Wallmann

Am 16. März 2015 äußerte sich der Klima­schutz-Beauf­tragte des Werra-Meißner-Kreises, Dr. Rainer Wallmann, zu dem von ihm voran­ge­trie­be­nen Ausbau von Windkraft­an­la­gen. 

In diesem Landstrich in Nordhes­sen, der durch das Bundes­um­welt­mi­nis­te­rium zu einem Hotspot der biolo­gi­schen Vielfalt gekürt wurde 

soll nun der Windkraft Raum geschaf­fen werden.

Der Natur­park Kaufun­ger Wald, eines der größten unzer­schnit­te­nen Waldge­biete des Landes, soll zur Indus­trie­zone werden.

Einer sachli­chen Diskus­sion mit den Bürgern hatte sich der in der Sache inhalt­lich und fachlich offen­bar überfor­derte Politi­ker nie gestellt.  Der seinem „Klima­schutz­kon­zept“ entge­gen­ge­brach­ten fundier­ten Kritik der Bürger hat er sich nie angenom­men. Statt­des­sen begeg­net er der in der Bürger­schaft mittler­weile gekräf­tig­ten Vernunft mit Nebel­ker­zen.

Das Inter­view führte Friede­rike Steen­sen in der Hessisch Nieder­säch­si­schen Allge­mei­nen (HNA).

HNA: Müssen wir hier in Deutsch­land das Weltklima retten?

WALLMANN: Nein, aber wir sind wirtschaft­lich und technisch in der Lage, Verän­de­run­gen herbeizufüh­ren und haben Verant­wor­tung für zukünf­tige Genera­tio­nen sowie für ärmere Länder. Un­ser Anteil am weltwei­ten CO2-Ausstoß liegt zwar nur bei 2,5 Prozent – aber wir stellen auch nur ein Prozent der Weltbe­völkerung.

Bürger bemer­ken:

Deutsch­land trägt in der Tat rund 2,5 Prozent zu den weltwei­ten CO2-Emissio­nen bei. Dieser Anteil wird bis 2030 auf rund 1,5 Prozent fallen – unabhän­gig davon, welche Politik in Deutsch­land oder gar im Werra-Meißner-Kreis betrie­ben wird. Nämlich deshalb, weil die Emissio­nen in anderen Teilen der Welt (insbe­son­dere in China) steil anstei­gen. Unser „Beitrag“ kann also allen­falls symbo­li­scher Natur sein. Derge­stalt, dass wir der Welt gangbare Wege zur Emissi­ons­re­duk­tion aufzei­gen. Aber genau das tun wir mit der Energie­wende-Politik nicht.

wit

In diesem bemer­kens­wer­ten Artikel vom 17.8.14 lieferte der nieder­län­di­sche Umwelt­öko­nom Richard Tol eine Außen­sicht auf die deutsche Energie- und Klima­po­li­tik.

Mehr dazu hier, hierhier oder hier.

Im Übrigen:

Die 1% der Weltbe­völ­ke­rung zu den 2,5% der weltwei­ten CO2-Emissio­nen in Relation zu setzen, ist unsin­nig.

Damit wird sugge­riert, dass wir unseren Anteil an den Emissio­nen auf den Bevöl­ke­rungs­an­teil senken müssten. Impli­zit schlägt Herr Wallmann damit vor, dass wir uns an Somalia oder dem Tschad orien­tie­ren. Wer so einen Kurs einschlägt, kann in einer ratio­na­len Umgebung nieman­dem als Vorbild dienen.

Eine sinnvol­lere Bezugs­größe wäre unser Anteil am Welt-BIP (ca. 3,9%). Sicher­lich haben wir höhere Emissio­nen als der Tschad, aber wir haben auch eine um ein Vielfa­ches höhere Lebens­qua­li­tät. Letztere und übrigens ebenso die Umwelt­qua­li­tät sind positiv mit materi­el­lem Wohlstand, sprich quali­ta­ti­vem Wachs­tum, korre­liert.

Gemes­sen an dieser sinnvol­len Bezugs­größe, ist unsere Bilanz überdurch­schnitt­lich gut und erfor­dert mitnich­ten das hekti­sche Ergrei­fen völlig sinnlo­ser bis kontra­pro­duk­ti­ver Maßnah­men (wie etwa die Verwand­lung von Natur­schutz- und FFH Gebie­ten in Indus­trie­parks).

