Über 30.000 Windkraftanlagen produzieren in Deutschland Strom. Strom, der mitunter überhaupt nichts wert – genauer: geschenkt noch zu teuer ist – und dann gegen eine Abnahmegebühr („Negativpreis“) ins angrenzende Ausland abgeleitet werden muss. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Gabriel sprach dereinst davon, dass die Österreicher „vor Lachen nicht in den Schlaf kommen“. Andere Branchenkenner sprechen mitunter von „Schrottstrom“. Dessen Entsorgung ist teuer, aber ökologisch unbedenklich. Nicht so die Entsorgung des materiellen Schrotts, der von den Anlagen nach gut 20 Jahren subventionierter Produktion übrig bleibt:
Über das un(befriedigend)gelöste Entsorgungsproblem der Windkraft haben wir in den letzten Jahren mehrfach berichtet (zuletzt im September 2025). Über kriminelle Machenschaften in dem Zusammenhang bislang noch nicht. Solche wurden am 2. Juli 2026 in der Oberpfalz vor Gericht verhandelt. Das gleichnamige Echo berichtete:

In dem Prozess geht es um ein Recycling-Unternehmen für Windkraftrotorblätter. Dieses hatte den ihm anvertrauten Sondermüll systematisch illegal im benachbarten Tschechien entsorgt. Bereits im April 2024 hatte die WELT detailliert über diese Spitze und andeutungsweise über den gesamten Eisberg berichtet:

Der Erwerb des Artikel wird empfohlen. Darin wird eine Nacht-und-Nebel-Aktion aus der Perspektive einer Zeugin, Frau Šišková, Bürgermeisterin einer kleinen tschechischen Gemeinde, wiedergegeben:
Demnach fuhren in einer Winternacht elf Lastwagen nach Jiříkov an der deutsch-tschechischen Grenze und luden auf einem Gelände hinter der Bushaltestelle mehr als 90 Tonnen Müll ab. Dabei handelte es sich nicht um gewöhnlichen Abfall, sondern unter anderem um alte Batterien, Flugzeug- und Autoteile sowie vor allem um Rotorblätter ausrangierter Windkraftanlagen, die zuvor in Deutschland abgebaut worden waren. Die Bürgermeisterin wusste zunächst nicht, wer hinter der illegalen Müllentsorgung steckte. Drei Wochen seien dann sechs weitere LKW im Dorf eingerollt und diesmal von der Polizei gestoppt worden. Laut den Frachtpapieren stammte die Ladung von einer Recyclingfirma in Bayern. Der Abfall war fälschlicherweise als normaler Plastikmüll deklariert worden und sollte eigentlich von einem tschechischen Unternehmen recycelt werden.
“Jeden Tag, sagt Šišková, müssten sie den Anblick ertragen und um ihre Natur bangen. Glasfaserreste könnten in den Boden eindringen, ins Wasser, wirbelten bereits durch die Luft. Es sind Reste der deutschen Energiewende.” |
In einem weiteren Artikel der WELT wurde dargestellt, dass die beschuldigte Entsorgungsfirma staatliche Zuschüsse für ihre vermeintlich innovativen und wegweisenden Verfahren bekommen hatte:
Auch dieser Artikel wird zum Erwerb empfohlen. Darin heißt es, das Land Bayern habe sich an dem Unternehmen in der Hoffnung beteiligt, dass dieses das immer drängendere Entsorgungsproblem bei der politisch erwünschten Windkraft lösen möge. Das Branchenmagazin Windkraft-Journal habe dies sehr positiv kommentiert und der Unternehmer seine (angeblich) gemeinsam mit einem Fraunhofer-Institut entwickelten Verfahren zur Rückgewinnung von Verbundstoffen gepriesen.
Der Prozess in Weiden wirft ein Schlaglicht in den Abgrund. Man bekommt einen realistischen Eindruck, wie gigantisch das Entsorgungsproblem von Windkraftschrott ist. Laut dem letztgenannten Artikel schätzt die Organisation Greenpeace die Entsorgungskosten pro Anlage auf 160.000 Euro bis 350.000 Euro. Andere Schätzungen gehen von bis zu einer halben Million Euro aus. Der Bedarf ist riesig: Von den 30.000 Windrädern in Deutschland sind mehr als 10.000 älter als zehn Jahre und müssen nach und nach abgebaut werden. Älter als rund 25 Jahre werden die Anlagen nicht. Somit wächst die Menge an Müll aus Rotorblättern gemäß Umweltbundesamt in den nächsten Jahren auf 50.000 t pro Jahr (deutlich mehr als der Müll aller privaten Haushalte).
Dieses Problem verleitet offenkundig zu kriminellen Handlungsweisen, die neben strafrechtlichen Konsequenzen im Einzelfall hoffentlich auch zu gesetzgeberischen Konsequenzen führen.
Es soll nicht unterschlagen werden, dass im oben auszugsweise wiedergegebenen WELT-Artikel auch potentielle Lösungsansätze der Entsorgungsproblematik erwähnt werden. Wie ausgereift, alltagstauglich und wirtschaftlich darstellbar diese Ansätze – von Windkraft-Instituten ersonnen – sind, kann an dieser Stelle nicht vertieft diskutiert werden. Auch die besondere Brisanz der “fiesen Fasern” sei hier nur am Rande erwähnt. Jedenfalls scheint die Lesart eines kritischen Journalisten der ZEIT
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keineswegs aus selbiger gefallen.
Sollten unter solchen Bedingungen weiterhin Windkraftanlagen errichtet werden dürfen, die ohnehin eine volkswirtschaftlich und ökologisch vernichtende Bilanz mit sich führen? Vernünftig schiene uns dies nicht.
Sinnvoll schiene es uns, praxistaugliche, skalierbare Verfahren vor jedem Baubeginn vorzuweisen und einzupreisen. Es bleibt dabei: Wer vorher denkt, ist nachher klüger.



