dann mit den Nachbarn.

 

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