Tatsäch­lich haben wir es in Deutsch­land bereits geschafft, unser Wachs­tum vom Energie­ver­brauch zu entkop­peln!

Wir wachsen und brauchen trotz­dem absolut weniger Energie. Das ist ein echter Erfolg. Unter­gangs­sze­na­rien sind vollkom­men depla­ziert.  

HNA: Helmut Heide­rich (CDU) be­tonte kürzlich, dass Windrä­der keine gute CO2-Bilanz haben, weil man auch das Kraft­werk mitrech­nen müsse, das Schwan­kun­gen ausgleicht.

WALLMANN: Windkraft­an­la­gen haben sehr gute CO2-Bilan­zen. Der für die Errich­tung eines Windra­des erfor­der­li­che Energie­auf­wand wird durch den Betrieb der Anlage in sechs bis neun Monaten er­zeugt. Danach wird über 20 Jahre nahezu klima­neu­tra­ler Strom erzeugt. Natür­lich gibt es bei der Windkraft Schwan­kungen in der Stromprodukti­on. Aber wir haben auch Bio­masse, Sonnen­en­er­gie, Strom­netze, Strom­han­del mit Nach­barländern, Lastma­nage­ment sowie flexi­ble Gas-Kraft­werke, die Schwan­kun­gen ausglei­chen können. Dieses Gesamt­system ist wirtschaft­lich und nachhal­tig.

Bürger bemer­ken:

Die Antwort, wann sich eine WKA energe­tisch amorti­siert, passt nicht zur Frage. Die Aussage, dass dies nach 9 Monaten der Fall ist, mag stimmen, ist aber eine Nebel­kerze. Das Gesamt­sys­tem ist eben nicht wirtschaft­lich und eben nicht nachhal­tig und eben nicht klima­scho­nend. Die Empirie wider­legt die Fanta­sie: Das Kraft­werk Irsching ist das Mahnmal dieser Politik.

Die von Dr. Wallmann unter­stellte Klima­schutz­wir­kung der „Energie­wende“ und insbe­son­dere des Windkraft­aus­baus fußt auf der Vorstel­lung, dass damit der CO2-Ausstoß reduziert und der sogenannte Treib­haus­ef­fekt reduziert würde. Dazu muss man folgende Fakten berück­sich­ti­gen:

  1. Deutsch­land trägt zu den globa­len CO2-Emissio­nen ungefähr 2,5 % bei.

Egal, welche Politik in Deutsch­land betrie­ben wird, wird dieser Anteil bis 2030 auf deutlich unter 2% sinken. Deshalb, weil allein die Zuwächse in China und Indien unsere Gesamt­emis­sion deutlich übertref­fen. Was in Deutsch­land an CO2 emittiert wird (Gesamt­emis­sio­nen), entspricht der Menge, die in China alle 14 Monate neu hinzu­kommt. Wenn Deutsch­land morgen aufhörte zu existie­ren, wäre dies in der globa­len CO2-Bilanz allein durch China nach einem guten Jahr bereits vollstän­dig ausge­gli­chen. Schon aufgrund dieser Dimen­sio­nen ist es völlig ausge­schlos­sen, dass man von deutschem Boden aus einen Einfluss auf das Weltklima entfal­ten kann. Die Maßnah­men sind völlig wirkungs­los. Unsere Natur wird auf dem Altar abstru­ser grüner Ideolo­gie geopfert.

  1. Wenn man sich von einem klaren Blick auf die nüchtern Zahlen nicht irritie­ren lassen möchte und dennoch einen Effekt unter­stellt, so wie es Dr. Wallmann tut…

… so kann die Windkraft trotz­dem keinen Klima­schutz-Beitrag leisten. Denn sie wirkt allein im Strom­sek­tor. Dieser macht aber nur ein knappes Viertel des gesam­ten Energie­ver­brauchs aus. Die „großen Brocken“ Verkehr und Wärme werden nicht berührt. Dem Klima ist es jedoch egal, ob ein CO2-Molekül aus dem Auspuff eines PKW, dem Kamin eines Kachel­ofens oder dem Schorn­stein eines Kraft­werks kommt. Der gesamte Energie­ver­brauch ist maßgeb­lich. Zu diesem tragen alle Windkraft­an­la­gen zusam­men nur 1,3 % bei. Es geht also um 1,3 % von 2,5 %, also 0,0325 Prozent der globa­len Emissio­nen, die unter theore­ti­schen Ideal­be­din­gun­gen überhaupt durch die Windkraft­an­la­gen beein­flusst werden können.

