Wie ist das mit der Kohle?

Wer sich kritisch mit den ökolo­gi­schen und ökono­mi­schen Auswir­kungen der „Energiewende“-Politik befasst und den Inter­essen des „ökoin­dus­tri­ellen Komplexes“ in die Quere kommt, sieht sich sofort dem Vorwurf ausge­setzt, „Kohle­lob­byist“ oder „Atomkraft­lob­byist“ zu sein.

Auch unsere gemein­nüt­zige Arbeit und unser Werben für eine mensch- und natur­ver­träg­liche Politik wurde bereits mehrfach einschlägig bezich­tigt.  Wer die ökolo­gi­schen Schat­ten­seiten der „Erneu­er­baren Energien“ thema­ti­siert, bekommt standard­mäßig zu hören, dass Kohle doch viel schlimmer sei und doch wohl niemand ernst­haft Kernkraft­werke wolle.

 „Wegen der Braun­kohle werden ganze Dörfer wegge­bag­gert und Ihr regt Euch wegen ein paar Bäumen auf!

lautet der Standard­vor­wurf, der seitens profes­sio­neller Lobby­isten gerne noch mit herzer­wei­chenden Bildern und Szenen unter­mauert wird. Filmisch und drama­tur­gisch sehr gut gemacht erscheint uns der Clip über einen vermeint­lich allein gelas­senen alten Herrn:

Natür­lich will niemand, dass “Opa” seine Orgel aufgeben muss!

Den impli­ziten Vorwurf, “schlechte Menschen” zu sein, müssen wir uns jedoch wirklich nicht zu Herzen nehmen, denn er entbehrt jeder Grund­lage.

Schließ­lich bietet der Zufalls­strom aus Windkraft keinen Ersatz für grund­last­fä­hige Energie­formen, sondern sorgt vielmehr dafür, dass die effizi­en­testen Kraft­werke aus dem Markt gedrängt werden und die Braun­kohle eine Renais­sance  erfährt.

Obwohl der Standard­vor­wurf schon im Ansatz falsch ist – durch Windkraft­ausbau wird keine einzige Tonne Kohle weniger geför­dert oder verbrannt – lohnt es sich, die Paral­lelen und Unter­schiede bezüg­lich der beiden Energie­träger einmal näher zu betrachten.

VERNUNFTKRAFT. spricht sich nicht für irgend­welche spezi­ellen Energie­träger und Techno­lo­gien aus, sondern propa­giert gesetz­liche Rahmen­be­din­gungen, die das Wohl von Mensch und Natur in den Vorder­grund stellen – sprich: eine Rückbe­sin­nung auf das energie­po­li­ti­sche Zield­reieck aus Bezahl­bar­keit, Versor­gungs­si­cher­heit und Umwelt­ver­träg­lich­keit. Nur inner­halb eines strin­genten, Techno­lo­gie­of­fen­heit und Wettbe­werb sicher­stel­lenden Ordnungs­rah­mens kann sich eine Energie­ver­sor­gungs­struktur entwi­ckeln, die diesen drei Zielen bestmög­lich gerecht wird. Wir plädieren für Ratio­na­lität, Objek­ti­vität und Unvor­ein­ge­nom­men­heit. In unserem Positi­ons­pa­pier finden Sie dies klar darge­legt. 

Vor diesem Hinter­grund und der allent­halben anzutref­fenden Propa­ganda einschlä­giger Lobby­gruppen möchten wir uns mit diesem Artikel um einen objek­tiven Vergleich der Energie­träger Windkraft und Braun­kohle bemühen. Es geht nicht darum, Probleme zu bagatel­li­sieren, sondern eine ratio­nale, weniger auf Angst und mehr auf Fakten basierte Betrach­tung zu ermög­li­chen. Sollten uns dabei Fehler unter­laufen, so sind wir für Hinweise dankbar.

Der an sich schon unsin­nigen, da Entschei­dungs­mög­lich­keit sugge­rie­renden Frage:

Was ist besser – Windkraft oder Kohle?

kann man sich nur sinnvoll nähern, wenn man die beiden Energie­formen „gleich­namig“ und damit einem Vergleich zugäng­lich macht.

Eine objek­tive Gegen­über­stel­lung muss also ökolo­gi­sche, ökono­mi­sche und soziale Folgen der Nutzung der jewei­ligen Energie­träger auf dieselbe Menge und Qualität der bereit­ge­stellten Energie beziehen.

Das möchten wir im Folgenden versu­chen.

I. Energie­dichte und Flächen­ver­brauch

Deutsch­land verfügt über die dritt­größten Braun­koh­le­vor­kommen der Welt. Die weltweit zu gegen­wär­tigen Preisen förder­fä­higen Reserven wurden im Jahre 2006 von der Bundes­an­stalt für Geowis­sen­schaften und Rohstoffe (BGR) auf 283,2 Milli­arden Tonnen Braun­kohle geschätzt. Davon entfielen 32,3 Prozent (91,6 Milli­arden Tonnen) auf Russland, 14,4 Prozent (40,8 Milli­arden Tonnen) auf Deutsch­land und 13,3 Prozent (37,7 Milli­arden Tonnen) auf Austra­lien. Bei gleich­blei­bender Förde­rung (966,8 Millionen Tonnen im Jahre 2006) könnte der Bedarf noch für etwa 293 Jahre gedeckt werden. In Deutsch­land würden die Vorräte, die nach Angaben der BGR zu gegen­wär­tigen Preisen und mit dem Stand der heutigen Techno­logie gewinnbar sind, bei konstanter Förde­rung (176,3 Millionen Tonnen im Jahre 2006) noch für 231 Jahre ausrei­chen. Die deutschen Vorkommen befinden sich im Wesent­li­chen im Rheini­schen Braun­koh­le­re­vier in der Nieder­rhei­ni­schen Bucht, im Mittel­deut­schen Braun­koh­le­re­vier  und in der Lausitz. (Quelle: Wikipedia). Eines der größten und vermut­lich das politisch umstrit­tenste Abbau­ge­biet ist Garzweiler II.