  1. Wem die Aussicht auf Beein­flus­sung von 0,0352 Prozent der globa­len CO2-Emmis­sio­nen jedes Opfer wert ist, der muss dennoch konsta­tie­ren, dass selbst diese Aussicht trüge­risch ist.

De Facto führt der Windkraft­aus­bau zu überhaupt keiner C02-Einspa­rung. Die theore­ti­schen Ideal­be­din­gun­gen sind nämlich nicht erfüllt. Da Windkraft­an­la­gen nicht grund­last­fä­hig sind, müssen stets andere Kraft­werke im Hinter­grund bereit­ge­hal­ten werden. Diese werden in den Stop-&-Go-Betrieb gezwun­gen und arbei­ten dadurch unwirt­schaft­lich. Sie verbrau­chen mehr Brenn­stoff (Kohle, Gas), als sie müssten. Außer­dem drängt der Windstrom die vergleichs­weise CO2-armen Gaskraft­werke aus dem Markt und fördert indirekt den Braun­koh­le­ein­satz. Im Ergeb­nis steigt der CO2-Ausstoß.

  1. Wer vor diesen empiri­schen Tatsa­chen die Augen verschließt oder diese als Übergangs­er­schei­nun­gen abtut, muss zumin­dest die Existenz des Europäi­schen Emissi­ons­han­dels­sys­tems zur Kennt­nis nehmen.

Dieses legt die Gesamt­emis­sio­nen für alle EU Staaten insge­samt verbind­lich fest – alle poten­ti­el­len Emitten­ten der großen, energe­tisch relevan­ten Indus­trie­zweige müssen inner­halb dieses gedeckel­ten Kontin­gents Emissi­ons­rechte (“Zerti­fi­kate”) erwer­ben. Energie­er­zeu­gungs­un­ter­neh­men sind vollstän­dig erfasst und müssen für jedes emittierte Gramm CO2 ein entspre­chen­des Zerti­fi­kat nachwei­sen. Diese Zerti­fi­kate werden an Börsen oder zwischen den Anlagen­be­trei­bern frei gehan­delt, wobei das Kontin­gent sukzes­sive verklei­nert wird. Das System stellt im Prinzip sicher, dass das CO2 – Reduk­ti­ons­ziel einge­hal­ten wird und Emissio­nen an den Stellen einge­spart werden, wo dies am kosten­güns­tigs­ten möglich ist

Eventu­elle Einspa­run­gen im deutschen Strom­sek­tor führen dazu, dass im deutschen Strom­sek­tor weniger Zerti­fi­kate benötigt werden, der Zerti­fi­ka­te­preis also sinkt. Damit wird es für Unter­neh­men in anderen Sekto­ren und Regio­nen weniger lukra­tiv, in Emissi­ons­ver­mei­dung zu inves­tie­ren. Plaka­tiv ausge­drückt: In ost­europäischen Kohle­kraft­wer­ken werden im Zweifel keine zusätz­li­chen Filter mehr einge­baut, da die Erspar­nis bei den Zerti­fi­ka­ten die Inves­ti­tion nicht mehr recht­fer­tigt. Aber auch in anderen Indus­trie­zwei­gen inner­halb Deutsch­lands verän­dert ein reduzier­ter Zerti­fi­kats­preis das Inves­ti­ti­ons­kal­kül. Man kann es drehen, wie man will: Am Ende bestimmt allein das EU-weit festge­legte Kontin­gent an Zerti­fi­ka­ten, wie viel CO2 in Europa emittiert wird. Eine – ohnehin nur fiktive – CO2-Reduk­tion durch Windkraft­an­la­gen in Deutsch­land ist defini­tiv ohne Effekt auf die globa­len Emissio­nen.

Geradezu zynisch wird die Windkraft­an­sied­lung im Wald unter dem Deckman­tel „Klima­schutz“, wenn man sich verge­gen­wär­tigt, dass unsere Wälder pro Jahr und Hektar rund 10 Tonnen CO2 speichern. Wälder nehmen nicht am Emissi­ons­han­del teil – ihre Leistun­gen werden nicht konter­ka­riert. Pro Windkraft­an­lage wird mindes­tens ein Hektar Wald vernich­tet und dauer­haft ökolo­gisch entwer­tet. Eventu­elle Auffors­tun­gen können das nicht einmal ansatz­weise ausglei­chen, da alte Bäume in jeder Hinsicht ungleich wertvol­ler als Neuan­pflan­zun­gen sind.