Tagebau_Garzweiler_Panorama_2005

Tagebau Garzweiler Panorama 2005“ von © Raimond Spekking Wikimedia Commons.

Dieses Abbau­ge­biet umfasst eine Fläche von 48 km2. Die dort vorhan­dene Braun­kohle hat eine Masse von 1,3 Milli­arden Tonnen (Quelle: hier). 

Die Braun­kohle mit einem Heizwert  von 2,2 MWh/t kann in einem modernen Kraft­werk mit einem thermi­schen Wirkungs­grad von 42% in 1,2 Milli­arden MWh elektri­sche Energie gewan­delt werden. Mit dieser Menge an elektri­scher Energie kann ganz Deutsch­land zwei Jahre lang mit Strom versorgt werden.

Über eine Nutzungs­dauer von 30 Jahren kann Garzweiler also jährlich 40 Millionen MWh Elektri­zität zur Verfü­gung stellen. Dieser Betrag entspricht ungefähr der Strom­pro­duk­tion von fünf modernen Großkraft­werken.

Wir wollen nun der nahelie­genden Frage nachgehen, welche Fläche bereit­ge­stellt werden muss, um denselben jährli­chen Betrag an Energie alter­nativ aus Windkraft­an­lagen zu gewinnen. Bei einer Nennleis­tung von 3MW und 2000 Vollla­stunden beträgt die jährliche Energie­ernte einer WKA 6000 MWh. Rein rechne­risch entspre­chen 40 Millionen MWh also der Jahres­pro­duk­tion von 6.700 Windkraft­an­lagen.

Diese 6.700 Windkraft­an­lagen ordnen wir nun gedank­lich in einem Raster an: In der Breite wählen wir einen Abstand von 300m und in der Tiefe von 500m (ungefähr drei- bzw. fünffa­cher Rotor­durch­messer). Wir stellen uns also einen Windpark vor, auf dem die Anlagen dicht an dicht stehen.

Garzweiler III

Auf einem Quadrat von 100km Kanten­länge (also 10.000 Quadrat­ki­lo­me­tern) gelänge es uns, auf diese Art und Weise theore­tisch 100/0,5 x 100/0,3 = 66.666 Windkraft­an­lagen unter­zu­bringen. Für die notwen­digen 6.700 würde demnach ein Zehntel von 10.000 km2 gerade so “genügen”.

Der Garzweiler II erset­zende Windpark hätte also eine Fläche von 1000 Quadrat­ki­lo­me­tern! 

Aller­dings wird man die Anlagen kaum dicht an dicht aufstellen wollen, sondern irgendwie gemäß des Windauf­kom­mens über das Land verteilen. Bekannt­lich ist das Windauf­kommen – im Gegen­satz zur Kohle – nicht lokal konzen­triert, sondern aufgrund der wesent­lich gerin­geren Energie­dichte des Winds über wesent­lich größere Flächen verteilt.

Einen ersten Eindruck von dem erfor­der­li­chen Eingriff in die Landschaft kann man gewinnen, wenn man eine gleich­mä­ßige Vertei­lung aller 6.700 WKA über NRW unter­stellt: Der mittlere Abstand von WKA zu WKA liegt dann bei 2.250 m.

Alle diese 6.700 Windkraft­an­lagen haben aller­dings das Problem, dass sie keinen Strom produ­zieren, wenn der Wind nicht weht. Sie sind für eine sichere Strom­ver­sor­gung nicht geeignet. Auch ein großflä­chiger Verbund ändert daran nichts

Um den fiktiven Windpark NRW grund­last­fähig und damit zum vollwer­tigen Ersatz nur für Garzweiler II zu machen, soll nun das Power-To-Gas–Verfahren zwischen­ge­schaltet werden, das ja nach den Vorstel­lungen einiger Profes­soren das Speicher­pro­blem lösen soll. Aufgrund der Energie- und Abregel­ver­luste von 50% würde sich die Anzahl der Anlagen verdop­peln und der mittlere Abstand auf 1.600m  verkürzen. Um Garzweiler II durch grund­last­fä­hige Windkraft­an­lagen zu ersetzen, müsste man NRW mit einem Wald von rund 13000 Windrä­dern überziehen. Gleich­gültig, wie man diese WKA in Flächen „konzen­trieren“ würde, es gäbe in NRW keinen Ort mehr, der sich nicht in Sicht­weite von Windrä­dern befände.

Bezüg­lich des Flächen­ver­brauchs unter­scheiden sich Braun­kohle und Windkraft also bei reiner Mengen­be­trach­tung um den Faktor 20. Wenn man die Qualität des Stroms berück­sich­tigt, beträgt der Faktor 40. Die folgende Abbil­dung skizziert die Dimen­sionen maßstabs­ge­treu.