Wenn man den Klima­wan­del ernst nimmt, muss man ihn mit geeig­ne­ten Mitteln angehen. Dazu gibt es viele sinnvolle Ansätze. Alle laufen darauf hinaus, anderen Ländern zu helfen, ihre Emissio­nen zu senken und effizi­en­ter zu werden. Das entspricht deutscher Ingenieurs­kunst und schafft dauer­hafte Export­erfolge und Arbeits­plätze. Wenn man dennoch unbedingt in Deutsch­land etwas tun möchte, dann sollte dies beim Einspa­ren anset­zen und den gesam­ten Energie­ver­brauch ‑nicht nur den Strom- erfas­sen.

Der Vollstän­dig­keit halber ist zum Themen­kom­plex „Klimawandel/Klimaschutz/Windkraft“ noch darauf hinzu­wei­sen, dass die für Deutsch­land prognos­ti­zier­ten negati­ven Effekte einer globa­len Erwär­mung im Wesent­li­chen in häufi­ge­ren Überschwem­mun­gen und häufi­ge­ren Dürre­pe­ri­oden bestehen. Ursprüng­li­cher Wald bietet den besten Erosi­ons­schutz. Waldbo­den reinigt und speichert Wasser. Pro Windkraft­an­lage wird mindes­tens 1ha Wald vernich­tet.

HNA: Kriti­ker sagen, dass wir Öko­strom-Überschüsse ans Aus­land verschen­ken…

WALLMANN: 2013 lag der Strom­preis an der Börse nur an 64 Stunden unter null Euro. Aufs Jahr gesehen ver­dienen wir am Strom­ex­port. Wir produ­zie­ren übrigens auch Strom­über­schüsse, weil unsere Kohle- und Atomkraft­werke bei Schwan­kun­gen nicht kurzfris­tig herunterge­fahren werden können. Insge­samt brauchen wir eine Ener­giewende, die mit Energiespa­ren beginnt.

Bürger bemer­ken:

In der ZEIT vom 14.12.2014 steht dazu:

In der ersten Jahres­hälfte 2014 gab es 71 Stunden mit negati­ven Strom­prei­sen. Aber schon in wenigen Jahren könnten es nach einer Berech­nung des Think­tanks Energy Brain­pool tausend Stunden im Jahr werden. Ein Viertel der gesam­ten Ökostrom­pro­duk­tion wäre dann Energie­müll.

An wie vielen Stunden der Börsen­preis unter Null lag, ist aber nicht entschei­dend. Entschei­dend ist vielmehr, dass jede weitere Windkraft­an­lage die Leistungs­spit­zen und die Überpro­duk­tion verschärft. Dies ist schlicht dadurch begrün­det, dass normale Tiefdruck­ge­biete ganz Deutsch­land überde­cken: Wenn im Norden der Wind stark weht, ist das auch im Süden der Fall.  Drauf gezahlt haben wir immer dann, wenn der Börsen­preis unter dem EEG-Preis lag. So haben „wir“, d.h. alle deutschen Strom­kun­den, im letzten Jahr 14 Milli­ar­den Euro für Windkraft- und PV-Strom bezahlt, der 2 Milli­ar­den wert war. Die volks­wirt­schaft­li­che Wertver­nich­tung betrug 12 Milli­ar­den Euro. Diese Wertver­nich­tung steigt mit jeder neuen Anlage weiter an. Die Insti­tute der Windlobby betrü­gen die Öffent­lich­keit, die Politik und fälschen ganz offen­sicht­lich in wissen­schaft­li­chen Veröf­fent­li­chun­gen, wenn sie behaup­ten, ein Ausbau der Windkraft führe zu “einer Glättung der Einspei­sung”. 

Zu behaup­ten, dass „wir“ am Strom­ex­port verdie­nen, ist eine dreiste Fälschung von Tatsa­chen. Die unfrei­wil­li­gen Exporte auf die unfle­xi­blen Kohle- und Atomkraft­werke zu schie­ben, entspricht der von Wallmanns Namens­vet­ter und Partei­kol­le­gen Baake verbrei­te­ten Lesart. Die bittere Wahrheit: Wenn wir diese „unfle­xi­blen“ Kraft­werke nicht hätten, hätten wir längst einen Black­out und mit Sicher­heit Tote zu bekla­gen.