Garzweiler

Skizze des Landes NRW und der Flächen­ver­bräuche verschie­dener Energies­ze­na­rien.

Das Land NRW (grau darge­stellt) hat eine Fläche von 34.100 km2. Die Fläche von Garzweiler II (gelb darge­stellt) beträgt knapp 50 km2. Um die dort gewon­nene Energie rein quanti­tativ zu ersetzen, muss zusätz­liche Fläche im Umfang der orangen Fläche für Windkraft bereit­ge­stellt werden. Um einen vollwer­tigen Ersatz für Garzweiler II zu schaffen, muss die gesamte farbige Fläche dicht an dicht mit Windkraft­an­lagen bebaut werden.

Tatsäch­lich dürfte man sich diese Anlagen, wie angedeutet, nicht mensch- und natur­scho­nend konzen­triert, sondern als das Land mit farbigen Fleck­chen übersäend vorstellen. Nebenbei bemerkt, würde die Errich­tung dieses fiktiven “Windparks Garzweiler” einen gigan­ti­schen Ressour­cen­ver­brauch induzieren. Dieser sei mit

  • 5,2 Millionen Tonnen Stahl für die Türme und Gondeln,
  • 5,4 Millionen Tonnen Zement und
  • 34,2 Millionen Tonnen Sand und Kies für die Funda­mente sowie
  • 23 Tausend Tonnen Kupfer für die Genera­toren

grob taxiert.

Diese Werte ergeben sich aus einfa­cher Division der hier ausführ­lich herge­lei­teten Zahlen. Anhand dieser Gigan­to­manie wird deutlich, wie recht der “Ökopio­nier” Fried­rich Schmidt-Bleek hat, wenn er in diesem Zusam­men­hang “Grüne Lügen” anpran­gert und den Ressour­cen­ver­brauch als das eigent­lich relevante und durch die “Energie­wende” verschärfte Umwelt­pro­blem ausmacht.

Wenn wir uns nun vom Beispiel Garzweiler bzw. dem fiktiven Windpark als dessen Ersatz lösen und uns die realen Flächen­ver­bräuche anschauen, so finden wir diese Größen­ord­nungen bestä­tigt. Nach Angaben der Verei­ni­gung Rohstoffe und Bergbau beträgt die gesamte, für die (Energie-)Rohstoffgewinnung beanspruchte Fläche 0,2 Prozent der Landes­fläche:

Fläche Rohstoffgewinnung

Mit einem Klick öffnet sich das Positi­ons­pa­pier, dem diese Abbil­dung entnommen ist.

Aufgrund der in der Regel zeitgleich mit dem Abbau erfol­genden Wieder­nutz­bar­ma­chung beträgt der für die Rohstoff­ge­win­nung in Anspruch genom­mene Flächen­an­teil in Deutsch­land seit Jahren gleich­blei­bend 0,2 % der Landes­fläche (siehe Grafik 4).”

Bei den Verfas­sern der hier zitierten Quelle handelt es sich um Inter­es­sen­ver­bände. Es gibt aller­dings für uns an dieser Stelle keinen Anlass, an den Angaben zu zweifeln. 

Diese 0,2 Prozent der Fläche decken also sowohl die  inlän­di­sche Gewin­nung von Kies, Schiefer und anderen nicht-energe­ti­schen Rohstoffen als auch die inlän­di­sche Braun- und Stein­koh­le­ge­win­nung ab. Damit erfolgt auf diesen 0,2 Prozent der Landes­fläche die Bereit­stel­lung von rund 25 Prozent unseres Primär­ener­gie­be­darfs und rund 45 Prozent unserer Strom­erzeu­gung.

Dies muss man nun mit  den Planungen zum Windkraft­ausbau verglei­chen:

Demnach will das Land Hessen nach aktueller Beschluss­lage 2 Prozent der Landes­fläche für Windkraft­an­lagen bereit­stellen. Dies wird den Bürgern als “wenig” verkauft; die hanebü­chene Argumen­ta­tion lautet, dass 98 Prozent der Landes­fläche nicht beein­träch­tigt seien. Auf diesen 2 Prozent der Landes­fläche sollen im Falle Hessens dereinst 25 Prozent des Stroms aus Windkraft gewonnen werden. Gemessen an den o.g. bundes­weiten Zahlen will man also mit dem zehnfa­chen Flächen­ver­brauch rund die Hälfte des Stroms erzeugen. Erneut sind wir also bei einem Flächen­ver­brauch, der um den Faktor 20 über dem derzei­tigen Flächen­ver­brauch liegt.

Der Vergleich zwischen den 0,2 Prozent Fläche, die für Rohstoff­ge­win­nung genutzt werden, und den 2 Prozent, die für Windkraft­an­lagen bereit­ge­stellt werden, hinkt jedoch gewaltig:

Der optische Wirkra­dius von Braun­koh­le­ta­ge­bauen geht nur unwesent­lich über das tatsäch­liche Abbau­ge­biet hinaus. Bereits wenige Kilometer neben der Abbruch­kante ist die Idylle ungetrübt und die dort bestehende Fläche in ihrer Nutzbar­keit unbeein­träch­tigt. Die Wirkra­dien von “Windparks” mit 200m hohen Anlagen erstre­cken sich hingegen – je nach Topogra­phie – über viele zig Kilometer hinaus. 2 Prozent der Landes­fläche bedeutet beispiels­weise für das mittel­ge­bir­gige Hessen, dass Windkraft­an­lagen praktisch flächen­de­ckend ihre negativen Auswir­kungen und Risiken für Lebens­qua­lität und Gesund­heit entfalten und landes­weit die Hähne verstummen lassen.