Im Übrigen hat niemand etwas gegen Energie­spa­ren, ganz im Gegen­teil. Dazu brauchen wir aber keine Windkraft­an­la­gen, ganz im Gegen­teil.

HNA: Zum Energie­spa­ren gehört Ihrer Ansicht nach auch Last­management. Was ist das?

WALLMANN: Dabei wird der Energie­be­darf dem Angebot an Strom angepasst, etwa, in­dem man die Wasch­ma­schine nur dann anschal­tet, wenn die Sonne scheint und die Photo­vol­ta­ik­an­lage auf dem Dach viel Strom produ­ziert. Das Prinzip funktio­niert auch in vielen Indus­trie­be­trie­ben.

Bürger bemer­ken:

Offen­bar ist Dr. Wallmann mit der Reali­tät des Wirtschafts­le­bens nicht eng vertraut. Sein „Lastma­nage­ment“ bedeu­tet nichts anderes als Ratio­nie­rung. Eine wettbe­werbs­fä­hige, sichere und bedarfs­ge­rechte Versor­gung mit elektri­scher Energie ist Voraus­set­zung für indus­tri­elle Produk­tion. Auf Ratio­nie­rung wird sich kein Unter­neh­mer einlas­sen, solange in vielen anderen Staaten der Erde angemes­sene Produk­ti­ons­be­din­gun­gen vorzu­fin­den sind.

HNA: Was brauchen wir zuerst: Strom­spei­cher oder den Aus­bau erneu­er­ba­rer Energien?

WALLMANN: Es ist fachlich falsch zu sagen, dass wir erst die Speicher entwi­ckeln müs­sen. Laut dem Fraun­ho­fer-In­sti­tut brauchen wir Batte­rie-Speicher erst ab 2030. Bis da­hin können wir Überschüsse deutsch­land­weit abpuf­fern. Erst 2050 werden wir unseren Energie­be­darf komplett aus erneu­er­ba­ren Energien be­streiten und werden dann eine völlig andere Gestal­tung der Energie­wirt­schaft haben.

Bürger bemer­ken:

Solange man es hinnimmt, dass jährlich ein großer zweistel­li­ger Milli­ar­den­be­trag vernich­tet und – mit allen Konse­quen­zen für Mensch und Natur – eine doppelte Infra­struk­tur gebaut und aufrecht­erhal­ten wird, braucht man keine Speicher. Wenn man die entspre­chen­den ökono­mi­schen und ökolo­gi­schen Schäden nicht hinneh­men und ständig vergrö­ßert sehen will, braucht man einen Ausbau­stopp, da es hinrei­chende Speicher­mög­lich­kei­ten nicht gibt. Im Jahre 2015 exakte Vorstel­lun­gen von der Welt in 2050 zu haben, ist eine Anmaßung von Wissen und verkennt die Natur des techni­schen Fortschritts.  In der ZEIT vom 18.12.2014 beschrieb Frank Driesch­ner die schmut­zi­gen Irrtü­mer der Energie­wende-Politik. Ferner schrieb er dort:

rund um die Erneu­er­ba­ren Energien Branche ist ein regel­rech­ter politisch-ökono­mi­scher Komplex heran­ge­wach­sen. In seinem Einfluss ist er wahrschein­lich nur mit der Atomwirt­schaft im vergan­ge­nen Jahrhun­dert vergleich­bar.  Alle Akteure in diesem Komplex verbin­det ein Inter­esse: Probleme der Energie­wende müssen lösbar erschei­nen, damit die Wind- und die Sonnen­bran­che weiter subven­tio­niert werden.“

Das von Dr. Wallmann ins Feld geführte IWES ist jenem politisch-ökono­mi­schen Komplex zuzuord­nen. Die Finan­zie­rung des Insti­tuts und die Karrie­ren der dort Beschäf­tig­ten bedin­gen dieses “verbin­dende Inter­esse”. Die kühne Behaup­tung, man brauche keine Speicher wird überdies durch die Tatsa­che konter­ka­riert, dass schon heute große Beträge an elektri­scher Energie auf Kosten der Bürger im Ausland verklappt werden. Dr.-Ing. Detlef Ahlborn dazu: “Die genannte IWES-Studie gehört zum Blumen­strauß der wissen­schaft­li­chen Täuschung, die dort wohl zum Programm gehört – schließ­lich sollen die Probleme der Energie­wende lösbar erschei­nen.”

HNA: Warum müssen wir hier sehr hohe Windrä­der bauen, die in anderen Regio­nen vielleicht besser aufge­ho­ben wären?

WALLMANN: Wir könnten Windrä­der an der Küste instal­lieren, wo sie in der gleichen Zeit mehr Strom produ­zie­ren, aber der Strom müsste umge­wandelt und durchs ganze Land zu uns gelei­tet werden. Wir hätten Verluste, Kosten und Aufwand – und Stromau­tobahnen will auch niemand. Deshalb denke ich, dass die Energie­wende so dezen­tral wie möglich erfol­gen muss. Dazu gehört, dass ein Gebäude seinen Strom, wenn möglich, selbst erzeugt – was bei vielen Gebäu­den im Landkreis be­reits der Fall ist.

Bürger bemer­ken:

Hier wird sugge­riert, dass wir weniger Trassen bräuch­ten, wenn wir die Windkraft­an­la­gen flächen­de­ckend vertei­len. Das Gegen­teil ist richtig: WKA-Ausbau und Trassen­bau bedin­gen sich gegen­sei­tig! Verein­facht gesagt: Je mehr Windkraft­an­la­gen errich­tet werden und je weiter gestreut sie über das Land verteilt werden, desto dichter und verwor­re­ner der Kabel­sa­lat.

Dieser Zusam­men­hang wurde in der DENA-Netzstu­die unter Kosten­aspek­ten betrach­tet:

Neben mehr Strom­au­to­bah­nen braucht Deutsch­land auch ein neues Verteil­netz mit bis zu 193.000 Kilome­tern zusätz­li­cher Leitungs­tras­sen, um die Energie­wende zu schaf­fen. Eine neue Studie der Deutschen Energie­agen­tur (Dena) konzen­triert sich ausschließ­lich auf den Ausbau­be­darf der Strom­netze auf den niedri­gen Spannungs­ebe­nen, gleich­sam den Land- und Ortsstra­ßen des deutschen Strom­net­zes. Den Ergeb­nis­sen zufolge hängt der Netzbe­darf vom Ausbau der erneu­er­ba­ren Energien ab. Geht es nach dem Netzent­wick­lungs­plan der Bundes­re­gie­rung, so wäre bis 2030 der Neubau von rund 135.000 Kilome­ter regio­na­ler und kommu­na­ler Strom­tras­sen nötig. Zusätz­lich müssten rund 21.000 Trassen­ki­lo­me­ter umgebaut werden.

Die Gesamt­kos­ten, die in den kommen­den 18 Jahren über die Netzent­gelte auf die Strom­rech­nun­gen der Verbrau­cher abgewälzt werden, betra­gen in diesem Fall rund 27,5 Milli­ar­den Euro. Anders liegt der Fall, wenn sich die Bundes­län­der mit ihren eigenen Ausbau­zie­len für Ökostrom durch­set­zen: Dann müssten sogar Strom­lei­tun­gen über 193.000 Kilome­ter neu verlegt und 25.000 Kilome­ter umgebaut werden, zu Gesamt­kos­ten von 42,5 Milli­ar­den Euro.

Der Übertra­gungs­netz­be­trei­ber 50 Hertz weiß es (aus Erfah­rung) ebenfalls besser als Herr Wallmann: 

Netzausbau

Aus dem Positi­ons­pa­pier zur Netzent­gelt­sys­te­ma­tik

Mehr zur Spiegel­bild­lich­keit von Windkraft- und Trassen­aus­bau unter diesem Link.

HNA: Was sagen Sie Windkraft­geg­nern, die um den Touris­mus, den Natur­schutz oder um ihre Gesund­heit fürch­ten?

WALLMANN: In anderen Re­gionen stehen Atomkraftwer­ke und werden durch Braun­kohleabbau ganze Landschaf­ten weg gebag­gert. Der Werra-Meißner-Kreis hat ein ganz­heitliches Klima­schutz­kon­zept. Die Windener­gie steht dabei an letzter Stelle, nach­dem alle Poten­ziale von Ein­sparen, Sonnen­en­er­gie, Bio­masse, Wasser­kraft und Erd­wärme ausge­schöpft sind. Ohne Windkraft können wir unser Klima­schutz­ziel nicht errei­chen. Ich finde, der Teilre­gio­nal­plan Energie ist auf einem gu­ten Weg, weil dort unter Berück­sich­ti­gung von Windstär­ke, Natur­schutz, Infra­struk­tur und dem Abstand zur Wohn­bebauung die Stand­orte ermit­telt wurden, an denen die Beein­träch­ti­gun­gen von Mensch, Natur und Umwelt am gerings­ten sind. Von einer „Verspar­ge­lung“ kann keine Rede sein, weil im ganzen Kreis nur 50 Windrä­der gebaut werden. Bis zu 25 Hektar unserer ca. 40.000 Hektar umfas­sen­den Waldflä­che müssten dafür aus der Nutzung genom­men werden, die zu großen Teilen in den letzten Jahren bereits durch Stürme „gerodet“ wurden.