II. Ausmaß der sozialen Verwer­fung und Praxis der Entschä­di­gung

In der Tat müssen aufgrund des Braun­koh­le­ta­ge­baus regel­mäßig Ortschaften aufge­geben und Dorfge­mein­schaften umgesie­delt werden. Die Frank­furter Allge­meine Zeitung schil­derte dies exempla­risch anhand des Dorfes Immerath.

Dorf muss weichen

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Zweifels­ohne bringt dies für viele Menschen außer­ge­wöhn­liche Härten und im Einzel­fall auch leidvolle Schick­sale mit sich. Der Verlust von Heimat und Erinne­rungen lässt sich nur sehr bedingt materiell kompen­sieren. 

Das von den Lobby­isten der Erneu­er­baren Energien Branche gezeich­nete Bild, wonach Tausende Menschen unver­mit­telt und unent­schä­digt vertrieben werden, entspricht jedoch keines­wegs der Realität:

Erstens sind die Härten vergleichs­weise vorher­sehbar. Die Planung neuer Abbau­ge­biete erfolgt jahrzehn­te­lang im Voraus. Niemand wird über Nacht enteignet und vertrieben. Vielmehr werden von langer Hand – staat­li­cher­seits und unter­neh­mens­seitig – Vorkeh­rungen getroffen, die eine frühzei­tige Infor­ma­tion der Bevöl­ke­rung und sozial­ver­träg­liche Lösungen garan­tieren sollen. Das Beispiel der sächsi­schen Gemeinde Großgrimma stellt dabei den Ideal­ver­lauf dar. Die Dorfge­mein­schaft konnte erhalten und die Lebens­si­tua­tion für alle Betei­ligten noch verbes­sert werden.

Zweitens gibt es eindeu­tige gesetz­liche Entschä­di­gungs­re­ge­lungen, die oftmals eine materi­elle Verbes­se­rung der Betrof­fenen mit sich bringen. Maßgeb­lich ist hier das Bundes­berg­recht, das sowohl die Grund­lagen der Enteig­nung regelt, als auch klare Maßgaben hinsicht­lich der von den profi­tie­renden Unter­nehmen zu leistenden Wieder­gut­ma­chung vorgibt. Oftmals gelingt es den Unter­nehmen, die Umsied­lung im Einver­nehmen mit der Bevöl­ke­rung zu reali­sieren und Lösungen zu finden, mit denen die Betei­ligten leben können.  Das Unter­nehmen RWE ist uns aufgrund seiner unsäg­li­chen VORWEG-GEHEN-Kampagne mindes­tens ebenso suspekt wie das Unter­nehmen E.On. Gleich­wohl scheinen uns dessen Erklä­rungen zur Umsied­lungs­pro­ble­matik lesen­wert.

Hinzu kommt drittens, dass in den vom Braun­koh­le­ta­gebau geprägten Gegenden viele Menschen ihr Einkommen genau in diesem Bereich verdienen und daher Verständnis für die unter­neh­me­ri­schen Belange haben sowie eine von vornherein hohe Kompro­miss­be­reit­schaft an den Tag legen. Der massive Protest gegen neue Abbau- und entspre­chende Umsied­lungs­vor­haben speist sich hingegen häufig aus Großstäd­tern und BUND-Anhän­gern, welche die entspre­chenden Projekte eher aus grund­sätz­li­chen ideolo­gi­schen Motiven bekämpfen, als eine persön­liche Betrof­fen­heit geltend machen können.

Im Gegenzug demons­trieren Menschen aus den Tagebau­re­gionen für den Erhalt dieser Energie­er­zeu­gungs­form. Auf der Seite  der Indus­trie­ge­werk­schaft IGBCE werden deren dekla­rierte Motive genannt: “Die Zukunft zu sichern, für sich selbst, die eigenen Kinder und für die Menschen in der Region – das hörte man von ihnen am häufigsten als Grund. Das zu erhalten und auszu­bauen, was Genera­tionen von Bergleuten aufge­baut haben, eine bezahl­bare Energie­quelle für die Menschen und die Indus­trie zu sichern.”

So protes­tierten im branden­bur­gi­schen Jänsch­walde am 25. März 2015 rund 4000 Arbeit­nehmer aus der Braun­koh­le­indus­trie für den Erhalt (!) des Tagebaus in der Region Lausitz, den sie durch die Bundes­po­litik gefährdet sehen. In lokaler und regio­naler Verant­wor­tung stehende Politiker, Bürger, Arbeit­nehmer und Gewerk­schafter fürchten den “sozialen Blackout” der Region – nicht durch Fortfüh­rung, sondern durch Beendi­gung des Braun­koh­le­ab­baus. Den im TV Inter­viewten zufolge zwingt der politisch forcierte Stopp – nicht die Fortfüh­rung der Kohle­ge­win­nung – die Menschen zum Wegziehen. Aus Sicht der Protes­tie­renden stürzen Ökophan­tasten eine ganze Region in die Perspek­tiv­lo­sig­keit. “Auf dem Platz schwankt die Stimmung zwischen Wut, Hoffnungs­lo­sig­keit und Zukunfts­angst”, berich­tete der Sender RBB.