Bürger bemer­ken:

Der Verweis auf Schat­ten­sei­ten der Kernkraft- und Braun­koh­le­nut­zung ist vollkom­men unsin­nig, da die Windkraft­an­la­gen diese Schat­ten­sei­ten nicht im Ansatz reduzie­ren. Mehr dazu hier. Der Ausstieg aus der Kernener­gie ist beschlos­sene Sache und wird durch die Subven­ti­ons­pro­pel­ler nur unnötig verteu­ert und erschwert. Die Braun­koh­le­bag­ger kommen durch die von Wallmann forcierte Politik erst richtig auf Touren.

Das “Klima­schutz­kon­zept” ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrie­ben steht. Entlar­vend ist die Begrün­dung des WKA-Ausbaus mit der Planerfül­lung: Die Anlagen machen keinen Sinn, aber wir müssen unser Ziel errei­chen.

Es geht nicht um “Verspar­ge­lung”, sondern um die mutwil­lige Zerstö­rung einer wunder­ba­ren Landschaft und der letzten großen natur­na­hen Waldge­biete.

Da bin ich zuhause.

Blick vom Bilstein­turm – noch unver­baut

Die Hektar­zah­len sind völlig verharm­lo­send und so unhalt­bar. Es geht nicht um “Heraus­nahme aus der Nutzung”, sondern um massive Eingriffe in intakte Ökosys­teme, so wie hier im Saarland:

Bau von Windkraft­an­la­gen im saarlän­di­schen Hochwald.

Was die Auswir­kun­gen auf den Touris­mus betrifft, ist das Wirtschafts­mi­nis­te­rium realis­ti­scher als Dr. Wallmann:

 

bmwi

Aus einer aktuel­len Broschüre des Bundes­mi­nis­te­ri­ums für Wirtschaft und Energie. 

HNA: Was sagen Sie zu den Vor­würfen, dass die Profite nicht vor Ort bleiben?   

WALLMANN: Die regio­nale Wertschöp­fung hängt ganz stark von der Gestal­tung ab. Beispiels­weise können Aufträge für Planung, Umset­zung und Finan­zie­rung an Firmen und Banken aus der Region verge­ben werden. Im Bereich Windkraft sind viele regio­nale Unter­neh­men wie etwa Stadt­werke an Wind­parks betei­ligt. Auch die Bürger­en­er­gie­ge­nos­sen­schaft wird sich voraus­sicht­lich an Windparks betei­li­gen. Da kön­nen alle mitma­chen.

Bürger bemer­ken:

Vor dem Hinter­grund der allein in 2014 durch Subven­tio­nie­rung von Windkraft- und PV-Strom erfolg­ten gesamt­wirt­schaft­li­chen Wertver­nich­tung i.H.v. 12 Mrd. Euro ist diese Aussage abenteu­er­lich. Es geht hier nicht um Wertschöp­fung, sondern um Subven­ti­onsabschöp­fung. Jeder Euro, der durch Windkraft­pro­pel­ler irgendwo hinge­weht wird, wurde uns allen vorher aus der Tasche gezogen. Es handelt sich um einen Subven­ti­ons­wett­lauf zu Lasten der Allge­mein­heit und der Natur. Der Sachver­stän­di­gen­rat zur Begut­ach­tung der gesamt­wirt­schaft­li­chen Lage erklärte dazu:

svr

Aus dem vorletz­ten Jahres­gut­ach­ten der Wirtschafts­wei­sen

Wallmanns Vorschläge zielen darauf, den Kreis der Profi­teure zu erwei­tern.

Herr Dr. Wallmann wird dem Werra-Meißner-Kreis das besche­ren, was dem Natur­park Hoher Vogels­berg bereits wider­fah­ren ist.

Dies geht uns alle an.

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