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Im Sinne einer objek­tiven Gesamt­schau können die sozialen Auswir­kungen der Strom­erzeu­gung aus Braun­kohle keines­wegs als ein für alle Betrof­fenen unheil­bares Übel schreck­li­chen Ausmaßes darge­stellt werden, wie es Lobby­isten der Erneu­er­bare Energien Branchen regel­mäßig tun. 

Wie praktisch jede Form der Energie­er­zeu­gung hat die Strom­erzeu­gung aus Braun­kohle völlig unbestritten ihre sozialen Schat­ten­seiten. Der entschei­dende Unter­schied zwischen der Braun­kohle und der Windkraft liegt jedoch im Umgang mit diesen Schat­ten­seiten, sprich den Entschä­di­gungs­re­ge­lungen. Einen sehr guten Überblick zum gesamten Themen­kom­plex Enteig­nung und Entschä­di­gung bietet das Urteil des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts vom 17. Dezember 2013.

Auf der einen Seite gibt es ein umfang­rei­ches, trans­pa­rentes und lang etabliertes gesetz­li­ches Regel­werk sowie Unter­nehmen, die aufgrund ihrer inhärent profi­ta­blen Geschäfts­tä­tig­keit die Mittel haben, die gesetz­li­chen Vorgaben zu erfüllen und sogar noch darüber hinaus­zu­gehen und pro-aktiv den sozialen Ausgleich zu suchen. 

Auf der anderen Seite gibt es eine flächen­de­ckende, kalte Enteig­nung der Landbe­völ­ke­rung ohne jede gesetz­liche Kompen­sa­ti­ons­re­ge­lung. Einen Eindruck vermit­telt dieses Video einer Bürgerin aus Ostfries­land

Wir danken der BI Weitblick Ostfries­land für den Hinweis

sowie diese Auszüge von im Norddeut­schen Rundfunk und im ZDF gesen­deter Repor­tagen:

Sympto­ma­tisch für viele uns persön­lich bekannte und noch viel mehr unbekannte Leidtra­gende ist die hier skizzierte Landflucht von Gerhard Meyer. 

III. Ausmaß der ökolo­gi­schen Schädi­gung und Praxis der Renatu­rie­rung

Was für die sozialen Schat­ten­seiten gilt, trifft sinngemäß auch für die ökolo­gi­schen Nachteile der Strom­erzeu­gung aus Braun­kohle zu. 

Der Braun­koh­le­abbau erfor­dert bzw. führt zur Absen­kung des Grund­was­ser­spie­gels. Dort, wo vor dem Braun­koh­le­abbau Kultur­land­schaft oder gar ökolo­gisch hochwer­tiger Wald war, werden Wald und Landschaft auf Jahrzehnte zerstört. Die Verstro­mung der Kohle führt zur Emission von Luftschad­stoffen (i.W. Schwe­fel­di­oxid und Flugasche) sowie von Kohlen­stoff­di­oxid, welches gemeinhin als Ursache des anthro­po­genen Klima­wan­dels gilt. 

Zur Eindäm­mung, Vermei­dung und Kompen­sa­tion dieser ökolo­gi­schen Schädi­gungen gibt es vielfäl­tige techni­sche, plane­ri­sche und politi­sche Ansätze.

Das Problem der Luftver­schmut­zung kann in Deutsch­land aufgrund des erfolg­rei­chen Zusam­men­spiels aus Regulie­rung und techno­lo­gi­schem Fortschritt als weitest­ge­hend gelöst betrachtet werden. Der durch SO2 verur­sachte “Saure Regen” gehört dank moderner Entschwe­fe­lungs­an­lagen seit Jahrzehnten der Vergan­gen­heit an, Verschmut­zungen der Atemluft werden durch Elektro­filter nahezu vollständig vermieden.

Während zu DDR-Zeiten der durch SO2-Emissionen verur­sachte typische Braun­koh­le­ge­ruch und die damit verbun­denen Gesund­heits- und Umwelt­pro­bleme allge­gen­wärtig waren, so können Pflanzen, Menschen und Tiere mittler­weile selbst in unmit­tel­barer Nähe der Kraft­werke frei atmen. Die großen Schwaden, die üblicher­weise aus Kühltürmen empor­dampfen und seitens einschlägig motivierter politi­scher Verkäufer von Windkraft­an­lagen gerne als Symbole des Schre­ckens instru­men­ta­li­siert werden, sind nichts anderes als harmloser Wasser­dampf.

Den mit der Absen­kung des Grund­was­ser­spie­gels verbun­denen Problemen wird durch gesetz­lich vorge­schrie­bene, von den Unter­nehmen bezahlte (!),  Maßnahmen entge­gen­ge­wirkt. Auf den Seiten des Diercke-Weltatlas ist dies anschau­lich beschrieben:

  Die Gewin­nung von Braun­kohle im Tiefta­gebau setzt voraus, dass eine Absen­kung des Grund­was­sers bis unter die Tagebau­sohle erfolgt. Daher müssen im Umfeld des Tagebaus die oberhalb der Braun­kohle gelegenen Grund­was­ser­leiter entleert und die unter­halb der Flöze liegenden Schichten vom Wasser­über­druck entspannt werden. Dies erfolgt mit Galerien von Brunnen im Bereich des aktiven Tagebau­feldes. Durch den seit Mitte der 1950er-Jahre vollzo­genen Übergang zur Großtech­no­logie mit wenigen, flächen­haft ausge­dehnten Abteu­fungs­arealen gehen sowohl Grund­was­ser­ab­sen­kung als auch Grund­was­ser­ent­span­nung deutlich über den engeren Tagebau­be­reich hinaus. Die tatsäch­liche räumliche Ausdeh­nung ist abhängig sowohl von Ausmaß und Dauer der Grund­was­ser­ent­nahme als auch von den tekto­ni­schen (Verwer­fungen, Schol­len­bil­dung) und strati­gra­phi­schen (Schich­tung, Durch­läs­sig­keit, Stock­werks­glie­de­rung) Struk­turen des Unter­grundes. Die durch Verwer­fungen begrenzten Schollen führen im Wesent­li­chen ein hydro­lo­gi­sches Eigen­leben; bereichs­weise können aber durch “geolo­gi­sche Fenster” auch Einflüsse auf Nachbar­schollen auftreten.
Die Diskus­sion um die Folgen der Grund­was­ser­ab­sen­kung erreichte um die Mitte der 1970er-Jahre bei der Planung des Großta­ge­baus Hambach erstmals eine breitere Öffent­lich­keit. Denn auch in erheb­li­cher Entfer­nung von den Tagebauen sind die ökolo­gi­schen und ökono­mi­schen Auswir­kungen der Grund­was­ser­ab­sen­kung noch spürbar. Verbind­liche Auflagen seitens des Gesetz­ge­bers, in diesem Fall des Landes Nordrhein-Westfalen, geben inzwi­schen vor, dass der Braun­koh­len­abbau ökolo­gisch vertretbar sein muss. So entstand in den 1980er-Jahren ein ökolo­gi­sches Anfor­de­rungs­profil für den bestehenden Tagebau Garzweiler I, das vom Betreiber zu erfüllen ist. Eine der Anfor­de­rungen lautet, dass jährlich rund 55 Mio. Kubik­meter Wasser aus der Sümpfung zur Trocken­hal­tung des Tagebaus in verschie­dene Bereiche der betrof­fenen Region gelie­fert werden müssen, um Beein­träch­ti­gungen des Wasser- und Natur­haus­haltes ausglei­chen oder vermeiden zu können.
Die Erfah­rungen, die seit den 1980er-Jahren mit Maßnahmen wie diesen gemacht wurden, zeigen, dass die Auswei­tung der Grund­was­ser­ab­sen­kung in sensi­blen Gebieten vermieden werden kann. Für die Fortfüh­rung des Braun­koh­len­ab­baus im Anschluss­ta­gebau Garzweiler II, in dem 2006 der Betrieb aufge­nommen wurde, mussten auch die Ausgleichs­maß­nahmen fortge­führt und verstärkt werden. Von Jüchen aus führt derzeit ein rund 125 Kilometer langes Rohrlei­tungs­system zu verschie­denen Feucht­ge­bieten. Dieses Pipeline­system wird parallel zur Auswei­tung des Tagebaus Garzweiler nach Westen fortent­wi­ckelt. Mit einem inten­siven Überwa­chungs­pro­gramm (Monito­ring) soll außerdem sicher­ge­stellt werden, dass insbe­son­dere die Feucht­ge­biete des inter­na­tio­nalen Natur­parks Maas-Schwalm-Nette vor Grund­was­ser­ab­sen­kungen verschont bleiben. 
 

Inwie­weit diese Maßnahmen im Einzel­fall und im Allge­meinen ausrei­chend sind, entzieht sich unserer Kenntnis.

Glaubt man der Inter­es­sen­ver­tre­tung der Braun­koh­leun­ter­nehmen, so wird alles Mögliche getan, um die Heraus­for­de­rungen zu meistern – und das erfolg­reich. Die Sicht­weise des Lobby­ver­bands der Braun­kohle findet sich unter diesem Link.

Glaubt man dem BUND, so sind die Probleme unlösbar und die Akteure verant­wor­tungslos. Die Sicht­weise des eng mit der Windkraft­in­dus­trie verfloch­tenen “Naturschutz”-Verbandes findet sich unter diesem Link.

Ähnlich verhält es sich mit der Proble­matik der buchstäb­lich “wegge­bag­gerten” Flächen – auch hier wird dem Thema mit klaren gesetz­li­chen Regelungen und langfris­tigen Planungen begegnet. Dazu schreibt das Bundes­mi­nis­te­rium für Wirtschaft und Energie:

  Braun­koh­le­bergbau verän­dert die Landschaft nachhaltig; er ist immer mit gravie­renden Eingriffen in den Lebens­raum von Mensch und Tier und in die Natur allge­mein verbunden. Im Rahmen landes­pla­ne­ri­scher und bergrecht­li­cher Geneh­mi­gungs­ver­fahren wird versucht, zwischen energie­wirt­schaft­li­chen, sozialen, techni­schen und umwelt­be­zo­genen Inter­essen einen Ausgleich herzu­stellen. Dabei wird der Öffent­lich­keit – zum Beispiel den Bürgern, Fachbe­hörden, Umwelt­ver­bänden – die Möglich­keit zur Einfluss­nahme und Mitbe­stim­mung einge­räumt.  

Einen plasti­schen Eindruck der Schwie­rig­keiten aber auch der Erfolge bei den Bemühungen um die Renatu­rie­rung von Berbau­fol­ge­land­schaften vermit­teln die hier verlinkten Filme eines bundes­ei­genen Unter­neh­mens. 

Ob das Ergebnis dieser Bemühungen akzep­tabel ist oder nicht, bleibt eine subjek­tive Einschät­zung.

Objek­tive Tatsache ist jedoch, dass die flächen­mä­ßige Relevanz dieses Problems  – siehe Abschnitt I – vergleichs­weise gering ist. Dazu schreibt das Bundes­mi­nis­te­rium für Wirtschaft und Energie:

  Seit Beginn der Abbau­tä­tig­keit hat der Braun­koh­le­bergbau insge­samt rund 174.700 ha in Anspruch genommen, davon sind bereits ca. 69 % wieder rekul­ti­viert. Rund 19 % der rekul­ti­vierten Flächen sind als landwirt­schaft­liche Flächen, ca. 30 % als forst­wirt­schaft­liche Flächen und ca. 13 % als Wasser­flä­chen herge­stellt worden.  

Die Fläche der Bundes­re­pu­blik beträgt 357.168 km². Davon wurden bislang also überhaupt nur 0,048 Prozent in Anspruch genommen. Von dieser Fläche wurden mehr als 2/3 wieder rekul­ti­viert oder renatu­riert.

Glaubt man der Inter­es­sen­ver­tre­tung der Braun­koh­leun­ter­nehmen, so werden die Flächen im Rahmen der gesetz­lich vorge­schrie­benen und von den Unter­nehmen bezahlten, also im Strom bereits einge­preisten Maßnahmen, dabei häufig ökolo­gisch aufge­wertet. Entspre­chende “Anekdoten” dazu findet man unter diesem und diesem Link.

Glaubt man dem BUND und damit den Sachwal­tern der Windkraft­in­dus­trie, so entstehen trotz konze­dierter “Fortschritte in der Rekul­ti­vie­rungs­technik” ledig­lich ökolo­gisch minder­wer­tige Kunst­land­schaften, wie unter diesem Link zu lesen ist.

Auch hier wagen wir nicht den Versuch eines objek­tiven Urteils. Vielmehr laden wir dazu ein, subjek­tive Eindrücke der Realität in den “vom Braun­koh­le­abbau gezeich­neten” Gebieten zu machen. Beispiels­weise im Ferien­ge­biet Senften­berger See.

Senftenberger See

Mit einem Klick gelangen Sie zur Homepage des Ferien­ge­biets.

Seelhausener_See_(von_Sausedlitzer_Seite_gesehen)

Seelhau­sener See (von Saused­litzer Seite gesehen)“ von Oligenom – Eigenes Werk. Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Zu den Kohlen­di­oxid­emis­sionen schließ­lich ist anzumerken, dass diese bei der Braun­koh­le­ver­stro­mung in der Tat höher als bei anderen vergleich­baren (d.h. zur Deckung der Grund­last fähigen) Strom­erzeu­gungs­formen sind. Insbe­son­dere die in dieser Hinsicht umwelt­freund­lichsten Gaskraft­werke werden aller­dings durch den Windkraft­ausbau verdrängt. Braun­kohle-Kraft­werke als “Klima­killer” oder “Dreck­schleu­dern” zu bezeichnen, wie es die Windkraft­lobby immer wieder tut, geht aller­dings an der Realität vorbei.

Zum einen wird durch Inbetrieb­nahme neuer Kraft­werke und Abschal­tung von Altan­lagen die Effizienz der Strom­erzeu­gung aus Braun­kohle in Deutsch­land stetig erhöht; der in 2013 um rund ein Prozent auf etwa 162 Milli­arden Kilowatt­stunden (Mrd. kWh) gestie­genen Strom­erzeu­gung stand beispiels­weise ein Rückgang des Kohlen­ver­brauchs in den deutschen Braun­koh­le­kraft­werken um 1,5 Prozent gegen­über. Zum anderen gilt es bei der Abschät­zung der “Klimage­fahren” die Dimen­sionen  zu berück­sich­tigen:

Deutsch­land trägt zu den globalen CO2-Emissionen ungefähr 2,5 % bei. Egal, was in Deutsch­land passiert, wird dieser Anteil bis 2030 auf deutlich unter 2% sinken. Deshalb, weil allein die Zuwächse in China und Indien unsere Gesam­te­mis­sion deutlich übertreffen. Was in Deutsch­land an CO2 emittiert wird (Gesam­te­mis­sionen), entspricht der Menge, die in China alle 14 Monate neu hinzu­kommt. Wenn Deutsch­land morgen aufhörte zu existieren, wäre dies in der globalen CO2-Bilanz allein durch China nach einem guten Jahr vollständig ausge­gli­chen. Bereits aufgrund dieser Dimen­sionen ist ausge­schlossen, dass man von deutschem Boden aus einen Einfluss auf das Weltklima entfalten kann. Dem Klima ist es im Übrigen egal, ob ein CO2-Molekül aus dem Auspuff eines PKW, dem Kamin eines Kachel­ofens oder dem Schorn­stein eines Kraft­werks kommt. Der gesamte Energie­ver­brauch ist maßgeb­lich. Zu dessen Deckung tragen alle Braun­koh­le­kraft­werke zusammen knapp 12 % bei. Es geht also größen­ord­nungs­mäßig um 12 % von 2,5 %, also 0,3 Prozent der globalen Emissionen, die durch deutsche Braun­koh­le­ver­stro­mung entstehen.

Wer deswegen trotzdem einen Anlass sieht, die Klimage­fähr­dung zu beschwören, muss zumin­dest die Existenz des Europäi­schen Emissi­ons­han­dels­sys­tems zur Kenntnis nehmen. Dieses legt die Gesam­te­mis­sionen für alle EU Staaten insge­samt verbind­lich fest; alle poten­ti­ellen Emittenten der großen, energe­tisch relevanten Indus­trie­zweige müssen inner­halb dieses gedeckelten Kontin­gents Emissi­ons­rechte (“Zerti­fi­kate”) erwerben. Energie­er­zeu­gungs­un­ter­nehmen sind vollständig erfasst und müssen für jedes emittierte Gramm CO2 ein entspre­chendes Zerti­fikat nachweisen. Diese Zerti­fi­kate werden an Börsen oder zwischen den Anlagen­be­trei­bern frei gehan­delt, wobei das Kontin­gent sukzes­sive verklei­nert wird. Das System stellt im Prinzip sicher, dass das CO2 – Reduk­ti­ons­ziel einge­halten wird und Emissionen an den Stellen einge­spart werden, wo dies am kosten­güns­tigsten möglich ist. Im Zweifel ist dies eher nicht in Deutsch­land der Fall, wo bereits sehr effizi­ente Anlagen im Einsatz sind. Einspa­rungen im deutschen Strom­sektor führen dazu, dass im deutschen Strom­sektor weniger Zerti­fi­kate benötigt werden, der Zerti­fi­kate­preis also sinkt. Damit wird es für Unter­nehmen in anderen Sektoren und Regionen weniger lukrativ, in Emissi­ons­ver­mei­dung zu inves­tieren. Plakativ ausge­drückt: In ost­europäischen Kohle­kraft­werken werden im Zweifel keine effizi­en­teren Turbinen mehr einge­baut, da die Ersparnis bei den Zerti­fi­katen die Inves­ti­tion nicht mehr recht­fer­tigt. Aber auch in anderen Indus­trie­zweigen inner­halb Deutsch­lands verän­dert ein reduzierter Zerti­fi­kats­preis das Inves­ti­ti­ons­kalkül. Man kann es drehen, wie man will: Am Ende bestimmt allein das EU-weit festge­legte Kontin­gent an Zerti­fi­katen, wieviel CO2 in Europa emittiert wird. 

In der Gesamt­schau ist, was die ökolo­gi­schen Wirkungen der Braun­koh­le­ver­stro­mung betrifft (ganz ähnlich wie bei den sozialen Auswir­kungen), im Vergleich zur Windkraft ein funda­men­taler Unter­schied festzu­stellen.

Dieser funda­men­tale Unter­schied ist politisch-insti­tu­tio­neller Natur:

Beim Braun­koh­le­abbau haben Natur und Umwelt eine schlag­kräf­tige, starke Lobby auf ihrer Seite. Ein Stück Wald ebenso wie eine dort behei­ma­tete seltene Art kann sich der tatkräf­tigen bis militanten Unter­stüt­zung durch den BUND, Green­peace oder andere, den Umwelt­schutz im Namen tragende NGOs, sicher sein.

Beim Windkraft­ausbau haben Natur und Umwelt dieselben Akteure allzu häufig gegen sich.

Beim Braun­koh­le­abbau hat der faire Inter­es­sen­aus­gleich eine Chance, da Profit­in­ter­essen und Natur­schutz­in­ter­essen einander entge­gen­stehen. Weder NABU noch BUND profi­tieren finan­ziell an der Braun­koh­le­ver­stro­mung oder sind ideolo­gisch auf diese Art der Energie­ge­win­nung festge­legt.

Genau das Umgekehrte gilt bei der Windkraft. Die Natur wird von ihren vermeint­li­chen “Anwälten” syste­ma­tisch verraten.

Fazit:

Dieser Artikel soll keine Lanze für die Braun­kohle brechen.

Dies ist die Aufgabe einschlä­giger Lobby­gruppen, beispiels­weise des oben genannten Bundes­ver­bandes der Braun­koh­le­indus­trie. Dafür, dass dieser Verband die Öffent­lich­keit gezielt belügt, seine Klientel zu einer “harten Gangart” anregt und Projek­tierer im Ausschalten von Bürger­initia­tiven schult, wie es uns vom Bundes­ver­band Windenergie überlie­fert ist, haben wir aller­dings keine Anhalts­punkte.

Der Artikel soll vielmehr zu einer unvor­ein­ge­nom­menen Sicht auf die Dinge ermun­tern. Mit einer solchen Sicht liegt es unseres Erach­tens auf der Hand, dass die Schat­ten­seiten der Windkraft weniger strin­gent gesetz­lich adres­siert und noch weniger medial präsen­tiert und öffent­lich wahrge­nommen werden, als jene der Braun­kohle.

Würden für den Ausbau von Windkraft­an­lagen die gleichen gesetz­li­chen Standards gelten, wie sie für den Betrieb von Braun­koh­le­ta­ge­bauen seit Jahr und Tag etabliert sind und prakti­ziert werden, so müssten wir uns um das Wohl von Mensch und Natur weitaus weniger Sorgen machen. 

Würden für den Betrieb von Windkraft­an­lagen die gleichen markt­wirt­schaft­li­chen Randbe­din­gungen gelten,

Braunkohle-Subventionen

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unter denen sich Braun­kohle-Kraft­werke seit Gründung der Bundes­re­pu­blik erfolg­reich behaupten, so würde es in Deutsch­land keine Windkraft­an­lagen und damit keinen Anlass für diesen Artikel geben. 

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